Städtepartnerschaft Hall-Neustrelitz: Krise kam schon nach einem Jahr

"Oh, sie kommen", ruft Partnerstadtbeauftragte Karin Eißele-Kraft aus. Fünf Radler aus Halls Partnerstadt Neustrelitz rollen am Freitag gemütlich auf dem Marktplatz ein. Sie sind Botschafter des 25-Jahr-Jubiläums.

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    Lebendige Städtepartnerschaft. Als Pokal erhalten fünf Radler aus Neustrelitz eine gestaltet Radflasche. Foto: 
  • Neustrelitz Bürgermeister Andreas Grund trägt sich ins Goldene Buch ein. 2/3
    Neustrelitz Bürgermeister Andreas Grund trägt sich ins Goldene Buch ein. Foto: 
  • Kleiner Festakt im Haller Rathaus zum 25-Jahr-Bestehen der Partnerschaft. 3/3
    Kleiner Festakt im Haller Rathaus zum 25-Jahr-Bestehen der Partnerschaft. Foto: 
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Seit einem halben Jahrhundert sind die ehemalige Reichsstadt am Kocherfluss und die einstige Residenzstadt an der Mecklenburgischen Seenplatte verbunden. Im Jahr Eins der Ehe drohte die Zwangsscheidung. "Am Anfang kamen Gruppen mit gezielt ausgewählten Bürgern nach Hall", erinnert sich Christa Glück. Damals stand die Mauer noch. Wer sie heimlich passieren wollte, dem drohte der Tod. Bei der Auswahl der Bürger, die nach Hall durften, scheint 1989 ein Fehler passiert zu sein. "Eine Frau nutzte die Fahrt, um sich nach Stuttgart abzusetzen", erläutert Glück, die damals in der Haller Stadtverwaltung die Partnerschaft organisierte. Dem Einfluss des damaligen Neustrelitzer Bürgermeisters bei den Parteioberen in Berlin sei es zu verdanken, dass die Partnerschaft nicht gleich gelöst wurde und man heute feiern kann.

Zwei Städte sollen das Wettrüsten verhindern

Solche Gefahren drohen jetzt nicht mehr. Die Mauer ist weg. Der ursprüngliche Grund, eine Städtepartnerschaft einzugehen, damit auch. Aber über die Jahre sind neue Anknüpfungspunkte entstanden.

"Punkt Eins bei den Maßnahmen in der Partnerschaftsurkunde ist die Sicherung des Friedens", erzählt Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim beim kleinen Festakt mit 70 Teilnehmern aus beiden Städten zum 25-Jahr-Jubiläum im historischen Ratssaal am Samstagabend. Die Verbindung der Städte sollte helfen, "das Wettrüsten zu stoppen". Pelgrim: "So eine Urkunde zeigt, wie sich die Zeiten verändern." Er will allerdings auch heute nicht von großen Zielen abweichen, schlägt daher vor, dass beide Städte ihrer Verantwortung nachkommen und sich über die gegenseitigen Projekte hinaus eine neue, sinnvolle Aufgaben vornehmen. "Außerhalb Deutschlands gibt es weit größere Probleme", sagt er. Vielleicht könnten beide Kommunen in Afrika Gutes tun. Im nächsten Jahr soll das angegangen werden, bestätigt Neustrelitz Bürgermeister Andreas Grund. "Letztendlich haben wir nicht nur für unsere kommunale Familie, sondern für ganz Deutschland Verantwortung." Grund erinnert an die Anfänge: "Es war damals ein Novum, dass sich die Deutsch-Deutschen-Städtepartnerschaften etabliert haben. Und es war letztendlich der Anfang vom Ende der DDR."

Die Partnerschaft ermöglichte in den Anfangsjahren einen regen Austausch. In Neustrelitz wurden eigene Stadtwerke aufgebaut, eine eigene Wohnungsbaugesellschaft - mit Unterstützung aus Hall.

Doch trotz aller Gemeinsamkeiten im wiedervereinigten Deutschland wird bei der Jubiläumsfeier in Hall die Unterschiedlichkeit nicht ausgeklammert, die nach bald 25 Jahren Mauerfall weiterhin besteht.

Von den Unterschieden in Ost und West lernen

Andreas Grund: "Hall sucht nach Fachkräften, uns fehlen Arbeitsplätze für Fachkräfte. Hall hat Studenten, wir haben die Wohnungen." Pelgrim sieht Potenzial, dass der Eine vom Anderen lernen kann. So beim Thema demografischer Wandel: "Sie haben in Teilen das zu bewältigen, was uns noch bevorsteht." Vertreter von Seniorengruppen auf beiden Seiten nutzten das Jubiläum daher als Chance, sich erstmals auszutauschen.

Auch das Feiern kommt am Wochenende nicht zu kurz. Zum einen beim Sommernachtsfest, zum anderen wurden Radgruppen gegründet. Eine startete im Frühjahr in Hall gen Nordosten. Die andere radelte nun aus Neustrelitz in fünf Tagen an den Kocher. Mitgestrampelt ist über die für die Neustrelitzer eher ungewohnten Berge sogar ein 79-Jähriger. Andreas Grund sieht darin den Beweis: "Wir sind so nah beieinander, dass man die Strecke bequem mit dem Rad bewältigen kann." Es sind 730 Kilometer.

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