Rehkitze sitzen in der Falle – Viele Jungtiere sterben beim Mähen

Jedes Jahr sterben junge Tiere wie Rehkitze in hohen Wiesen durch Mähmaschinen. Doch es gibt Möglichkeiten, den grausamen Tod zu verhindern.

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Dieses Rehkitz fand den Tod, als eine Wiese gemäht wurde.  Foto: 

Zahlen zu den getöteten Tieren kennt Helmut Bleher, Geschäftsführer des Haller Bauernverbands, keine.  Besonders gefährdet seien aber Tiere in Heuwiesen, wo der Bewuchs recht hoch ist, vor allem in Waldecken und am Waldrand. Solche Wiesen würden die Landwirte schon im eigenen Interesse sorgsam vorab prüfen. „Wir empfehlen bei solchen Grundstücken, rechtzeitig den Jäger zu informieren, damit er – eventuell mit Hund – die Wiese absucht. Ohne Hund ist es für den Landwirt kaum möglich, Kitze zu entdecken“, schreibt er an die Redaktion dieser Zeitung. Tierschützer fordern, Wiesen von innen nach außen zu mähen, um den Tieren die Flucht zu ermöglichen, und auf jeder Wiese eine Grasinsel stehenzulassen. Damit wäre aber nur fliehenden Tieren geholfen, nicht aber Rehkitzen, die sich ducken und bleiben, meint Bleher.

Grundsätzlich auf jeder Wiese ein Stück nicht zu nutzen, hält er mit Hinweis auf das Einkommen der Landwirte für unangemessen. Schutzvorrichtungen gebe es für Maschinen mit seitlich angebrachtem Mähgerät, wie sie meist bei der Heuernte eingesetzt werden, so Bleher. Aber für die über fünf Meter breiten Maschinen und Frontbetrieb kennt er keine. Geringer sei die Gefahr für Rehkitze beim Mähen für Silage, „weil das Gras bei der Ernte kürzer ist und sich Tiere weniger verstecken und schneller sichtbar sind“, ergänzt er.

Das Problem werde, so schreibt der Haller Kreisjägermeister Dr. Wilfried Zieglerer, von allen Beteiligten aus verschiedenen Gründen nicht wahrgenommen. „Ich weiß aber auch von Landwirten, die ihre Wiesen absuchen und auch von solchen, die sich an ihre jeweiligen Jagdausübungsberechtigten wenden“, räumt er ein. Nicht nur Rehkitze sind die Opfer, sondern auch „Feldhasen und Rebhühner aus dem jagdlichen Bereich, vor allem aber alle Wiesenbrüter“, betont Ziegler. Also Vögel, die ihr Nest in Wiesen bauen wie Kiebitz, Braunkehlchen, Feldlerche, Rebhuhn und Wachtel. Hilfreich wäre es, die Wiesen von innen nach außen zu mähen, allerdings gelte das nur bei langsam fahrenden Mähern mit geringer Schnittbreite. Bei solchen Maschinen hält er auch Schutzvorrichtungen für sinnvoll. Die Wiese vor dem Mähen abzusuchen, sei ohne Hunde wenig erfolgreich, mit geübten Hunden durchaus.

Die Jungtiere mit lauten Geräuschen während des Mähens vertreiben zu wollen, davon hält der Jäger aus Bühlerzell nichts. „Sie ducken sich nur noch flacher ins Gras“, schreibt er. Dagegen könnten Flatterbänder, die der Landwirt am Abend vor der Mahd anbringt, die Zahl der „vermähten Rehkitze“ senken, meint er.

Bärbl Baeuerle, Kreisjägermeisterin der Jägervereinigung Crailsheim, stimmt Ziegler zu. Sie weist zudem auf die Gefahr fürs Vieh hin, wenn es Grassilage mit tierischem Gewebe frisst, in dem sich hochgiftige Stoffe bilden können. „Die Entwicklung in der Landwirtschaft zu immer größeren und schnelleren Maschinen ist sicherlich bei diesem Thema nicht hilfreich“, kritisiert sie. Werner Balbach vom Landwirtschaftsamt betont, dass die Landwirte wegen der Vergiftungsgefahr ihrer Nutztiere im eigenen Interesse versuchen, den Tod von Rehkitzen zu verhindern. Beim ersten Silageschnitt hätten die Rehe oftmals noch nicht geworfen, merkt er an.

„Es kommt selten vor, dass ich ein Rehkitz erwische“, sagt Matthias Schmidt, der in Hausen einen Demeter-Milchvieh-Betrieb führt. „Wir stimmen uns mit den Jägern ab und suchen am Abend vorher die Ränder der Wiesen ab, damit die Muttertiere gewarnt sind“, berichtet er. Vorsichtiges Mähen funktioniere aber nicht, denn die Rehkitze seien mit ihrem gescheckten Fell gut getarnt.

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