Schönheitskönigin wird der Rummel zu viel

Ina Bort aus Bühlertann ist vor zwölf Jahren zur Miss Baden-Württemberg gekürt worden. Sie lebt mittlerweile in Westheim und blickt auf ihre Wahl zurück.

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  • Ina Bort sitzt in ihrem Wohnzimmer in Westheim und blättert im Album, dass sie als Miss Baden-Württemberg 2004 zeigt. 1/2
    Ina Bort sitzt in ihrem Wohnzimmer in Westheim und blättert im Album, dass sie als Miss Baden-Württemberg 2004 zeigt. Foto: 
  • Ina Bort bei der Krönung, neben ihr Mister Baden-Württemberg. 2/2
    Ina Bort bei der Krönung, neben ihr Mister Baden-Württemberg.
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Das Fotoalbum ist nicht mal zur Hälfte voll. Die Bilder darin sind von schlechter Qualität, herauskopiert aus dem Internet, viele nicht mal in Farbe. Auf diesen paar Albumseiten ist festgehalten, was Ina Bort 2004 als Miss Baden-Württemberg erlebt hat.

Zwölf Jahre später trinkt die Besucherin mit der Ex-Miss Latte Macchiato, der nach Karamell duftet. Die Schönheitskönigin schaut zurück. „Es war eine spannende Zeit“, sagt sie. Spannend, aber nicht gerade die beste. Weil sie sich da irgendwie nicht gesehen hat, als „Barbie neben Ken“, wie sie und der Mister Germany damals spaßeshalber genannt wurden. Die vielen Termine, die vielen Reporter, Menschen, die von ihr ein Autogramm haben wollten. „Was wollen die damit?“, fragte sie sich. Das bin doch nur ich.

Wäre es nach ihr gegangen, hätte sie nie für einen Schönheitswettbewerb kandidiert. Ein Fotograf hat sie damals in einer Haller Pizzeria, wo sie neben der Schule kellnerte, angesprochen. Sie war neugierig, machte mit und gewann.

Sie lernte viele Prominente kennen – Thomas Gottschalk, Ralf und Michael Schuhmacher, Yvonne Catterfeld und Ronan Keating. Und stellte fest, dass das auch Leute wie du und ich sind. Sie musste oft, sehr oft, in Kameras lächeln, fühlte sich dabei stets unsicher und findet heute, dass man ihr das ansehe. Damals sprach sie davon, dass sie die Miss Baden-Württemberg selbstbewusster mache. Heute wundert sie sich darüber. „Gerade weil ich wenig selbstbewusst war, fühlte ich mich in dem Rummel unwohl“, sagt sie. Bei der Wahl zur Miss Germany, die unweigerlich auf die Miss Bundesland-Wahl folgt, rief sie am dritten Tag ihre Mutter an und wollte heim. Dass immer wieder Journalisten an ihr Hotelzimmer anklopften war ihr zu viel. Sie blieb, wurde nicht Miss Germany, aber doch Sechste.

Sie hat in dem einen Jahr gutes Geld verdient. Im Verhältnis für das, was sie leisten musste, war es zu viel, wie sie findet. Sie war damals Schülerin, machte ihr Abitur am Haller Wirtschaftsgymnasium, lernte Justizfachangestellte und ihr Plan war Jura zu studieren um Richterin zu werden – ihr Traumberuf. Nach drei Semestern in Würzburg gab sie das Studium auf. Sie hatte sich, nicht nur durch das Jahr als Fotomodell, daran gewöhnt, Geld zu verdienen. Auto und Wohnung wollten bezahlt werden. Also brach sie ab und arbeitet heute als Außendienstlerin bei einer Versicherung und glaubt nicht, wenn auch mit ein klein bisschen Wehmut, dass sie der Beruf als Richterin glücklicher gemacht hätte.

Neulich sprach sie ein Kunde an. „Darf ich Sie mal was Indiskretes fragen? Waren Sie einmal Miss Baden-Württemberg?“ Das wundert die 33-Jährige. Immer noch kommt es vor, dass sich Leute daran erinnern.

Schaut sie Sendungen im Fernsehen, bei denen es um Schönheitswettbewerbe geht, dann kann es passieren, dass sie denkt: Wäre ich noch mal ungefähr 20 Jahre alt, würde ich da vielleicht wieder mitmachen. Obwohl ihr der Rummel um ihre Person gar nicht so recht war, mache es natürlich schon was mit einem. „Ina Bort ist die Schönste“, steht auf einem Zeitungsartikel von damals. Wem würde das nicht gefallen?!

Aber Ina Bort sieht den Kult um Figur und Schönheit kritisch. Sie hatte damals das Glück, für ihr Aussehen nichts weiter tun zu müssen als Buttermilch trinken und auf guten Schlaf zu achten. Erst vor einem Jahr hat sie mit Sport angefangen. „Gutes Aussehen alleine macht nicht glücklich“, sagt die ehemals als Schönste Betitelte.

Ina Bort (33) ist in Bühlertann aufgewachsen. Sie ging zuerst aufs Gymnasium bei St. Michael, machte ihren Abschluss auf der Realschule in Bühlertann. Sie lernte Justizfachangestellte, machte ihr Abitur nach und studierte drei Semester Jura in Würzburg. Heute arbeitet sie im Außendienst für eine Versicherung. Sie wohnt mit ihrem Freund in Westheim.

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