Rosengartener Delegation macht sich Bild vom Leben im rumänischen Zabrani

Bürgermeister Jürgen König, drei Gemeinderäte und neun Feuerwehrleute sind von einer Rumänien-Reise mit eindrücklichen Erfahrungen nach Rosengarten zurückgekehrt.

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Ungewöhnliche Begegnung im Rathaus von Arad: Dieses Pärchen kam frisch verheiratet vom Standesbeamten und wollte unbedingt mit Jürgen König fotografiert werden, als es hörte, dass es sich hier um einen echten deutschen Bürgermeister handelt.  Foto: 

Zabrani ist weit weg von Rosengarten. Bis in die rumänische Kleinstadt sind nicht nur 1200 Kilometer oder 16 Stunden (vom Anhänger mit Hilfsgütern gebremste) Autofahrt zu überwinden. Für Bürgermeister Jürgen König, drei Gemeinderäte und neun Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr war es eine Reise in eine ganz andere Lebenswelt.

 Ein Löschfahrzeug aus Rosengarten ist seit mehr als einem Jahr in Zabrani zu Hause. Bürgermeister Marian Toader hat das für seinen Ort wertvolle Geschenk im März 2015 gemeinsam mit einer Delegation höchstpersönlich abgeholt. Nun steht endlich der Gegenbesuch an. Robert Hoppe übernimmt die Führung der Gruppe, in der die meisten das Land zum ersten Mal betreten. Ganze 40-mal hat der Feuerwehrmann die Strecke seit 1997 schon zurückgelegt. Der Rosengartener engagiert sich für MUT, den Schwäbisch Haller Verein für Mitmachen und Teilen, der sich seit 1990 in Rumänien gegen Armut einsetzt.

"Kein Strom, kein fließendes Wasser, kein Abwasser"

Der Besuch im MUT-Kinderheim „Casa da Copii“ in Bulgarus war eine gute Erfahrung. „Die Lebensgeschichten dieser Kinder waren beeindruckend“, sagt Gemeinderätin Dorothee Mang. Dort hat sie Türblätter wiedererkannt, die vormals im Heim Schöneck für den Sonnenhof Dienst taten. „Am Tag danach haben wir in Zabrani einige Familien besucht, und da meinten die Leute schon: Schlimmer kann es ja nicht werden“, erzählt Robert Hoppe. Das seien jetzt die besser situierten Menschen gewesen, habe er nur erwidert. In einem abgelegenen Roma-Dorf erfahren die Besucher aus dem reichen Deutschland, was es heißt, ganz unten zu sein: „Kein Strom, kein fließendes Wasser, kein Abwasser, kaum eine Plastikplane über dem Kopf“, berichtet Dorothee Mang bedrückt, „und im Winter herrschen da über Wochen hinweg 25 Grad minus.“ Es sind Bilder, die sie nicht vergessen wird und die sie „auf den Boden“ gebracht haben: „Seither rege ich mich nicht mehr auf, wenn es in meiner Wohnung mal ein bisschen staubig ist.“

 Immer wieder stoßen die Reisenden auf Extreme. Neben den trotz ihres fortgeschrittenen Zerfalls bewohnten Gebäuden stehen in Zabrani recht schmucke Häuschen. „Hier leben meist Menschen, die als Pflegekräfte in Deutschland tätig waren“, hat Dorothee Mang erfahren. In solchen Familien sind der Bürgermeister und seine Gemeinderäte während ihres fünftägigen Aufenthalts untergebracht. Das stärkste Kontrastprogramm zur bitteren Armut: das prachtvolle Rathaus in der Provinzhauptstadt Arad. Daneben steht dann wieder die Bibliothek, bei der es durch das Dach regnet.

 Auch den Schattenseiten der EU-Mitgliedschaft sind die Rosengartener begegnet. Dorothee Mang erzählt von dem Bäcker, der sein Geschäft gerade renoviert und neu eingerichtet hatte, als die EU-Verordnungen für die Arbeitsräume Edelstahloberflächen verlangten. Der Mann machte seinen Laden zu. Oder der Schreiner, der seine Angestellten entlassen musste, weil er sich die vorgeschriebenen Arbeitsschutzmaßnahmen nicht leisten konnte. Etwa 190 Euro verdient eine Familie in Zabrani durchschnittlich. In einer Fabrik, die Kabelbäume für Opel, VW und Mercedes fertigt, finden 4000 Menschen aus der Region Arbeit. Der Rest schlägt sich mit Tagelöhnerdiensten durch. „Brot ist günstig, eine Tafel Schokolade kostet so viel wie in Rosengarten“, rechnet Hoppe vor. Die Rosengartener haben Hilfsgüter mitgebracht: haltbare Lebensmittel, Kleidung, Möbel, Spielzeug und Baumaterial. Alles findet dankbare Abnehmer. Dorothee Mang erlebt nirgends missgünstige Reaktionen auf die Gäste, die daheim offenkundig im Luxus leben: „Man hat uns überall herzlich empfangen. Ich habe gespürt, das ist echt.“

 Robert Hoppe ist eine Woche länger als die anderen in Zabrani geblieben, um den Kollegen dort zu helfen. „Die Feuerwehr haben wir inzwischen sehr gut hingestellt“, kann er zufrieden berichten.
 

Orte und Verein

Orte Zabrani liegt im Westen von Rumänien. Der Ort zählt ähnlich viele Einwohner wie Rosengarten (rund 4800, in Rosengarten sind es rund 5200), verfügt aber mit 118 Quadratkilometern über eine fast viermal so große Fläche. Zabrani wurde ab 1724 von deutschen Familien besiedelt und hieß bis 1918 Guttenbrunn. Die Große Kreisstadt Arad, 20 Kilometer westlich von Zabrani gelegen, zählt 200.000 Einwohner.

Verein Der Verein MUT – Mitmachen und Teilen wurde 1990 von Schwäbisch Haller Bürgern gegründet. Das Kinderheim „Casa da Copii“ in Bulgarus gehört zu seinen wichtigsten Hilfsprojekten, die bisher in Rumänien entstanden sind. Dazu kommen Hilfsgütertransporte, Stipendien für Jugendliche, Unterstützung für dringend notwendige Operationen und mehr. MUT finanziert sich ausschließlich über Spenden, eigene Aktivitäten und Mitgliedsbeiträge, die vollständig für die Arbeit verwendet werden. „Uns ist bewusst, dass wir die großen Probleme dieser Welt nicht lösen können, aber wir können uns die Menschen zu Nächsten werden lassen und sie unterstützen, in Würde und mit Perspektiven zu leben“ lautet das Credo auf der Internetseite von MUT.

Kontakt MUT Mitmachen und Teilen e. V., Biberstraße 15, 74523 Schwäbisch Hall. Weitere Infos gibt es unter www.mitmachen-und-teilen.de. cito

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