Schwere Strafen für Homosexuelle

Die Schicksale von Schwulen und Lesben, der Ehrbegriff im Alltag und die Evangelische Kirche im Nationalsozialismus sind Themen des Buches, das jetzt die Haller Geschichtswerkstatt vorgelegt hat.

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Das Cover des neuen Buches mit Beiträgen zur Haller Stadtgeschichte.  Foto: 

19 Jahre, nachdem die Schriftenreihe "Veröffentlichungen des Stadtarchivs Schwäbisch Hall" mit einem ersten "Bausteine"-Band eröffnet wurde, folgt nun der zweite Teil. Damals wie heute geht es darum, Texte zu publizieren, die für eine eigenständige Veröffentlichung nicht umfangreich genug, aber inhaltlich doch immerhin so interessant sind, dass sie nicht "in der Schublade verstauben" sollen.

Die drei Beiträge des nun vorliegenden Bandes erschließen unter verschiedenen Gesichtspunkten Aspekte der Stadtgeschichte. Andreas Maisch beschäftigt sich mit der Verfolgung homosexueller Männer in der Reichsstadt Schwäbisch Hall zwischen 1500 und 1802. Aus Maischs Recherchen geht hervor: Männliche wie weibliche Homosexualität wurde zum Verbrechen "Sodomie" gerechnet, auf das nach dem geltenden Strafgesetz die Todesstrafe stand. Allerdings scheint in Schwäbisch Hall "nur" ein einziger Mann tatsächlich wegen Homosexualität hingerichtet worden zu sein. Gegen andere Männer wurden schwere, aber nicht das Leben kostende Strafen verhängt. Regelrechte Verfolgungswellen, wie sie sich in anderen Städten nachweisen lassen, gab es in Schwäbisch Hall nicht. Die Prozesse stehen recht vereinzelt. Außer über das Delikt selbst liefern die Gerichtsakten auch vielfältige Einblicke in das soziale Leben und den Umgang der Bewohner miteinander.

Ein weiterer Beitrag im neuen Band beschäftigt sich mit "Ehre", einem der wichtigsten Begriffe bei der Erforschung des Alltags in der Frühen Neuzeit. Dass Ehre auch im 19. Jahrhundert noch außerordentlich wichtig war, zeigt Esther Schinke an ihren Beispielen aus den Beilagen zu den Strafprotokollen der Oberamtsstadt Hall im 19. Jahrhundert. Diese Beilagen geben die Verhöre der Klagenden und Beklagten durch die Ortspolizei wieder. Sie bieten Einblicke in die Lebenswelten von Haller Bürgern und ermöglichen es, die Bedeutungen zu rekonstruieren, die die Beteiligten selbst ihren Handlungen unterlegten. Deutlich werden sollen dabei die komplexen Beziehungen zwischen Streitgegenstand, Ehre und Obrigkeit.

Daniel Stihler schildert im dritten Teil die Geschichte der evangelischen Kirche in Schwäbisch Hall und seinem Umland zwischen 1933 und 1945. Die protestantischen Christen hatten nach dem Sturz der Monarchie 1918 ihre Kirchenoberhäupter verloren und taten sich mit der religiös neutralen Republik schwer. Das ebnete den Weg für die teils enthusiastischen Freudenkundgebungen, mit denen evangelische Christen 1933 den Machtantritt Hitlers begrüßten. Übergriffe auf den kirchlichen Bereich (Musikvereine, Jugendorganisationen) dämpften die Begeisterung relativ schnell.

Judenfeindlichkeit auch aus der Bekennenden Kirche

Der Versuch der als kirchlicher Arm des Nationalsozialismus auftretenden "Deutschen Christen", die Macht in der Kirche zu übernehmen, führte dann zu massiven Konflikten. Als auch die nationalistisch geprägte Pfarrerschaft nicht mehr die Augen vor den antikirchlichen und antichristlichen Strömungen im Nationalsozialismus verschließen konnte, verstärkte sich der Widerstand. Stumm blieben Kirche und Pfarrer angesichts der Judenverfolgung; im innerkirchlichen Streit mit den "Deutschen Christen" bedienten sich auch Vertreter der "Bekennenden Kirche" bei Veranstaltungen in Schwäbisch Hall judenfeindlicher Argumente.

Info Das Buch ist für 15 Euro im Schwäbisch Haller Buchhandel und im Stadtarchiv erhältlich.

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