Stadtwerke: Van-Bergen-Nachfolgern wird es nicht langweilig

Vor 100 Tagen ist Johannes van Bergen als Stadtwerkegeschäftsführer abgetreten. Gebhard Gentner und Ronald Pfitzer machen viele Überstunden, um das Unternehmen zu führen und weiterzuentwickeln.

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Da waren's noch drei (von links): Johannes van Bergen hat die Geschäftsführung der Stadtwerke Schwäbisch Hall vor ziemlich genau 100 Tagen an Ronald Pfitzer und Gebhard Gentner abgegeben.  Foto: 

Energiemanager des Jahres 2012, Pionier beim Aufbau von Stadtwerken, visionärer Ökostrompionier: Johannes van Bergen hat große Fußabdrücke hinterlassen - und das nicht nur, weil er hochgewachsen ist. Er hat der Stadt Schwäbisch Hall regelmäßig Millionengewinne beschwert, vor allem aus Aktivitäten außerhalb der Stadt. Jetzt ist er weg. Zumindest als Stadtwerke-Geschäftsführer.

"Wir sind mit van Bergen gut klar gekommen", berichtet Gebhard Gentner. Gleichberechtigt mit Ronald Pfitzer leitet er die Geschäfte der Stadtwerke Schwäbisch Hall. Die beiden wurden nicht ins kalte Wasser geworfen. Denn van Bergen hat vor drei Jahren die Weichen für die Nachfolge gestellt, eine Geschäftsführung mit drei Personen geschaffen. Jetzt nur noch zu zweit zu sein, habe auch einen Vorteil: Man müsse sich mit einer Person weniger abstimmen, lässt Gentner durchblicken. Der 50-jährige Diplom-Ingenieur (FH) verantwortet schon bisher den Technik-Bereich, hat von van Bergen zusätzlich die Bäder erhalten.

Beide Geschäftsführer arbeiten länger als zuvor

Der 52-jährige Pfitzer entwickelte bereits während seines Physikstudiums eine Software, brachte die ab 1992 bei den Stadtwerken ein. Er baute damit den energiewirtschaftlichen Dienstleistungsbereich "Sherpa" auf. Jetzt ist er als Geschäftsführer zudem für Personal und Finanzen zuständig. Die rund 500 Mitarbeiter erwirtschaften 238 Millionen Euro im Jahr 2013. "Van Bergen behält weiterhin seine Aufgaben in den Beteiligungsgesellschaften", erläutert Gentner. Das sei auch sehr gut so. "Dafür hätten wir keine Zeit." Auch so sei die Mehrarbeit seit Februar deutlich zu spüren. Die beiden Geschäftsführer arbeiten länger als zuvor.

Van Bergen hat nicht nur den Betrieb am Laufen gehalten, er hat ständig neue Millionen-Projekte konzipiert. Fehlt der Visionär? "Wir machen konsequent weiter", versichert Pfitzer. Allerdings dämpft er die Aussicht auf spektakuläre Geschäftsabschlüsse. Johannes van Bergen hätte ums Jahr 1998 die Zeichen der Zeit genau erkannt. In der Phase, in der die Netze liberalisiert wurden, habe er das Geschäftskonzept entwickelt: Kommunen gründen ihre eigenen Stadtwerke. Die Netze sind verteilt und mit langen Laufzeiten in den Verträgen fixiert. Das Zeitfenster für Neugründungen schließt sich. "Wenn der Bär erlegt ist, muss man sich aber um das Fell kümmern. Man muss die Unternehmen begleiten, das Personal schulen", sagt Pfitzer. "Wir beobachten die Schweiz ganz genau." Vielleicht lasse sich das Erfolgsmodell der Stadtwerkegründungen aus Deutschland in Österreich und der Schweiz wiederholen.

Genügend Baustellen für Gentner und Pfitzer

Bis dahin wird den beiden nicht langweilig: Der scheinbar ewige Kampf mit Uelzen über die Abwicklung des Ukrainegeschäfts, der Protest der Windkraftgegener in Michelbach, das Defizit des Schenkenseebads, der Bau eines Parkhauses auf der Weilerwiese - Gentner und Pfitzer haben genügend Baustellen.

Falls sie Johannes van Bergen um Rat fragen wollen, haben sie es nicht weit. Der ehemalige Geschäftsführer residiert noch in seinem lichtdurchfluteten Büro oben im Stadtwerketurm - leitet einige Beteiligungen und die Holding, in der alle großen städtischen Gesellschaften zusammengefasst sind. Ins Gehege kommen sich die Geschäftsführer nicht. Gebhard Gentner behält sein Büro im Neubau neben dem Verkehrsübungsplatz, in dem der Technikbereich untergebracht ist. Ronald Pfitzer ist ebenfalls Herr im eigenen Haus - wenn man so will. Er arbeitet im großen Backsteingebäude der ehemaligen Mühle.

Zur Person vom 9. Mai 2015

Professor Dr. Reiner Blobel ist am 25. Dezember 1931 in Schlesien geboren und ist dort, und nach der Flucht, in Sachsen aufgewachsen. Der heute 83-Jährige war Chefarzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Haller Diakonie-Klinikum. Er gehörte 20 Jahre dem Haller Gemeinderat an, war für die FDP auch im Kreisrat. Blobel engagierte und engagiert sich vielfältig, war Vorsitzender des Kreisseniorenrates und ist nach wie vor Vorstandsmitglied des Landesseniorenrates Baden-Württemberg. Sein Theaterstück "Der Eid" wurde 2003 bei den Haller Freilichtspielen aufgeführt. Er ist Autor von mehreren Novellen und Romanen. Anfang der 80er Jahre hat er den Haller Krebsverein gegründet, dessen Ehrenvorsitzender er heute ist und einen Gesprächskreis brustoperierter Frauen ins Leben gerufen. Reiner Blobel hat viele Auszeichnungen und Ehrungen erhalten, unter anderem das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Blobel ist verheiratet mit Sibylle Esser-Blobel, hat zwei Söhne und lebt in Hall.

CUS

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