Sportpark Weilerwiese: Verkehr häufig lauter als skatende Jugendliche

Der von Workshop-Teilnehmern geplante Sportpark Weilerwiese überschreitet die Lärmgrenzen, so die Stadt. Wie aus einem Gutachten hervorgeht, betrifft das aber nur die Ruhezeiten. Eine zeitliche Nutzungsbegrenzung könnte helfen.

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Wenn am Mittwoch die Stadträte in der Blendstatthalle zusammenkommen, dann werden sie wohl auch darüber entscheiden, ob und in welchem Umfang der Sportpark Weilerwiese gebaut wird. Die Verwaltung hat einen neuen, abgespeckten Plan entwerfen lassen, nachdem die von  Workshop-Teilnehmern 2012  erstellte Version nicht umsetzbar sei.

Maßgeblich dafür ist ein Lärmgutachten, das im Frühjahr erstellt und erst Ende April zur Sitzung des Bau- und Planungsausschusses öffentlich wurde. Hintergrund: Anwohner an der Johanniterstraße befürchten Lärm. Die Stadt hat nun einige Elemente des Sportparks gestrichen: Kiosk, Spielplatz, Hütte für die Jugendarbeit sowie die Boulebahn. Statt einem Skaterpark mit Half-Pipes und Sprungelementen sind nun Treppen geplant, das sei leiser.

Abends von 20 bis 22 Uhr Überschreitung von 5 Dezibel

Die reduzierte Variante des Sportparks wollten nicht alle Stadträte ohne Diskussion hinnehmen - das Lärmgutachten selbst war vergangene Woche aber kein Thema. Carsten Dietz vom beauftragten Haller Büro RW Bauphysik hatte eigens für die Ausschusssitzung eine Präsentation vorbereitet, die zeigt, wo Schall in welchem Umfang auftritt, wo also die Probleme liegen. Er wurde in der Sitzung aber nicht gefragt.

Beim Blick auf das Lärmgutachten wird klar: Die ursprünglich von Workshop-Teilnehmern 2012 geplante Anlage überschreitet nur in den Ruhezeiten die erlaubte Lautstärke. Die Werte, die auf Gebäude entlang der Johanniterstraße auftreffen, bewegen sich zwischen 50,5 und 55,8 Dezibel. Erlaubt sind nach der vom Regierungspräsidium empfohlenen Sportanlagenlärmschutzverordnung (siehe Info) 55 Dezibel (dB) tagsüber, 50 dB in den Ruhezeiten und 40 dB nachts. 10 dB Unterschied empfinde der Mensch dabei als Verdoppelung der Lautstärke.

Ausgangswerte für das Gutachten war eine tägliche Nutzung von 8 bis 22 Uhr, 25 Kinder auf dem Bolzplatz sowie die gleichzeitige Nutzung aller Anlagen in 50 Prozent der Betriebszeit. Die Überschneidung der Ruhezeit betrifft also werktags die Zeit von 20 bis 22 Uhr, sonntags zusätzlich von 13 bis 15 Uhr. "Mit Nutzungsbeschränkungen kann man das in den Griff bekommen. Die Frage ist, was man will", sagt Clemens Dietz.

Robert Gruner, Sprecher der Stadt, erklärt, dass man sich im Rathaus durchaus mit Zeiteinschränkungen beschäftigt hat. Denn würden um 20 Uhr alle den Platz verlassen, könnten die Richtlinien eingehalten werden. "Man kann das Gelände aber nicht rund um die Uhr überwachen. Es ist auch nicht geplant, das Gelände einzuzäunen."

Vorhandener Lärm im Mittel bei 67,2 Dezibel

Es wurden andere Lösungen gesucht, teilt Carsten Dietz mit. "Das Gelände ist allerdings stark ansteigend. Man müsste die Weilerwiese komplett einhausen", so der Ingenieur, "das ist kaum praktikabel."

Untersucht wurde auch, welcher Schall bereits auf die Wohnhäuser einwirkt: durch Bundesstraße, Kocher und Busbahnhof. Bei einer Messung über 16 Stunden entstand vor dem Gemeindehaus der Volksmission der Höchstwert von 97,7 Dezibel, im Mittel 67,2 Dezibel. "Interessant ist der 95-Percentilwert", erklärt Dietz. In 95 Prozent der Zeit wirkteten 56 Dezibel ein - genauso viel Lärm, wie durch die ursprünglich geplante Freizeitanlage. Dabei gingen die Planer davon aus, dass auch in der morgendlichen Ruhezeit Skater unterwegs sind. Das Ergebnis bleibe aber bedeutungslos, da vorhandener Lärm bei der Entscheidung nicht berücksichtigt wird.

Mit ein Grund, den Sportpark kleiner zu planen, seien auch die Finanzen gewesen, erklärt Gruner. 300.000 Euro sind im Haushalt eingestellt, die Version des Workshops koste aber rund 700.000 Euro. "Da mussten wir natürlich reduzieren."

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