Rund 100 Frauen beteiligen sich an der Aktion "One Billion Rising" in Hall

In fast allen Ländern haben sich am Samstag Menschen erhoben, um auf Ungerechtigkeiten und Verbrechen gegenüber Frauen aufmerksam zu machen. Hall war eine von 60 deutschen Aktionsstädten.

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Mit Tanz und Musik machen die Teilnehmerinnen der Aktion "One Billion Rising" in Hall auf Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen aufmerksam.  Foto: 

Überall in der Stadt fallen kleinen rosa Zettel auf. Es sind Einladungen, sich am dritten weltweiten Aufstand der Frauen, dem "One Billion Rising", zu beteiligen. Die bunten Strickteppiche der Aktion "Stricken gegen Gewalt" zieren den Steinernen Steg am Grasbödele. Jedes der rund 1000 Teile symbolisiert ein Mädchen- oder Frauenrecht. Rechte, die es in dieser Form nicht gibt oder die viel zu oft gebrochen werden. Weibliche Föten werden wegen ihres Geschlechts abgetrieben. Mädchen und Frauen leiden unter Beschneidungen, keiner oder schlechterer Schulbildung, Zwangsehen, Vergewaltigung und Mord. Machtpositionen gehen zum Großteil an Männer. Auch in Deutschland erhalten viele Frauen bei gleicher Arbeit weniger Lohn.

"Schwerpunkt der heutigen Veranstaltung ist der Paragraf 177 des deutschen Strafgesetzbuches. Er setzt bei einer Vergewaltigung Nötigung in Form von Gewalt, Drohung oder eine schutzlose Lage der Betroffenen voraus. Nein sagen oder Abwenden reicht nicht. Auf Grund der Rechtslage können überführte Täter oft nicht verurteilt werden. Kein Wunder, dass viele Frauen nicht den Mut für eine Anzeige aufbringen", berichtet Gwendolin Altendörfer vom Vorstand des Haller Frauenzentrums. Diese Auslegung ist für die Initiatorinnen ein Menschenrechtsskandal, aber "wir möchten ein schwieriges Thema mit Tanz und Freude verbinden. Trotz der vielen Probleme in der Welt können Frauen Freude empfinden und weitergeben. Kraft und Lebensfreude zeigen Stärke und geben Hoffnung auf eine Lösung in einer oft ausweglos erscheinenden Situation."

Um 12 Uhr haben sich neben den Veranstalterinnen Mitglieder des Clubs Alpha 60, des Frauen- und Kinderschutzhauses, des Internationalen Frauenkreises und der Mädchengruppe des Heimbacher Hofs eingefunden. Einige Frauen schließen sich dem Protest spontan an. "Ich beteilige mich, weil mir ist das Thema wichtig ist. Meiner Meinung nach werden Vergewaltigungen nicht ausreichend verfolgt", sagt Renate Will aus Schwäbisch Hall. "Die Veranstaltung hat symbolischen Charakter. Es ist beeindruckend, dass sie weltweit fast gleichzeitig stattfindet", erklärt Annette Saltuari aus Murrhardt. Beide Frauen sind neugierig, wie das Event in Hall ablaufen wird.

Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten ist es soweit: Unter Anleitung der Haller Stadträtin und Zumba-Trainerin Damiana Koch, gekleidet in ein buntes brasilianischen Karnevalskostüm, tanzen rund 100 Frauen bei vorfrühlingshafter Witterung fröhlich auf dem Grasbödele. Die Hymne "Break the Chain" ("Sprengt die Ketten") wurde eigens für diesen Tag komponiert, die Choreografie ist weltweit dieselbe. Mit viel Lärm durch Kochtopftrommeln und Gelächter zieht die Gruppe zu weiteren Tanz-Stationen auf den Grasmarkt und ins Kocherquartier. Auf dem Marktplatz gibt es um 14 Uhr die Abschlusskundgebung. Und mit einer Tanzparty am Abend im Club Alpha endet die Aktion.

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