Romantischer Rektor: Thomas Preisendanz wird heute 65 Jahre alt

Chef der Haller FDP, Vorsitzender der Haller Bürgerstiftung, Schulleiter und leidenschaftlicher Lehrer: Thomas Preisendanz wird heute, Mittwoch, 65 Jahre alt. An Ruhestand möchte er noch gar nicht recht denken.

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Daumen hoch für den Schulleiter: Im vergangenen Jahr gratulieren die Schüler Thomas Preisendanz zu seinem 40-jährigen Dienstjubiläum. Archivfoto: Ufuk Arslan

Regulär wäre er schon im Ruhestand, aber der Schulleiter des Gymnasiums bei St. Michael verlängert um zwei Jahre: Wenn es ums Thema Pensionierung geht, fügt Thomas Preisendanz häufig das Wort "leider" ein. Der Ruhestand sei bei der jetzigen Konstellationen im Führungspersonal sinnvoll. Erfahrene Kollegen könnten den Nachfolger, der auch auf Wunsch des Kollegiums von außen kommen soll, einarbeiten, einen Übergang schaffen.

Das Aufhören wird ihm nicht leichtfallen, lässt Preisendanz durchblicken: "Die Schüler werden mir granatenmäßig fehlen." Wie 65 fühle er sich gar nicht. Er sei ja "nicht so der Geburtstagsfeierer", und was sei das überhaupt für ein Alter: "Seit ich 40 Jahre alt war, fühle ich mich wie 50 - und dabei ist es geblieben", sagt er lachend. Auch wenn er den ab Sommer 2016 anstehenden Ruhestand bedauert, bange ist ihm dennoch nicht: "Keine Angst, mir wird nicht langweilig." Immerhin ist der Ex-Sozialdemokrat, der 1997 die OB-Wahl in Hall verlor und später zu den Liberalen wechselte, heute Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Hall. Er leitet die Haller FDP sowie die Gemeinderatsfraktion.

Ein eingefleischter Amerika-Fan

Und er hat Pläne: Mit Beginn des Ruhestands geht es für drei Monate in die USA - zunächst gemeinsam mit Ehefrau Gundula für einen Monat nach New York, dann reist er mit einem Freund quer über den Kontinent nach Los Angeles. Preisendanz ist eingefleischter Amerika-Fan. Das liege wohl daran, weil er als Schüler zwei Jahre in den USA lebte, wo er auch heute Freundschaften pflegt.

Geboren wurde Preisendanz in Pforzheim. Weil sein Vater als Literatur-Professor an verschiedenen Universitäten lehrte und die Familie ihn begleitete, wuchs Sohn Thomas auch in Heidelberg, Münster, Pittsburgh (Pennsylvania), Davis (Kalifornien) und Konstanz auf. Am Bodensee machte er 1970 am Heinrich-Suso-Gymnasium, wo er auch Schülersprecher war, das Abitur. Die Tür des damaligen Direktors, der stets dunkle Anzüge trug, sei für die Schüler immer offengestanden, erzählt Preisendanz. Diesen Mann habe er sich zum Vorbild genommen - die offene Tür und auch die Anzüge.

Preisendanz bezeichnet sich als "leidenschaftlichen Lehrer" und als "leidenschaftlicher Hasser von Korrekturen". Er liebt das Erzählen, da sei er wohl eher "ein altmodischer Lehrer". Aber er möchte im Unterricht mit den Schülern ins Gespräch kommen. Vor 25 Jahren ist er als Schulleiter nach Hall gekommen. Damals besuchten rund 640 Schüler das Gymnasium bei St. Michael, heute sind es etwa doppelt so viele. Stets gibt es neue Herausforderungen zu meistern. Eigentlich wollte er die letzten beiden Jahre an der Schule "genießen", sagt er. Aber vom Ministerium erlassene Regeln etwa beim Thema Unterrichtsausfall - Preisendanz nennt sie "lebensfremd" -, die er umsetzen muss, bescherten ihm allerhand Ärger "wie in den letzten 20 Jahren nicht". Doch er weiß auch: Das muss ein Schulleiter aushalten. Er schätzt es, mit einem sachlichen Lehrerkollegium zu arbeiten, das den Unmut nicht an ihm auslasse, "ich habe tolles Glück".

Hall ist seine Heimat geworden

Mittlerweile ist Hall seine Heimat geworden. Nirgendwo lebte der Vater zweier erwachsener Söhne und Großvater einer einjährigen Enkeltochter länger. "Ich hab' hier auch gebaut." Die Weltoffenheit der Stadt, viele nette Menschen, das vielfältige Angebot in Sachen Bildung oder für Jugendliche - das schätzt er, dessen Erhalt macht ihm aber auch Sorgen. Für manche Kritik, es gäbe zu wenig Angebote, hat er kein Verständnis. Preisendanz vermisst eine gewisse Bescheidenheit, Dankbarkeit und den "Sinn für die Realität", daraus macht er keinen Hehl: "Es geht uns in Hall super gut. Die Sorge ist nur, wie lange das noch zu halten ist."

Gut geht es Preisendanz jedenfalls bei seinen liebsten Hobbys: Lesen und Filme schauen. Rund 1000 DVDs besitzt er, die er wie ein eigenes Filmarchiv katalogisiert hat. "Lawrence von Arabien" habe er sicher 14 Mal gesehen. Doch zu seinen Lieblingsfilmen gehören auch "Tatsächlich Liebe", "Notting Hill" oder "Schlaflos in Seattle". Die schaut er gemeinsam mit seiner Frau, "so richtig mit Happy-End und Heulen und so", sagt der 65-Jährige lachend. Wer hätte das gedacht? Thomas Preisendanz ist auch ein Romantiker.

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