So zufrieden wie noch nie

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Besonders stark fallen die Ergebnisse erneut im Baugewerbe aus. Auch in Crailsheim entstehen derzeit einige neue Wohn- und Gewerbegebäude.  Foto: 

Es gibt sicher schlimmere Probleme: „Wir sind gefangen im Aufschwung“, stellte Detlef Schulz-­Kuhnt­,­ Pressesprecher der IHK Heilbronn-Franken, zum Auftakt des Pressegesprächs zur aktuellen Konjunkturumfrage im Heilbronner Haus der Wirtschaft fest. Auch IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring sprach von einer „tollen Vorstellung unserer Konjunkturumfrage“.

Hauptgrund für die Euphorie: Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage ist bei den 440 beteiligten Unternehmen mit 88 000 Beschäftigten im ersten Jahresquartal auf einen neuen Rekordwert geklettert: Fast 52 Prozent beträgt der Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen – einen besseren Wert gab es noch nie. 56 Prozent der Betriebe bezeichneten die aktuelle Lage als gut, nur vier Prozent sind unzufrieden.

Großhandel auf Rekordniveau

Auch die einzelnen Branchen stehen noch besser da als bei der letzten Konjunkturumfrage: „Alle Kurven gehen nach oben“, berichtete Döring. Der Großhandel erreicht mit einem Zufriedenheitssaldo von 59 Prozent ebenfalls einen neuen Rekord. Die Industrie befindet sich mit über 56 Prozent auf einem Sechs-Jahreshoch.

Das Baugewerbe bleibt unterdessen mit fast 70 Prozent auf einem hohen Niveau stabil. Auch der Dienstleistungssektor liegt mit gut 45 Prozent ganze 17,5 Prozent über dem Vorquartalswert. Nur der Einzelhandel zeigt sich mit einem Saldo von knapp 15 Prozent weniger zufrieden als im Vorquartal, liegt aber immer noch über dem langfristigen Durchschnitt.

Dabei hatte schon die letzte Umfrage Ende 2016 ein zufriedenstellendes Gesamtbild gezeichnet: „Die regionale Wirtschaft trotz den Turbulenzen, das Baugewerbe ist Spitzenreiter und Konjunkturmotor, die Geschäftserwartungen sind zuversichtlich“, fasste Döring die damaligen Ergebnisse zusammen. Seitdem haben sich die globalen Rahmenbedingungen verbessert: Die Wirtschaft in den USA legt in diesem Jahr voraussichtlich stärker zu als 2016, Russland erholt sich von seiner Rezession, auch die EU und China haben leicht zugelegt.

Zudem liegt der EU-Leitzins auf dem Rekordtief von null Prozent – „gute bis sehr gute Bedingungen für Unternehmen“, wie Döring sagte. Die französische Präsidentschaftswahl war zum Zeitpunkt der Umfrage noch nicht entschieden, ihr Resultat bezeichnete Döring aber als „aus Sicht der Wirtschaft zufriedenstellend“.

Und so fallen auch die Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monate noch günstiger aus als Ende 2016: 35 Prozent der Betriebe (Vorquartal: 29 Prozent) erwarten noch bessere Geschäfte, nur sechs Prozent (Vorquartal: zehn Prozent) gehen von einer Verschlechterung aus.

Die positive Stimmung schlägt sich auch auf dem Arbeitsmarkt nieder: 24 Prozent der Unternehmen – drei Prozent mehr als im Vorquartal – planen Neueinstellungen, nur ein Zehntel will Stellen streichen. Spitzenreiter bei den geplanten Einstellungen ist das Baugewerbe: Fast 28 Prozent beträgt der Saldo aus voraussichtlichen Neueinstellungen und Personalabbau aller Bauunternehmen. Doch auch bei Dienstleistungen, Großhandel und Industrie fällt der Saldo deutlich positiv aus. Nur der Einzelhandel fällt auch hier aus der Reihe: Lediglich neun Prozent der Händler planen Neueinstellungen, 13 Prozent Entlassungen.

Doch finden die Unternehmen auch genug Personal, das sie einstellen können? Hier zeigt sich wieder das wohl derzeit größte Geschäftsrisiko der Unternehmen: der Fachkräftemangel. Über 54 Prozent der Betriebe betrachten die geringe Zahl an qualifizierten Bewerbern als größte Bedrohung für ihr Geschäft – weit vor den Sorgen um Inlandsnachfrage, Energie- und Rohstoffpreisen sowie Arbeitskosten.

Abgesehen von diesem Wermutstropfen gibt der aktuelle Stimmungscheck aber nur wenig Anlass zur Sorge: „Die wachsenden wirtschaftspolitischen Risiken schlagen bisher nicht auf unsere regionale Wirtschaft durch“, fasste Döring zusammen. „Im Gegenteil, die Wirtschaft eilt von Rekord zu Rekord und erzielt einen neuen Höchstwert seit Beginn der Umfrage in der heutigen Form im Jahr 1996.“

Für einen zusätzlichen Boom könnte die Hannover Messe sorgen, bei der die Region mit fast 50 Ausstellern stark repräsentiert war: „Die Gänge waren voll, es hat gebrummt. Die Impulskraft der Messe könnte uns weiter beflügeln“, fügte Dörings Stellvertreter Helmut Kessler hinzu.

Doch ewig werde das derzeitige Stimmungshoch nicht andauern, machte Elke Döring klar: „Wie lange dies allerdings noch anhält, vermag momentan niemand seriös zu beantworten.“ Politische Risikofaktoren wie der unsichere Ausgang des Brexit bleiben schließlich bestehen.

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