Romantische Streicherklänge

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Bereits der Beginn des Quartett-Abends weicht vom Üblichen ab: Nachdem die vier Musikerinnen die Plätze eingenommen haben, fangen sie nicht gleich an zu spielen. Leslie Boulet-Raulet begrüßt zunächst das Publikum herzlich in englischer Sprache.

Sie führt in die ersten beiden Stücke ein, indem sie den biografischen Hintergrund und die Besonderheiten der Kompositionen einbezieht.

In dieser Stimmung erklingt nun als erste Musik das kurze Rondo für Streichquartett in c-Moll von Anton Bruckner aus dem Jahr 1862. Die unkomplizierte Musik ist eine gute Wahl für den Anfang des Konzertes, zumal die liebenswürdige Interpretation der vier Französinnen sogleich gefällt.

Voller Klang erfüllt den Raum

Beim nächsten Stück zeigt sich, wie differenziert die Musikerinnen zu Werke gehen. Ludwig van Beethovens Streichquartett D-Dur opus 18 Nr. 3, um 1799 geschrieben, wird nämlich sehr eigenständig interpretiert. Leicht, flüchtig, die Töne fast nur andeutend – so beginnt der erste Satz, bis allmählich der volle Klang den ganzen Raum erfüllt.

Dann – im wunderschön langsamen zweiten Satz, in dem die Instrumente miteinander in Wechselbeziehungen treten – hat sich das Quartett als ein Klangkörper gefunden, um dem Opus in den folgenden beiden Sätzen seine unverwechselbare Beethoven-Tonsprache zu entlocken.

Der zweite Teil nach der Pause ist César Francks einzigem Streichquartett in D-Dur (komponiert im Jahr 1889) gewidmet. Auch in dieses Werk, das stattliche 45 Minuten in Anspruch nimmt, führt die Violinistin das Publikum ein.

Das ist besonders hilfreich, denn das Stück entführt den Hörer nicht nur in eigentümlich fremde Klangwelten, sondern verlangt auch, sich auf stilistisch mehrfach wechselnde musikalische Ausdrucksformen einzulassen.

Wie auf den Leib geschrieben

Dabei scheint das Quartett den Musikerinnen wie auf den Leib geschrieben zu sein. So werden im ersten Satz die Instrumente mit Dämpfer (con sordino) gestrichen, so dass es klingt, als ob das Herbstlaub vom Wind aufgewirbelt wird. Der zweite Satz schwärmt romantisch in ausladenden Melodien und sehnsuchtsvollen Harmonien. Der dritte Satz fügt unvermittelt schroffe Passagen in das vielgestaltige Klangbild ein. Und im letzten Satz fügt sich alles zu einer Einheit zusammen. Bei alldem wirken die Musikerinnen wie verschmolzen mit dem Werk.

Das Ensemble, das sich seinen Namen von Mozarts Singspiel „Zaide“ gegeben hat, strahlt viel Lebensfreude aus und ist in der Pause und nach Konzertende im Foyer für das Publikum präsent.

Charlotte Juillard (Violine), Leslie Boulet-Raulet (Violine), Sarah Chenaf (Viola) und Juliette Salmona (Violoncello) bilden das „Quatuor Zaïde“. Sie haben das Streichquartett von César Franck gerade beim Label „NoMadMusic“ aufgenommen; die CD „Franck, Chausson“ ist ab 17. Oktober im Handel erhältlich. Das Haller Konzert wurde vom SWR aufgezeichnet. Es wird voraussichtlich am Samstag, 18. November, ab 20.03 Uhr auf SWR2 gesendet.

Anlauf steht hier, hier die Erklärung

Im Anschluss an das Konzert mit dem „Quatuor Zaïde“ hatte die Konzertgemeinde Schwäbisch Hall ihre Mitgliederversammlung. Der Vereinsvorsitzende Ulrich Parpart hielt einen kurzen Rückblick auf die vergangene Saison.

Er habe die Saison als recht gelungen empfunden, sagte Parpart, und zwar
sowohl die Vielfalt der Konzerte als auch, wie gut sie besucht wurden.

Obwohl es immer wieder großer Kraftanstrengung bedarf – finanziell und organisatorisch –, ist es ihm ein Anliegen, anspruchsvolle Klassik-Konzerte hier in der Stadt zu ermöglichen. Gelohnt habe sich vor allem die Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Konzerte im Sonnenhof.

Das betrifft natürlich auch die Finanzen. Die Zahlen sind zwar insgesamt für die Konzertsaison 2016/17 im Plus, das liege aber daran, dass ein Konzert wegen Krankheit ausgefallen war – nämlich das des „Quatuor Zaïde“, das jetzt nachgeholt wurde.

So sei es unumgänglich, den Mitgliederbeitrag und die Abo-Preise leicht zu erhöhen, findet der Vereinsvorstand. Der Vorschlag wird von den Mitgliedern angenommen. Des Weiteren wird nach dem Bericht des Kassenwartes der Vorstand entlastet und es werden einige Wortlaute von Passagen in der Satzung geändert.

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