Schafstall: Sigrun Köhler und Wiltrud Baier präsentieren  ihre Doku über Sibylle Berg

Die Filmemacherinnen Sigrun Köhler und Wiltrud Bayer stellen in Hall ihren Dokumentarfilm über die Schriftstellerin Sibylle Berg vor.

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Nach vorwiegend älteren Männern – darunter Fritz Vogt von der Raiffeisenbank in Gammesfeld („Schotter wie Heu“) – wurde von den Filmemacherinnen eine Frau porträtiert: die Schriftstellerin Sibylle Berg (54). Sigrun Köhler und Wiltrud Baier gingen behutsam und beharrlich an die Arbeit. Schließlich gilt die Protagonistin als schwierig im Umgang. Das Ergebnis, „Wer hat Angst vor Sibylle Berg?“, wurde am Samstag im Beisein der Regisseurinnen im Schafstall gezeigt. Der Zeitpunkt ist deshalb von Belang, weil zeitgleich die deutsche Mannschaft um den Einzug ins Halbfinale kämpfte. Knapp 30 Personen fanden dennoch den Weg ins Kino.

Berg wird in der Dokumentation befragt, gefilmt und begleitet – nach Los Angeles in das legendäre Haus des Stararchitekten John Lautner, das heute vom Milliardär James Goldstein bewohnt wird und in die Schweiz, wo Sibylle Berg heute lebt. Aber Orte spielen für die Schriftstellerin eigentlich keine große Rolle, sie ist eine Suchende und eine Frau, die gerne provoziert. So tituliert sie zum Beispiel die beiden Filmemacherinnen als „Dokuschlampen“.

Nach der Filmvorführung ergab sich schnell ein lebendiges Gespräch. Eine der ersten Fragen: Warum gerade Sibylle Berg? Die Antwort ist einfach: „Wir wurden von unserem alten Kameralehrer Justus Pankau darauf gestoßen und dachten auch zuerst, das wird sowieso nichts.“ So nahmen Sigrun Köhler und Wiltrud Baier ihr schönstes Briefpapier und schrieben von Hand „Liebe Frau Berg …“. Die Antwort zunächst: vielleicht. Wie man sehen konnte, wurde dann etwas daraus.

Insgesamt seien es nur sehr wenige Drehtage gewesen. Baier fasst zusammen, dass die Schriftstellerin eine nicht ganz einfache Person sei, und Köhler ergänzt: „Wir haben uns nicht gelangweilt, ich hoffe, Sie auch nicht.“

Manchmal sei nicht klar gewesen, inwieweit sich Berg gerade neu erfindet oder eine wahre Geschichte erzählt. Köhler: „Sie weiß um die Gefahr, wenn man zu ehrlich ist.“ Die Person Sibylle Berg in der Schwebe zu halten und ihr im Grunde verhältnismäßig nahegekommen zu sein, ist das Verdienst der beiden Filmemacherinnen, die nicht werten, sondern aufmerksam beobachten und am Ende aus dem Film mehr als eine bloße Dokumentation machen.

Am Ende wird Berg als die Person sichtbar, die sie wohl ist: verletzlich und sensibel, auf die mediale Öffentlichkeit reagierend. Und wer nichts mit ihr anfangen kann, für den bleibt sie auch nach dem Film heilsam verborgen. Wiltrud Baier beendete das anregende Gespräch mit dem Publikum mit der Aussage, dass Sibylle Berg jetzt sagen würde, jetzt sei aber genug geredet.

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