SC Bühlertann ist in der Salzhalle im Trainingslager für den Faschingsumzug

Fünf Tage vor dem großen Umzug in Bühlertann laufen die Bauarbeiten an den Faschingswagen auf Hochtouren. 16 Wagen sind gemeldet, zehn davon richtig groß. Einen von ihnen baut der Sportclub Bühlertann.

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Die Wagenbauer des SC Bühlertann bauen für den Faschingsumzug am Sonntag einen großen Wagen in den Farben des Sportclubs. Von links: Claudia Holl, Franz Müller als Ersatzkopf der Figur, Evi Rieder, Harald und Grit Pfitzer.  Foto: 

In der ehemaligen Salzhalle in Bühlertann sitzt ein vier Meter großer kopfloser Mann aus Pappmaschee. Der Kopf entsteht in der Werkstatt von Rainer Tschermaniak um die Ecke und streckt die Figur um weitere zwei Meter. Daneben trocknet auf einem Holzgestell ein ebenfalls zwei Meter hoher, frisch gestrichener Hut, der die Figur komplettieren wird. Ein Acht-Meter-Mensch, der - nur soviel sei verraten - die Vereinsfarben des SC Bühlertann tragen wird. Ob Grün oder Weiß, bleibt geheim. Schließlich gehört die Geheimniskrämerei um die großen Mottowagen am Sonntag beim Bühlertanner Faschingsumzug mit zum Spiel.

Wagenbauer singen Lumpenlieder in der Partybude

Ein Spiel, das erstmal harte Arbeit ist. Vor 48 Tagen zogen die ersten 20 Sportler mit Bleistift, Bohrer, Säge, Leim und Farbe in die Salzhalle ein. Die sie sich mit einer zweiten großen Wagenbauergruppe, dem Beichtstuhl, teilen. Ihre erste Amtshandlung war es, in die unbeheizte Halle, ein drei Meter großes Kabuff zu bauen, mit einem Heizpilz in der Mitte und Bierbänken im Karree. "Ein Bauleiterbesprechungszimmer", sucht Thorsten Rüeck (36) nach einer passenden Bezeichnung. Partybude hätte es besser getroffen, meint seine Schwägerin Grit Pfitzer (41) grinsend. Als sie am Samstagabend ihren Mann Harald vom Wagenbauen abholen wollte, saß er mit rund 20 Wagenbauern im Zimmer und sang Lumpenlieder.

Der Arbeitsplan hängt an der Wand: Dienstag, Donnerstag und Samstag. Je näher der Umzug rückt, desto mehr Überstunden häufen sich an. "Desto näher rückt auch die Gruppe zusammen", verrät Anton Pfitzer (47) aus Fronrot. "Wie im Trainingslager vor einem großen Ereignis", zieht seine Schwester Silke Pfitzer (44) die Parallele zum Sport. Denn am Faschingssonntag wird die Gruppe auf 70 Aktive angewachsen sein. Maßgeblich aus den Reihen der Turnerfrauen, besser bekannt als Ex-SC-Dancers und den aktiven Fußballern.

Bis 1997 nahmen die beiden Gruppen getrenntgeschlechtlich am Umzug teil: die Frauen als Fußgruppe, die Männer mit originellen Handwagen, wie zum Beispiel Hängematten auf Rädern für die Wohlstandsprofis.

1996 bauten die Fußballer ihren ersten mechanisierten Wagen. Im Jahr darauf stiegen die Frauen mit auf. Motorisiert am Umzug teilzunehmen war verlockend, erinnert sich Evi Rieder (51), Übungsleiterin der Turnerfrauen.

Versprach der Wagen, was sie sich erhofften? Claudia Holl (49) verschluckt sich fast vor Lachen. "Der Wagen sicher nicht. Das war ein Käfig mit Geländer", wischt sie sich die Lachtränen aus den Augen. Gibt aber zu, dass ihr speziell dieser Umzug unvergessen in Erinnerung geblieben sei. "Wir Frauen waren Geister und wurden von den Ghostbuster-Männern von Umzugsanfang bis Umzugsende mit Wasserpistolen gejagt", hilft Suse Feucht (46) mit Worten aus. Die Frauen einigen sich darauf, dass die größte Veränderung zur Fußgruppe sei, dass man auf einem Wagen gemeinsam eine Show abziehe, die die Zuschauer am Straßenrand unterhalte. Die Fußgruppen hingegen trieben ihre Späße eher direkt mit den Zuschauern, weil sie auf gleicher Höhe mit ihnen stehen.

Profitierten auch die Männer vom Zusammenschluss? "Optisch auf jeden Fall", kommt es von Franz Müller (54) wie aus der Pistole geschossen. Die Wagen wären zu echten Sehenswürdigkeiten mutiert, nachdem die Frauen detailverliebt und akkurat mit Hand angelegt hätten. Bestes Beispiel der achteinhalb Meter große Dalmatiner aus dem Jahr 2012. Auch sie selbst seien zu kleinen Schmuckstücken geworden, erzählt er grinsend weiter.

Die Männer sorgen für die Lacher

Ganz wichtig: Die Männer sorgen für die Lacher, die vielen kleinen Missgeschicke, die der Fasching so gerne schreibt. Allen voran Jürgen Luther (46). Der Autoverkäufer ist eine Zeitbombe auf dem Faschingswagen: 2002 demolierte er die Höllenrutsche, weil er die Rutschpartie verschärfte, indem er rückwärts und zu zweit rutschte. Im Jahr darauf stürzte sein Kampfpferd vor dem Rathaus und verlor den Kopf. "Die letzten fünf Jahre ist nichts mehr passiert", wehrt sich Luther vehement. "Wir bauen jetzt auch Luthersicher", kontert Franz Müller (54) schlagfertig.

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