Schülern lernen für den Katastrophenfall

12 jugendliche Schüler haben einen Kurs „Medizinische Erstversorgung und Selbsthilfe“ besucht, der Sicherheit in einer Notsituation vermitteln will.

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Schüler der Haller Waldorfschule hören beim Kurs für Erstversorgung und Selbsthilfe zu. Auf dem Boden liegt eine Reanimationspuppe.  Foto: 

Lassen sich Katastrophen wie die in Braunsbach verhindern? Hätte die Bevölkerung besser auf solche Ereignisse vorbereitet werden können? Ein Ansatz sind Kurse für Schüler, die Sicherheit im Katastrophenfall vermitteln sollen.

„Nimm ihr ganz langsam den Helm ab.“ Etwas grobmotorisch versucht Tim seiner Mitschülerin Loreen den Helm abzustreifen. „Und dann dreh sie vorsichtig zur Seite.“ Es ist 14 Uhr am Freitagnachmittag. 12 Schülerinnen und Schüler der Haller Waldorfschule stehen im Kreis und beobachten, wie Tim die verunglückte Loreen in die stabile Seitenlage bringt. Mit dabei ist Karl-Eugen Altdörfer vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Er will den Jugendlichen heute nicht nur Erste-Hilfe-Maßnahmen beibringen, sondern auch das richtige Verhalten im Katastrophenfall.

Das sei gar nicht so einfach, jedes Unglück verlaufe anders, erklärt Altdörfer. Er spreche mit den Zehnt- und Elftklässlern verschiedene Szenarien durch. Die Jugendlichen sollen sich in die Situation hineinversetzen und gemeinsam überlegen, wie richtiges Verhalten aussehen soll. Sich grundlegende Standards zu erarbeiten soll helfen, nicht völlig kopflos in einer akuten Notsituation zu handeln.

Schon kleine Kataströphchen sind für die Schüler beunruhigend: Was passiert, wenn der Strom ausfällt? Was funktioniert nicht mehr? Zum Beispiel kein PC mehr, schockierend für junge Leute. Noch dazu fallen Kühlschrank und Gefriertruhe aus, das Essen verdirbt. Kein Licht mehr, keine automatischen Schaltungen. Ruhe bewahren, lautet die erste Devise. Sich einen Überblick über die Lage verschaffen. Welche Orte sind betroffen, wo ist es noch sicher? Bevor man nach anderen schaue, solle man erst mal sich selbst versorgen, betont Altdörfer. Denn es bringt keinem etwas, wenn man sich selbst in Gefahr bringt. Die jungen Leute sollen im Bedarfsfall als Multiplikatoren dienen. Sie sollen andere davon abhalten, sich in unnötige Gefahr zu begeben. Und sobald die Lage wieder sicher ist, qualifiziert Hilfe leisten können. „Oft ist die Bereitschaft zu helfen da, das sehen wir in Braunsbach“, erzählt Altdörfer. „Aber die Frage ist oft, wie ich helfen kann.“ Genau hier setze der Kurs an, das eigenständige Einschätzen der Lage werde trainiert, Hilfemaßnahmen stehen auf dem Plan.

Drei Tage lang machen die 16- und 17-Jährigen alle wichtigen Erste-Hilfe-Übungen, von der Herz-Lungen-Wiederbelebung über die stabile Seitenlage bis zum Anlegen eines Verbandes. Den Teilnahmeschein, den sie nach den Projekttagen von Altdörfer bekommen, können sie für den Führerschein verwenden. Klar war das auch ein Grund, sich zwischen zwölf Projekten für den ASB-Kurs zu entscheiden. Aber den Schülern ist auch klar, wie wichtig es ist, was sie hier lernen. „Es ist gut, erste Hilfe zu können“, findet die 17-jährige Loreen Offenhäußer. Ähnlich sieht es ihr Mitschüler Tim Knapstein: „So weiß ich, was ich machen kann, wenn mal was passiert.“

Die Kurse, die der ASB und auch das DRK in Kooperation mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenvorsorge anbieten, können von allen Schulen beantragt werden. Sie sind kostenfrei für Schule und Schüler, die Kosten teilen sich der Hilfsdienst und das Bundesamt.

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