Rettungswagen ausgebremst - Vor Streifenwagen geflüchtet

Weil er erneut betrunken Auto gefahren ist, bestraft das Haller Amtsgericht einen 29-jährigen Industriemechaniker zu vier Monaten Haft mit Bewährung. Der Mann verliert zum zweiten Mal seine Fahrerlaubnis.

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Polizisten brachten den Audi-Fahrer ins Diakoniekrankenhaus. Dort musste er eine Blutprobe abgeben. Die Beamten hatten schon gerochen, das der 29-Jährige Alkohol getrunken haben musste. Symbolfoto: dpa

Der Vorfall ereignete sich am 22. September 2013. Mit einer SMS auf sein Handy, erzählt der 29-jährige Angeklagte vor Gericht, habe alles angefangen. Eine Freundin habe nachts um drei Uhr angefragt, ob er sie und eine weitere Freundin mit seinem Auto abholen könne. Der Angeklagte kam zu diesem Zeitpunkt aus der Discothek Barfüßer in der Haller Innenstadt und hatte reichlich "Wodka-O" getrunken.

Als die beiden jungen Frauen eingestiegen waren und er seinen Audi A3 über die Haller Salinenstraße steuerte, sah er im Rückspiegel einen Streifenwagen. Der 29-Jährige, der schon einmal wegen Alkohols am Steuer verurteilt wurde, erinnert sich: "Ich hab gleich gewusst - super! Jetzt ist der Führerschein weg!" Er gab Gas. An der Einmündung zur Johanniterstraße wurde es gefährlich: Er fuhr bei Rot über die Ampel und bog nach rechts ein. Der Fahrer eines Rettungswagens, der von links kam, musste scharf abbremsen.

Im besten Dialekt beschreibt der junge Fahrer des Rettungswagens als Zeuge die gefährliche Fahrweise des Angeklagten: "Hätt ich ihn nicht gesehen, wäre er in der Seite vom Rettungswagen gehängt!" Der Angeklagte habe beim Abbiegen "beide Spuren gebraucht". Dass es "knapp" war, bestätigt auch die Polizeibeamtin, die mit ihrem Kollegen den rasanten Audi-Fahrer verfolgte. Im Langen Graben brachten sie den Rowdy mit Blaulicht zum Stehen. Sie beschlagnahmten sofort den Führerschein. "Man konnte deutlich Alkohol riechen!", sagt die 40-jährige Beamtin als Zeugin.

Im Haller Diakoniekrankenhaus trafen sich der Fahrer des Rettungswagens und der betrunkene Audi-Fahrer wenig später wieder. Der eine hatte einen Herzinfarkt-Patienten abgeliefert, der andere musste zur Blutprobe: Eine halbe Stunde nach der Verfolgungsjagd hatte der Industriemechaniker immer noch 2 Promille im Blut.

Dass ihr Freund am Steuer alkoholisiert war, wollen die beiden mitgenommenen Frauen während der Fahrt nicht bemerkt haben. Als Zeuginnen geben sie sich gelassen. Er sei "a bissle schneller gefahren", meint die eine. Die andere, eine blonde 21-Jährige, die mit ihrer SMS die Initiative ergriffen und später den Beifahrersitz eingenommen hatte, zeigt ein noch dickeres Fell: "Ich habe gedöst!"

Der gepflegt wirkende 29-Jährige zeigt sich reumütig. Gegen ihn spricht aber, dass er schon einmal in ähnlicher Weise aufgefallen ist und seinen Führerschein für ein Jahr eingebüßt hat. Wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr verhängt Richter Brunkhorst eine Haftstrafe von vier Monaten. Gegen Ableistung von 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit setzt er die Strafe zur Bewährung aus. Die Fahrerlaubnis wird entzogen. Erst im Frühjahr 2015 kann sich der Angeklagte darum bemühen, einen neuen Führerschein ausgestellt zu bekommen.

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