Sozialarbeiter der Awo unterstützten seit 30 Jahren Familien und Alleinerziehende

Seit 30 Jahren gibt es die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) der Arbeiterwohlfahrt im Kreis. Das wird mit einem Festakt am heutigen Abend gefeiert. Wie diese Arbeit aussehen kann, zeigt unser Bericht.

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Alleinerziehende haben es oft schwer, den Alltag zu meistern. Damit sie gelingt, bietet die Awo Hilfe an.  Foto: 

Die 21-Jährige Marion K. hat sich selbst ans Jugendamt gewandt, als sie mit ihrem zweiten Kind schwanger war. "Meine größte Sorge war, dass sich mein Sohn vernachlässigt fühlt, wenn ich wegen dem Baby weniger Zeit für ihn habe", erzählt sie. Da sie keine Verwandten an ihrem Wohnort in Crailsheim hat und der Vater ihrer Kinder sich nicht verantwortlich fühlt, liegt die ganze Last auf ihren Schultern.

"Alle Entscheidungen muss sie allein treffen. Wenn die Kinder nachts unruhig sind, hat sie keinen, der sie unterstützt, wenn sie traurig ist, nimmt sie keiner in den Arm und dazu kommt die finanziell schwierige Situation", erklärt Uwe Werner. Der Sozialpädagoge aus Blaufelden arbeitet als Awo-Mitarbeiter im Auftrag des Haller Jugendamtes.

Wenn sie traurig ist, nimmt sie niemand in den Arm

Es sei nicht seine Aufgabe, ihr fertige Lösungen zu präsentieren, sondern sie zu ermutigen, selber nach Lösungen zu suchen. Sie treffe gute und sichere Entscheidungen, bescheinigt ihr Uwe Werner.

K. sei kooperativ, verantwortungsvoll und könne gut mit Geld umgehen, das erleichtere die Arbeit ungemein. Die junge Frau lebt von Hartz IV, Kindergeld und Unterhaltszahlungen des Jugendamts. "Ich spare jeden Monat 100 Euro und kaufe fast nur gebrauchte Kleidung für die Kinder und mich", sagt sie. Sie ist attraktiv und gut gekleidet - keiner würde auf die Idee kommen, dass sie Geld vom Amt bekommt. "Aber wenn ich vom Jugendamt spreche, werde ich gleich als asozial abgestempelt", ärgert sie sich.

Werner versucht, sie zu motivieren, Neues auszuprobieren. "Etwa zum Kinderturnen zu gehen, auch damit sie Leute kennenlernt. Sie hat ja sonst kaum Gelegenheit", meint er. Für die junge Frau ist es schwer, wenn andere Mütter von ihren Partnern oder vom neuen Haus erzählen. "Das verletzt mich", gesteht sie.

Sie möchte unbedingt eine Ausbildung machen, Werner unterstützt das. Nach der Hauptschule hatte sie schon eine Ausbildung angefangen, dann aber abgebrochen. "Das war sie in einer sehr schwierigen Phase, nachdem sich ihre Eltern getrennt haben", so Werner.

K. träumt von einem Bürojob, Einzelhandelskauffrau ist ihr Ziel. "Ich will meinen Kindern etwas bieten können, ich kann ja nicht ewig vom Amt leben", stellt sie fest. Aber bisher hat es mit den Bewerbungen nicht geklappt, weil sie einen 80-Prozent-Teilzeitausbildungsplatz braucht, auch wenn ihre Kinder ganztags betreut werden. Denn das deckt keinen Acht-Stunden-Tag ab. "Ich will ja arbeiten", betont sie, "aber sobald die Personalchefs hören, dass ich zwei kleine Kinder habe und alleinerziehend bin, winken sie ab." Froh ist sie über die netten Mitarbeiter und die gute Unterstützung im Jobcenter.

Ihren Tag hat sie gut durchstrukturiert. Anfangs bekam sie über die SPFH von einer Hauswirtschafterin Tipps, wie sie ihren Haushalt organisiert. "Da geht es auch darum, Medikamente und Putzmittel kindersicher aufzubewahren oder, dass sie am Abend schon Dinge vorbereitet, damit sie morgens nicht in Stress kommt", schildert der Sozialarbeiter. K. steht jeden Morgen um halb sieben auf. "Für mich gibt es keinen Sonntag", erzählt sie. Erschöpfung ist deshalb auch ein großes Thema - und Traurigkeit. Doch sie ist eine starke Frau. Nach eineinhalb Jahren Unterstützung durch Uwe Werner, "will ich es jetzt allein probieren", sagt sie. Im Herbst bekommt sie einen Kita-Platz für ihre Tochter, dann will sie ihre Ausbildung beginnen. Weiter zu gehen, von einem überschaubaren Ziel zum nächsten, auch das hat sie von Werner gelernt.

Ziele der Familienhilfe

Begleitung Die Sozialpädagogische Familienhilfe ist ein ambulantes Erziehungshilfeangebot. Seit 30 Jahren sind Sozialarbeiter der Haller Awo im Auftrag des Jugendamtes in Familien tätig, die auf Grund unterschiedlicher Problemlagen Unterstützung, Begleitung und Beratung auf Zeit benötigen. Ziel ist es, gemeinsam mit den Familienmitgliedern Veränderungsprozesse anzustoßen und die Familien in ihren Erziehungs- und Alltagskompetenzen zu stärken. Die Awo begleitet Familien in den Regionen Crailsheim, Schwäbisch und Gaildorf, der Diakonieverband im Raum Gerabronn, Blaufelden und Schrozberg.

Kontakt Sonja Schwinn, Telefon 0791/9700415, Mobil 0175/6229440, E-Mail info@awo-sha.de. Jugendamt Hall: Telefon 0791/7557279. Jugendamt Crailsheim: Telefon 07951/4925145

Festakt Die Jubiläumsveranstaltung "30 Jahre Sozialpädagogische Familienhilfe" beginnt heute, Dienstag, 5. Mai, um 17 Uhr im Hällisch-Fränkischen Museum in Schwäbisch Hall.

. SIBA

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