Rettungswache West eröffnet

Innerhalb von 15 Minuten müssen Sanitäter vor Ort sein. Um schneller beim Patienten zu sein, richtet das DRK einen Stützpunkt im Wilhelm-Heller-Ring ein.

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Herzanfall. Jede Minute zählt. Der Rettungswagen bahnt sich seinen Weg von der Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auf der Auwiese die Steige hoch. Oben angekommen muss er noch bis nach Mainhardt zum Patienten fahren. Das könnte schneller gehen.

Jetzt vollzieht das Deutsche Rote Kreuz eine Entwicklung, die von der Haller Feuerwehr schon umgesetzt wurde: Es wird auf der Höhe eine Dependance gegründet. Die Rettungswache auf der Auwiese bleibt bestehen.

Besonders der Westen des Landkreises – von den Wohngebieten Halls bis zum Rottal – sei nun schneller zu erreichen, sagt Dr. Karl Rosenhagen, Präsident des DRK-Kreisverbands. „Wir freuen uns, dass wir die Patienten noch besser versorgen können.“

Provisorium ersetzt

Im Jahr 2015 sei die Entscheidung getroffen worden, im Westen einen Rettungswagen samt Besatzung rund um die Uhr zu stationieren.

Die Notfallhelfer fanden in einem Container an der Feuerwache West eine Herberge. Doch das sei nur eine provisorische Unterkunft gewesen.

„Alle Mitarbeiter während der Dienstzeit zwölf Stunden lang in einem Raum unterzubringen, das ist nicht mehr zeitgemäß“, versichert Tobias Badent, der zusammen mit Patrick Unger die Wache leitet. „Alle sind nun zufrieden und loben die neuen Räume“, sagt Badent und führt durch das Haus, das dem DRK nicht gehört, sondern lediglich gemietet wurde.

Im Obergeschoss wurden drei Zimmer mit je einem Bett eingerichtet. Ein Schulungsraum, ein Büro sowie ein Gemeinschaftsraum mit Küche, Esstisch und Sofaecke sind ebenfalls dort zu finden. Dort könnten die zehn Mitarbeiter, die sich die Schichten aufteilen, im Zustand der „wachen Aufmerksamkeit“, so schreibt es das Gesetz vor,  auf ihren nächsten Einsatz warten.

Unten Autos, oben Menschen

Eine große, helle Wagenhalle prägt das Erdgeschoss. Vier Fahrzeuge seien hier untergebracht, sagt Rosenhagen bei der feierlichen Eröffnung der Rettungswache am Freitag, die bereits seit Januar in Betrieb ist. Dort stehen ein herkömmlicher Rettungswagen, ein Rettungswagen für schwere Personen, ein Gerätewagen für den Katastrophenschutz sowie ein Krankentransportwagen. Ebenfalls im Erdgeschoss findet ein Zentrallager Platz. Dort wird Material für alle fünf Wachen und drei Notarztstationen im Landkreis gebunkert, sortiert und verteilt. „Ein gelungener Bau“, urteilt Michael Knaus, ständiger Stellvertreter des Landrats. Er zeigt sich  beeindruckt von der schnellen Bauzeit von nur sechs Monaten. Zum einen habe der Kreisgeschäftsführer Stefan Amend das Projekt konsequent vorangetrieben, wird betont. Zum anderen sind die Bauherren selbst vom Fach. „Unsere Grundidee war es, für Gewerbetreibende in Hall Räume anzubieten“, erläutert Marco Bäuerle. Er vertritt auf der Eröffnungsfeier den Familienbetrieb Bäuerle-Bau-Team. Der Stukkateurbetrieb, der auch Fassaden- und Trockenbau im Programm habe, sei europaweit unterwegs.

Der derzeitige Firmensitz im Elternhaus in der Einkornstraße sei für die 17 festen Mitarbeiter zu klein geworden. Daher wird ein neues Geschäftsgebäude im Wilhelm-Heller-Ring gebaut. „Aus dem Angebot ans DRK, Unterstellflächen zu nutzen, ist nun der Bau einer Rettungswache geworden“, erläutert Bäuerle. Er schätzt die Bausumme auf rund eine halbe Million Euro. Ganz so genau könne man das nicht sagen, da das Gebäude zusammen mit der neuen Firmenzentrale nebenan erstellt werde. Auch dort stellen die Bäuerles im Erdgeschoss Räume für externe Mieter zur Verfügung.

Herzinfarkt in Mainhardt. Der Notarzt startet nun nicht mehr aus der Tallage heraus, sondern kann gleich auf die Bundesstraße einbiegen. Falls nichts dazwischenkommt, ist er schneller vor Ort.

Manipulationen kamen ans Licht, als das Haller Tagblatt im März 2012 aufdeckte: Die Statistiken über die Hilfsfristen wurden vom damaligen Verantwortlichen für den Rettungsdienst seit dem Jahr 2006 manipuliert. Dieser Skandal hatte Konsequenzen. Die neue DRK-Führung arbeitet daran, dass die Hilfsfristen wieder eingehalten werden. 

In 95 Prozent der Fälle müssen sowohl Notarzt als auch Rettungswagen innerhalb von 15 Minuten nach der Alarmierung an Ort und Stelle sein. Im Kreis Hall werde das noch nicht erreicht, sagt Erster Landesbeamter Michael Knaus. Die Rettungskräfte erreichen die Vorgabe in 92 Prozent der Fälle, der Notarzt zu 90 Prozent. „Ich bin der Chefnörgler im Bereichs­ausschuss“, sagt Knaus. Dort sitzen die Verantwortlichen zusammen, um die Rettungsarbeit im Kreis zu koordinieren. Die wird über die Krankenkassen letztendlich von den Bürgern bezahlt.

Geplant ist, dass mit der neuen Wache in Hall, einer weiteren in Crailsheim und der Stationierung eines Notarztes an der Haller Wache West die Hilfsfristen besser eingehalten werden.

Ein Problem stellt der Nachwuchs dar. Derzeit sei es schwer, Hauptamtliche für den Beruf des Notfallsanitäters zu finden. Zudem müssen sich viele Rettungssanitäter derzeit zum Notfallsanitäter fortbilden lassen, um die neuen Normen zu erfüllen. Sie fehlen bis zu einem halben Jahr im Schichtdienst. tob

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