Schließung ist beschlossene Sache

Der Landkreis löst die Flüchtlingsunterkunft im Steinbeisweg Ende Oktober auf. Unklar ist, wo die 59 Bewohner hinkommen und was danach mit dem Gebäude passiert.

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Die Zeiten als Flüchtlingsunterkunft sind gezählt für das Gebäude Steinbeisweg 62: Der Landkreis hat das Mietverhältnis mit der GWG zum 31. Oktober gekündigt.  Foto: 

Für größere Schlagzeilen hat die Flüchtlingsunterkunft des Landkreises im Steinbeisweg erst im März 2015 gesorgt. Damals sind bei einem Brand sieben Menschen verletzt worden, darunter zwei Kinder im Alter von acht und 14 Jahren. Ein 38-jähriger Mann hatte das Feuer in der Nacht gelegt, er war zum Tatzeitpunkt betrunken und litt unter psychischen Problemen. Er hat sich bei der Tat schwere Verletzungen zugezogen. 51 Asylbewerber waren zu dem Zeitpunkt in dem Heim anwesend. Sie mussten für elf Tage provisorisch in einer Haller Turnhalle untergebracht werden. Der kleine Brand, der schnell gelöscht werden konnte – ein Bewohner hatte ihn beim Eintreffen der Feuerwehr schon mit einem Feuerlöscher eingedämmt –, hatte trotzdem zur Folge, dass Teile des Heims saniert werden mussten.

Schwankungen in der Belegung

Ereignet hat sich diese Geschichte zu einem Zeitpunkt, als die Unterkunft mit ihren 29 Räumen mit rund 80 Menschen so voll belegt war wie selten zuvor. „Es gab im Laufe der Jahre immer Schwankungen in der Belegung, deshalb war es auch schon leerer“, erklärt Anil Erdogan vom Amt für Migration des Landkreises. Zum jetzigen Zeitpunkt leben dort noch 59 Flüchtlinge aus Afrika, Asien und Europa. Doch nicht mehr lange: Zum 31. Oktober hat der Landkreis das Mietverhältnis für die Flüchtlingsunterkunft gekündigt. „Der Grund dafür ist der spürbare Rückgang der Flüchtlingszahlen. Der Landkreis kann deshalb angemietete Unterkünfte nach und nach abbauen“, sagt Erdo­gan. Damit endet die 27-jährige Geschichte der Einrichtung.

Zunächst war in dem Gebäude ein Übergangswohnheim für Spätaussiedler untergebracht, später dann sind dort Flüchtlinge aus aller Welt untergekommen. In den ersten Zeiten mussten hinter der Unterkunft sogar Behelfsbauten bereitgestellt werden, um die ganzen Menschen unterbringen zu können. Diese konnten aber im Laufe der Jahre wieder abgebaut werden. „Genauere Angaben können wir leider nicht auf die Schnelle machen, da die meisten ‚Zeitzeugen‘ bereits im Ruhestand sind“, sagt auf HT-Nachfrage Simone Bocher-Hohenstein von der Pressestelle der Landkreisverwaltung.

Was mit den Flüchtlingen, die noch im Steinbeisweg wohnen, geschehen soll, wo sie ab November leben werden, ist noch unklar. „Verlegungen sind noch nicht abschließend geplant“, sagt Erdogan. Im Steinbeisweg leben ausschließlich Personen in der sogenannten vorläufigen Unterbringung, die zu den Aufgaben des Landkreises gehört.

Überraschende Kündigung

Ebenso unklar ist die Zukunft des Gebäudes, das seit 1990 im Besitz der GWG ist. „Da die Kündigung des Mietverhältnisses für uns sehr überraschend kam, gibt es im Moment noch keine Entscheidung über die zukünftige Nutzung der Immobilie“, sagt Marius Schell, Pressesprecher der städtischen Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft. Der Zustand des Gebäudes sei nicht mehr so gut, es sei nicht abzusehen, was nach dem Auszug der Asylbewerber damit geschehen werde. 1980 ist das Haus vom Bauunternehmen Stumpp gebaut worden und bis zum Verkauf zehn Jahre später als Bürogebäude genutzt worden. Der erste Mieter war die Stadt Schwäbisch Hall, die dort zunächst die Spätaussiedlerunterkunft betrieben hat, seit 2000 hat es der Landkreis als Flüchtlingsunterkunft angemietet.

„Eine Betreuung vor Ort gab es immer, je nach Belegung mal mehr und mal weniger intensiv. Aktuell sind ein Hausmeister und eine Sozialarbeiterin vor Ort“, erklärt Landkreis-Sprecherin Bocher-Hohenstein. Ehrenamtliche Unterstützung gebe es außerdem vom Freundeskreis Asyl. Dieser sei auch schon von Marina Köhler, Flüchtlingsbeauftragte des Landkreises, über die Auflösung der Einrichtung informiert worden. Im monatlichen „Newsletter Flüchtlingshilfe“ hatte Köhler auch schon über die bevorstehende Schließung berichtet.

Info Den „Newsletter Flüchtlingshilfe“ kann man sich im Internet unter www.integration-landkreis-sha.de/de/kontakt/die-fluechtlingsbeauftragte-informiert/newsletter-fluechtlingshilfe.html herunterladen.

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