Recaro liefert erstmal mehr als 100 000 Sitze

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Der Flugzeugsitzeentwickler Recaro Aircraft Seating befindet sich im Steigflug. Im zurückliegenden Jahr stellte das Unternehmen an seinen vier Produktionsstandorten in Schwäbisch Hall, in China, Polen und den USA erstmals mehr als 100 000 Sitze her.

Recaro betont seine hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung. Diese lägen im zweistelligen Prozentbereich, gemessen am Umsatz. Die Innovationen machten sich 2016 deutlich bemerkbar: Etwa ein Drittel der verkauften Produkte waren Neuheiten.

Recaro will seine Zahlen vorlegen, nachdem der Jahresabschluss festgestellt ist. Doch schon jetzt ist klar, dass das Unternehmen seinen Umsatz 2016 um mehr als 10 Prozent gesteigert hat. 2015 hatte dieser 409 Millionen Euro betragen.

Allein am Stammsitz Hall investiert Recaro in diesem Jahr 13,5 Millionen Euro. Das neue Logistikzentrum soll erst der Anfang sein. Insgesamt werde Recaro im hohen zweistelligen Millionenbereich investieren.

Mark Hiller ist Geschäftsführer bei Recaro sowie Gesellschafter.

Präsident Trump versucht, den US-Markt zu schützen. Ist Recaro durch seinen Standort in Dallas dafür ausreichend gerüstet?

Dr. Mark Hiller: Wir sind seit 1999 erfolgreich in Texas unterwegs. Unser Ansatz ist local for local. Wir haben eine lokale Wertschöpfung. Es ist nicht so, dass die Teile aus Europa kommen und Recaro montiert dort nur. Wir arbeiten mit lokalen Lieferanten zusammen und haben dadurch eine hohe Wertschöpfungstiefe in den USA. Wir sind bei Boeing und Airbus in den USA als wichtiger Lieferant anerkannt und liefern dadurch ein erhebliches Volumen. Von daher sehe ich keine Restriktionen, die uns treffen würden. Wir sind ganz entspannt, auch weil wir unser Erfolgsprodukt, den Langstreckensitz CL 3710 dort fertigen. Dieser Sitz wurde im letzten Jahr erstmals in den USA für den amerikanischen Markt produziert. Neue Produkte entstehen in Schwäbisch Hall. Das Volumen, auch für die jeweiligen Airlines, versuchen wir lokal zu produzieren.

Macht es Ihnen Sorgen als Chef eines global aufgestellten Unternehmens, dass möglicherweise bald nicht mehr Menschen aller Nationalitäten in die USA einreisen dürfen?

Wir leben von Vielfalt und sind auch überzeugt davon. Allein am Standort Schwäbisch Hall arbeiten Menschen aus mehr als 30 Nationen für uns. In den USA ist es genauso. Es würde mich schon nachdenklich stimmen, wenn ein solches Dekret nachhaltig umgesetzt werden würde. Es würde nicht unserer Auffassung entsprechen, wenn wir nicht mehr global zusammenarbeiten könnten. Dies würde auch nicht zur Luftfahrt im Allgemeinen passen. Diese steht ja gerade für Globalisierung und Internationalisierung. Ich würde die Aussage wagen, dass Boeing heutzutage kein Flugzeug herstellen könnte ohne die Zulieferung von außerhalb der USA. Geschweige denn Airbus ohne den Beschaffungsmarkt USA. Aus diesen Gründen kann ich mir eine Abschottung  nur sehr schwer vorstellen.

Der Produktionsstandort in China hat schon jetzt einen Auftragsbestand von 20 000 Sitzen für 2017. Ist damit nach schleppendem Start in Qingdao der Knoten geplatzt?

China läuft wie geplant – sogar ein bisschen besser. Wir haben einen etappenweisen Verlauf geplant, einfach um die Qualität der Produkte und  die Qualifikation der Mitarbeiter zu gewährleisten. Wir streben eine hundertprozentige Termintreue und Top-Qualität an. 2015 haben wir in Qingdao 5000 Sitze produziert, 2016 waren es 10 000 und 2017 werden es ­20 000 sein. Das liegt alles leicht über unserem Business Case. Häufig ist es so, dass man ein bisschen überambitioniert ist und dann Schwierigkeiten hat, den Plan zu erfüllen.

Der Sitz CL 6710 übermittelt seinen Betriebszustand digital an die Kabinencrew und ans Bodenpersonal. Wird künftig die Durchsage, den Sitz zur Landung in aufrechte Position zu stellen, überflüssig, weil das Bordpersonal die Sitze mit einem Knopfdruck in die erforderliche Position stellen kann?

Das wäre möglich. Es hängt davon ab, wie die Fluglinie die Möglichkeiten nutzt. Es ist einfach auch möglich, dass das Personal erkennen kann, dass nicht alle Sitze in der gewünschten Position sind, und auch, welche Sitze dies sind. Es kann dann gezielt zu dem jeweiligen Passagier gehen, um ihn anzusprechen. Das wäre die Möglichkeit für die Economy Class. Denn dort gibt es keine Motoren in den Sitzen, die diese selbst verstellen könnten. Aber über Sensoren können Meldungen erfolgen. Ein größeres Thema ist die präventive Instandhaltung. Es wird zum Beispiel der Zustand des Sitzes erkannt. Vielleicht benötigt dessen Motor mehr Strom als üblich – es scheint etwas nicht in Ordnung zu sein. Eine Auffälligkeit wird unmittelbar an das Bodenpersonal gemeldet und dieses kann Ersatzteile und Servicepersonal direkt bereitstellen. Und wenn das Flugzeug landet, ist alles schon vorbereitet.

Flugzeuge von Airbus wurden bis Juni 2016 mit dem Economy-­
Class-Sitz 3530 Swift von Recaro ausgestattet.

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