Schatzkammer ohne Schatz

Renovierung, Sakristei und Schatzkammer von St. Michael standen im Mittelpunkt eines Vortrags von Reinhard Schuster im Hällisch-Fränkischen Museum. Etwa 20 Besucher gingen mit beim virtuellen Rundgang.

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Ein Blick in die leere Schatzkammer: Die alten Malereien und Wandverputze sind aus denkmalpflegerischer Sicht besonders und erhaltenswert. Privatfoto

Die Gäste waren der Einladung des Historischen Vereins für Württembergisch Franken gefolgt, der zu dieser speziellen Führung durch St. Michael eingeladen hatte.

Reinhard Schuster begann seinen Powerpoint-Votrag mit einem Zitat: "Wenn an einer großen Kirche kein Gerüst zu sehen ist, so ist das ein bedenkliches Zeichen. Dies könnte ja bedeuten, man lässt das Gebäude verwahrlosen." Das sagte Yvonne Faller, seit 2004 Freiburger Münsterbaumeisterin. Sie ging im November auf laufende Sanierungsarbeiten rund um die Michaelskirche ein. "Pflegen sie ihre Fugen", war ihr gut gemeinter Hinweis. Bereits 1837 fanden "bedeutende Verbesserungen" in der Kirche statt, um 1900 erfolgte eine große Innenrenovierung der Michaelskirche. 1988 bis 2002 erfolgte die erste, die ganze Kirche umfassende, Außenrenovierung. Von 1994 bis 2000 wurden etwa 140 Kunstwerke der Kirche restauriert und konserviert.

Schuster lenkt in seinem Vortrag den Blick seiner Zuhörer auch auf Kostbarkeiten, die beim Besuch der Kirche vielleicht im Verborgenen geblieben wären. Wahre Kleinode gibt es in der Sakristei zu entdecken.

"Wir haben mit der Sakristei einen hochoriginalen und hochoriginellen Nebenraum, der durch seine originale Möblierung und der Aufstellung des ehemaligen Hauptaltars der Michaelskirche eigentlich zur Michaelskapelle geworden ist", führt Schuster aus. Der "Raum der Stille" ist geprägt vom farbenprächtigen Michaelsaltar aus der Zeit um 1520. Ursprünglich stand dieser Altar in der mittleren Chorkapelle. Michael, in goldener Rüstung und mit wallendem Mantel, stammt vom Haller Bildhauer Hans Beuscher.

Beim Blick an die Decke offenbart sich ein spätgotisches Sterngewölbe. Eindrucksvoll auch der über vier Meter hohe und etwa ein Meter tiefe zweiteilige Sakristeischrank, der um 1507 entstand. Eckverbindungen an den Schubkästen, hölzerne Schmuckleisten und aufwändige Metallbeschläge zeigen das handwerkliche Geschick der Kunstschreiner.

"1876 erfolgte eine Gesamtrenovierung der Sakristei. Der Haller Maler Christof Schweikert strich Decke und Wände, bemalte und vergoldete zwei Wappen und malte die Schrift an einem Altar der Kirche nach. Die Schränke wurden mit Leinöl eingelassen, das Albert Gunzert lieferte", erklärt Schuster die damaligen Arbeiten. Neben dem großen Sakristeischrank führt eine enge Wendeltreppe in die "Schatzkammer" der Kirche. Die mit komplizierten Schlössern gesicherte Doppeltür verbirgt den Blick auf ein Kreuzgewölbe und Wandmalereien von 1507. Ein Chronikfragment aus dem 19. Jahrhundert lässt erahnen, welche Schätze die Kammer einst beherbergt hatte.

"Die noch wenige Habschafft von Kirchenschaz bestund in: einigen Stuck gestickten Maria Bilder, gestickte Wappen, Kleidungsstücke von der Maria, auch gestickte Crucifix gegen 3 biß 4 Stuck, all dieses samtlich war sehr starck mit grosen und kleinen guten Perlen besezt, so einen Werth von ohngefehr 1000 fl. (Gulden) haben möchte. So befand sich auch 1 schöner alter Kelch." Mehrere Notizen am Rand der Chronik lassen vermuten, dass der Kirchenschatz nach Ludwigsburg oder Stuttgart gebracht worden ist. "Seit 500 Jahren ist hier nichts mehr geschehen, nichts verändert worden. In der Schatzkammer ist die Zeit stehen geblieben", sagt Schuster über den verborgenen Raum oberhalb der Sakristei.

Info Der nächste offene Abend des Historischen Vereins findet am Mittwoch, 4. März im Medienraum des Hällisch-Fränkischen Museums statt: "Von der Handschrift ins Internet. Die Hohe Registratur des Lorenz Fries - Herrschaft und Verwaltung im Hochstift Würzburg zu Beginn der Neuzeit". Es referiert Privatdozent Dr. Stefan Peterson von der Universität Würzburg.

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