Seniorencafe ist ein UNO-Ableger

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„Derf‘s noch a Stickale Himbeertorte sei?“ Eigentlich beschränkt sich Elsbeth Daum beim Seniorencafe immer auf nur ein Stück Kuchen. Aber die selbstgebackene Torte von Andrea Rüger, eine der drei Vorsitzenden des Rosengartener Landfrauenvereins, schmeckt halt besonders gut. Jeweils zwei Landfrauen kümmern sich um einen Sonntag beim Seniorencafe in Raibach.  Foto: 

Im Jahr 2002 ist er entstanden – und lebendig wie eh und je. Seit 15 Jahren wird jeweils am ersten Sonntag eines jeden Monats ins „Dorfheim“, das Bürgerhaus des kleinen Dörfchens Raibach, zu Kaffee und Kuchen für Senioren eingeladen. Zwischen den Hällischen Teilorten Hohenholz, Bibersfeld und der Stadtheide gelegen, gehört Raibach zur Gemeinde Rosengarten. Dort hatte man sich 2001 entschlossen, die Forderungen der 1992 von 170 Staaten der UNO verabschiedeten Agenda 21 auf lokaler Ebene umzusetzen und einen Arbeitskreis ‚Lokale Agenda‘ ins Leben zu rufen.

Neben den Themen Ökologie und Ökonomie ging es dabei um die Verbesserung sozialer Belange. Eine der Bemühungen der Lokalen Agenda war es, soziale Treffpunkte für Gemeindemitglieder zu schaffen. Für die ältere Generation kam dabei in Zusammenarbeit mit den Landfrauen Rosengarten das Raibacher Seniorencafé heraus. „Wir sind sozusagen ein UNO-Ableger. Seit April 2002 findet das Treffen im Raibacher Bürgerheim kontinuierlich statt“, sagt die Landfrauen-Vorsitzende Andrea Rüger.

Kaffee und Kuchen gibt es gratis

„Jeweils zwei Frauen sind für je einen Sonntag verantwortlich. Sie dekorieren die Tische, backen Kuchen, kochen Kaffee und machen hinterher sauber.“ Sie und ihre Kollegin Kornelia Traub-Slyk waren am vergangenen Sonntag an der Reihe. Es gab Pfirsichtorte, Himbeer-Sahne-Torte, Mohnkuchen und Käsekuchen  – „der ist obligatorisch, ein Muss“, lacht Andrea Rüger. Die Senioren ließen sich Gratis-Kaffee und Kuchen  schmecken, der „über ein Spenden-Kässle, in das jeder reintut, was er kann und will“, finanziert wird. Schließlich geht‘s ja um die gute Sache: ältere Mitbürger davor zu bewahren, altersbedingt aus dem einstigen sozialen Umfeld ausgeschlossen und isoliert zu werden. „Meine Enkelin hat mich heute geradezu gedrängt, hierher zu kommen“, lächelt Elsbeth Daum. Die 87-jährige Raibacherin kommt von Anfang an regelmäßig zum Seniorencafé, genauso wie ihre ein Jahr ältere Bekannte und Namensbase Elsbeth Haaf aus Hohenholz. „Au wenn‘s emmr schwerer wird, weil‘s Gehen Probleme macht, jetzt ben‘e doch froh, dass i komma bin. ‚S isch besser, als emmr nur Fersehn. Ma kommt unter d‘Leut!“

Man kann reden, sich unterhalten oder zuhören, was andere so erzählen.  Über  den Verkehr wurde geredet, der wegen der B-19-Sperrung derzeit durch Raibach und Hohenholz brummt, über den Busverkehr früher und heute, „der Haller Stadtbus isch ja vonma Rosegartener, vonma Westheimer gründat worda“. Auch von früheren Schulzeiten wurde erzählt, als es noch Tatzen gab, davon, dass man sich auf dem Dorf noch gegenseitig kennt, während „dia in dr Stadt oft net mal wissat, wia ihr Nachbr hoißt“. Und dass die jüngeren unter den Rentnern oft noch kein großes Interesse am Seniorencafé haben, weil sie noch viel zu aktiv sind.

Senioren haben wenig Zeit

„So wie wir beide“, sagte Helmut Maas und deutet auf seinen Tischnachbarn Gerd Braatz. „Wir sind beide über 70, aber wir fahren nächste Woche mit unseren Campern in die Oberpfalz. „Du hast ja nicht mal Zeit fürs Kaffeetrinken“, meint Elsbeth Daum. Helmut Maas hält dagegen: „I ben Rentner, i hab koi Zeit.“ Was sofort zu einem Gespräch darüber führt, dass die Zeit (subjektiv) umso schneller vergeht, je älter man wird. Maas und seine Frau Doris sind an diesem Nachmittag zum zweiten Mal im Seniorencafé. Nach dem ersten Kaffee gehen sie schnell wieder heim. „Bloß ins Nachbarhaus. Wir müssen unsere Enkelin verabschieden, die nach Australien fliegt. Für ein ganzes Jahr.“ Gerd Braatz und Helmut Maas dagegen wollen von ihrer Campingtour in die Oberpfalz in vier Wochen schon wieder da sein. „Dann ist ja wieder Seniorencafé.“

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