Reise zum "Menschenfresserberg"

22 Schüler des Erasmus-Widmann-Gymnasiums reisten kürzlich in die Vogesen. Ziel war der "Menschenfresserberg". Im Ersten Weltkrieg starben dort 30000 deutsche und französische Soldaten.

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    Schüler des Erasmus-Widmann-Gymnasiums gehen durch einen der Schützengräben aus dem Ersten Weltkrieg. Foto: 
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Der "Menschenfresserberg" ist ein kleiner Vorhügel des Belchen in den Vogesen, nicht weit von Colmar entfernt. Seinen Namen hat er vom Stellungskrieg des 1. Weltkrieges. 22 Schüler eines Geschichts- und Religionskurses des Erasmus-Widmann-Gymnasiums nahmen eine lange Anfahrt in Kauf, um diesen Ort in einer Führung zu erleben, schreibt Religionslehrer Matthias Imkampe.

Es war spätsommerlich warm, als Robert Lenhardt, Vorstand des Freundeskreises Gedenkstätte Hartmannsweilerkopf samt Hund die Gäste über das Gräberfeld und an der Krypta vorbei in die Schützengräben führte. Von den ursprünglich etwa 90 Kilometern sind nach 100 Jahren immer noch etwa 60 Kilometer erhalten.

Die Schüler haben viel über die damalige Kriegsführung erfahren - aber auch über unterschiedliche Voraussetzungen der verfeindeten Nationen: Während die Deutschen aus dem Rheintal leicht mittels einer Seilbahn Nachschub nach oben transportieren konnten, blieb diese Möglichkeit den Franzosen verwehrt. Teilweise lagen die deutschen und französischen Stellungen kaum mehr als fünf Meter auseinander.

Vom fortwährenden Beschuss beider Seiten war vom Berg damals nur eine unwirkliche, apokalyptische Landschaft mit Baumstümpfen und nackter Erde übrig geblieben. Im Winter Kälte und Nässe in den Schützengräben und im Sommer vermutlich der beißende Gestank von mangelnder Hygiene und Verwesungsgeruch der nichtbestatteten Leichen. Heute schwer vorstellbar.

Und doch machten sich die beiden Kurse mit dem Ziel auf den Weg, sich anders als durch Schulbuchwissen über den 1. Weltkrieg zu informieren. Der Rundweg endete in der Krypta, die seit 1932 die Gebeine ungezählter Soldaten birgt, die von den Nazis während des 2. Weltkrieges nur deshalb verschont wurde, weil auch Deutsche darunter sind. Ein jüdischer, ein katholischer und ein evangelischer Altar bieten die Möglichkeit zur Besinnung und zum Innehalten.

Seit der Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Kriegsbeginns am 3. August 2014 mit Bundespräsident Joachim Gauck und Staatspräsident Francois Hollande sind die Gedenktafeln auf Deutsch nachzulesen. Ein gemeinsames Museum soll in Zukunft daran erinnern, wie wertvoll die europäische Idee ist.

Info Die Schüler wollen zum Volkstrauertag am Sonntag auf dem Waldfriedhof Texte und Gedanken zu den Erlebnissen am Hartmannsweilerkopf vortragen. Beginn ist um 11.15 Uhr.

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