Schaurig-schön, die „böse alte Zeit“

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Jan Wiechert schreibt über Kriminalfälle aus Hohenlohe.  Foto: 

Von Kindsmörderinnen, einem messerstechenden Schneiderlein, einem Henker in Not und anderen unheilvollen und unglücklichen Gestalten handeln die neun Kurzgeschichten, die Jan Wiechert in seinem Buch „Böse alte Zeit“ zusammengetragen hat. In den Tiefen des Hohenlohe-Zentralarchivs im Neuensteiner Schloss haben die Geschichten aus der Hohenloher Vergangenheit geschlummert und darauf gewartet, von dem humorvollen Archivar gehoben zu werden.

Nächstes Buch ist in Arbeit

Die Schilderungen der neun historischen Kriminalfälle basieren auf zeitgenössischen Dokumenten. Es wird aus den originalen Fallakten zitiert. Dabei wechselt Jan Wiechert so geschmeidig die Sprache, dass die Geschichten von Anfang bis Ende spannend bleiben, gut verständlich sind und trotzdem die Authentizität in jeder Zeile spürbar ist. 200 Seiten dick ist das Buch. Das nächste Buch mit weiteren historischen Krimis, verrät Jan Wiechert den gespannt zuhörenden Besuchern in der Buchhandlung Rau in Öhringen, ist bereits in Arbeit.

Die erste Geschichte im Buch spielt im Mai 1607 rund um Künzelsau und erzählt von Überfällen auf zwei Frauen. Pech für den verdächtigen Schneider, dass eine der beiden Frauen ihren Verletzungen erliegt. Quasi im Schlaf wird der Schneider so zum Mörder und endet damit unweigerlich unter dem Schwert des Scharfrichters. Nicht ohne zuvor trotz seines Geständnisses noch peinlich verhört worden zu sein. Denn hinter derart grundlosen Überfällen muss doch einfach der Teufel stecken.

Ebenfalls nicht mit rechten Dingen konnte zugehen, was sich in der Nacht auf den 13. September 1761 in Öhringen zugetragen hatte. Eine Frau wurde zwischen dem inneren und mittleren Tor beim Oberen Tor gefunden. Splitterfasernackt kauerte sie auf dem Boden.

Von unehelichen Kindern und Kräutermännern erzählt diese Geschichte, zeichnet ein Sittengemälde der damaligen Zeit. Und zeigt, wie schnell eine Frau damals als Hexe enden konnte. Und das nur, weil sich niemand erklären konnte, wie sie zwischen die beiden unüberwindbaren Tore kam, und weil drei Hühner unter dem Fenster ihrer Arrestzelle starben. Hexe oder Schlafwandlerin? Eva Catharina hatte das Glück, nach einem halben Jahr Arrest völlig ausgezehrt zu sterben. Auf diese Weise blieb ihr Schlimmeres erspart.

Auch die zweite Geschichte, die Jan Wiechert für die Zuhörer las, hatte trotz aller Tragik viele Passagen, über die man schmunzeln musste. Es ist die Geschichte eines angeblichen Herrn von Falkenstein, der den Grafen Friedrich Eberhard von Hohenlohe-Kirchberg um Hilfe bittet. Zurück bleibt die Schuld von fünf Gulden für üppig Speis und Trank und die offene Frage, ob der Herr von Falkenstein ein gerissener Betrüger war.

Fünf Kilometer Akten stehen im Hohenlohe-Zentralarchiv in Neuenstein, dem Arbeitsplatz von Jan Wiechert. Der Archivar hat dort die neun Kriminalfälle aus drei Jahrhunderten recherchiert. Wiechert kam 1982 zur Welt. Er lebt in Schwäbisch Hall.

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