Stadträte bei W-Lan skeptisch

Mit einer knappen Mehrheit von zwei Stimmen empfehlen die Stadträte, in Hall frei zugängliches W-Lan anzubieten. Seit bald zwei Jahren arbeitet die Stadtverwaltung an einem Konzept fürs kostenlose Netz.

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Internetzugang per W-Lan geplant: Falls auch der Gemeinderat zustimmt, kann in der Neuen Straße bald kostenlos gesurft werden.  Foto: 

Vor zwölf Jahren war das Sony Center am Potsdamer Platz in Berlin ein Ort des Staunens für Reisende aus der Provinz: Coole Hauptstadtbewohner saßen hinter klobigen Laptops, surften kostenlos im Netz. Heute hat es diese Technologie bis Crailsheim geschafft: Ein freier Internet-Zugang für alle.

Warum nicht auch in Hall? Das hat die SPD vor zwei Jahren in einem Antrag gefordert. "Das Thema schwelt ja schon länger", umschreibt es der Leiter der Hauptverwaltung, Rainer Wunderlich, mit einem Schmunzeln. Doch an der Zeitverzögerung sei nicht die Stadtverwaltung schuld. Lange sei gewartet worden, dass der Gesetzgeber klare Rahmenbedingungen für öffentliche Netz-Zugangspunkte schafft. Die Gesetzesänderung kam nicht, dennoch hat Wunderlich eine Lösung gefunden: Eine Privatfirma betreibt das W-Lan-Netz namens "free-key" auf eigenes Risiko. Die Firma haftet, wenn sich ein Nutzer illegal Musikstücke herunterlädt.

Eine Antenne hat eine Reichweite von bis zu 300 Metern

Mehrere Antennen würden das Gebiet zwischen ZOB, Gelbinger Gasse, Marktplatz und Unterwöhrd abdecken. Das Haus der Bildung sowie die Stadtbibliothek würden mit einem freien Zugang ins Internet versorgt. Bis zu 40 Nutzer pro Antenne können sich Informationen mit einer Datenübertragungsrate von zwei Mega-Bit pro Sekunde runterladen. Die Funkverbindung der Antennen hat eine Reichweite von bis zu 300 Metern. "Das reicht sicherlich nicht, um jede Ecke auszuleuchten", dämpft Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim die Erwartungen. Die Altstadt sei zu verwinkelt. Nutzer können zehn Minuten ohne Anmeldung surfen. Wer länger ins Netz will, muss sich per E-Mail oder SMS anmelden.

Ganz kostenlos ist das freie W-Lan nicht. Denn die Nutzer müssen es hinnehmen, dass Werbung eingespielt wird. Die Stadt Hall müsste rund 30.000 Euro für die Installation der Antennen bezahlen, sowie zirka 3100 Euro pro Jahr für Strom- und Internetzugang.

Mehr Jugendliche im Netz: Soll das die Stadt Hall fördern?

"Ich bin ambivalent", sagt OB Pelgrim und eröffnet die Diskussion im Verwaltungs- und Finanzausschuss am Montag. Felix Nestl (SPD) wirbt für den Antrag seiner Fraktion. So bestehe keine Gefahr für die Gesundheit durchs Funknetz. "Jede Mikrowelle strahlt mehr ab als ein W-Lan. Da müsste ja jeder an Krebs krepieren." Joachim Härtig von den Grünen klärt auf: "Eine Mikrowelle ist durch das Gehäuse abgeschirmt. Beim W-Lan sind die Strahlen frei." Hauptamtsleiter Wunderlich versachlicht die Diskussion: Das W-Lan-Netz (100 Milliwatt) arbeite mit einer weit geringeren Leistung als ein einziges Handy (bis zu 2 Watt).

Es gibt weitere Bedenken. "Wenn man auf der Marktplatz steht, soll man auf die Treppe gucken und nicht aufs Display", sagt Härtig. FDP-Fraktionsvorsitzender Preisendanz sieht das ähnlich: "Warum muss die öffentliche Hand die Kosten dafür übernehmen, dass ein Schüler, der acht Minuten auf den Bus wartet, per Handy herausfindet, ob Lady Gaga wieder ein Kleid aus Fleisch trägt?"

Andrea Härterich (CDU) erkennt Vorteile: "Es kommen Leute aus aller Herren Länder nach Hall. Die ausländischen Gäste sind immer aufs W-Lan aus. Die Kosten sind vertretbar." Armin Stutz (CDU): "Ich habe einen zweiten Job im Krankenhaus. Bevor Patienten Fragen zu ihrer OP haben, wollen sie wissen, wie man ins Internet kommt."

Die Entscheidung pro W-Lan fällt im Ausschuss knapp aus. Alles ist nun offen. Der Gemeinderat hat am 18. Mai das letzte Wort.

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