Rund 200 Besucher bei Musikantentreff des Reinsberger Liederkranzes

Der Liederkranz Reinsberg hat am Sonntag ein ungewöhnliches Konzert veranstaltet: einen Musikanten-Treff im Stadel der Familie Färber.

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Eine Art musikalischer Wettstreit sollte es werden, was der Liederkranz Reinsberg für den vergangenen Sonntag geplant hatte, vergleichbar mit einem Poetry-Slam im Bereich der Gedichtkunst. „Wir machen das zum ersten Mal“, so der „Erfinder“ des Ganzen, Werner Falk, „und wir werden das Publikum nicht per Applaus abstimmen lassen. Wettbewerb ist also nicht ganz richtig. Aber es wird ein Open-End-Konzert. Es dauert so lange, bis jeder, der sich anmeldet, seine Beiträge zum Konzert abgeliefert hat.“ Und mitmachen konnte bei diesem Musikantentreff im Zeichen des volkstümlichen Liedgutes jeder, der wollte und es sich zutraute.

Werner Falk  beispielsweise lernt sein Instrument, die Steirische Harmonika, erst seit drei Jahren. Steirische ...? Nun, sie sieht aus wie ein Akkordeon, wird auch ähnlich gespielt, doch sie produziert beim Ziehen und Drücken nicht die gleichen Harmonien wie das Akkordeon, sondern unterschiedlich hohe Töne, ähnlich wie eine Mundharmonika. „Sie ist einfacher zu lernen“, sagte Gerold Kellermann aus Kleinbärenweiler, einer der Musiker, der sich beim Musikantentreff angemeldet hatte und gemeinsam mit seinen Musikerfreunden  auftrat: Steirische Harmonika, Zither und Bassgitarre. „Nein. Wir machen das nicht zum ersten Mal.  Wir waren schon bei solchen Treffs in Slowenien, in Tirol und im Bayrischen. Da gibt es eine Szene für derlei Auftritte. Aber wir sind Amateure. Wir treffen uns einmal im Monat zum Üben drüben in  Haundorf bei Schnelldorf.“ Nach Reinsberg gefunden haben Gerold Kellermann und seine Freunde dank Silvia Müller aus Crailsheim. Sie selbst spielt auch Instrumente, organisiert aber auch Auftritte und Fahrten dorthin, brachte jetzt nach Reinsberg auch eine Reihe von Leuten mit, den Lutz, den Schneck, den Gschwindt und natürlich Gerold Kellermann und seine Freunde. So hat sie vor einiger Zeit auch Werner Falk getroffen, als der sich in Schrozberg erstmals auf die Bühne traute, allein mit seiner Steirischen Harmonika. Denn Bühnenerfahrung hat er als Vorsitzender und Sänger des Männergesangvereins  von Reinsberg natürlich schon.

Und die Sanges-Männer traten natürlich auch auf, gaben ein Fußball-Lied zum Besten und ein Lied aus dem Tiroler Raum zum Thema Beisammenbleiben und Treusein: „Treu sein, net außi grase, d’Liab isch so zart wia a Seifeblase....“ Werner Falk hat mitgesungen und trat anschließend mit seiner Steirischen Harmonika auf, gemeinsam mit Heinz Kampe aus Gschlachtenbretzingen, und dann mit seiner Enkelin Lena, die sich mit ihren neun Jahren schon vors Publikum traute und das Lied vom Gaul mit dem Wackelzahn im Maul  zum Besten gab, ja sogar das Publikum in und vor der Scheune der Familie Färber zum Mitsingen brachte.

Nicht allerdings Wolpertshausens Bürgermeister Jürgen Silberzahn, der  mit der Familie im Publikum saß. „Nein, kein Pflichttermin“, meinte er, „das ist bürgermeisterliche Kür. Ich höre gerne Musik, von volkstümlich bis Hardrock. Aber das Singen überlasse ich lieber meinem Sohn und meiner Frau. Die singen beide in Chören. Mir hat mein Musiklehrer schon in der 7. Klasse am Deutschordensgymnasium in Mergentheim geraten, das mit dem Singen solle ich lieber lassen.“ Und Werner Falk, der an den Tisch des Bürgermeisters gekommen war, grinste: „Wir brauchen ja auch Leute zum Klatschen.“ Gelegenheiten für Beifall gab’s reichlich, etwa als eine Gruppe Reinsberger Kinder Lieder vortrug; oder als eine Gruppe Alphornbläser auftrat, die Percussion-Gruppe „Werkzeugkasten“ mit Rhythmen zum Mitklatschen einlud, die Familie Leins aus Reinsberg  Lieder sang und immer wieder die Steirische Harmonika gespielt wurde – ein Instrument, das die Szene prägt  wie einst die Elektrogitarre den Rock ’n’ Roll. Alt und Jung jedenfalls, über 200 an der Zahl, genossen das unkonventionelle Musikfest im Reinsberger „Musikantenstadel“ und an  den bis auf die Straße hinaus aufgebauten Tischen. „Solch ein Dorffest“, meinte ein junger Mann im T-Shirt mit Metal-Band-Aufdruck und Kind auf dem Arm, „solch ein Dorffest musst du lange suchen“.

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