Radio "StHörfunk: Sorgen um Geld und Frequenzen

Das Radio "StHörfunk" wird volljährig. Gefeiert wird vom 27. bis 29. Juni, unter anderem mit einem Poetry Slam. Das freie Radio hat sich in den 18 Jahren sehr gewandelt - und bangt nun um seine Existenz.

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Die Wände sind mit schwarzen Schallschutzmatten verkleidet. Am alten Telefon blinkt ein rotes Lämpchen, daneben ist das Mischpult montiert. Vier Mikrofone hängen an klapprigen Stangen mit teils verhakten Gelenken: Das ist also der Senderaum im Obergeschoss des Alten Schlachthauses.

Den Verein Radio "StHörfunk" gibt es heuer seit 18 Jahren. Gegründet in der Langen Straße, zog das Studio mit der Eröffnung des Alten Schlachthauses vor zehn Jahren an die Haalstraße. Viel hat sich in den Jahren gewandelt, Sorgen bleiben.

Jede Nacht seien damals zwei Kassetten mit je 120 Minuten gelaufen, um die Zeit ohne Sendungen zu überbrücken. "Und die musste am Morgen einer rechtzeitig wechseln", erinnert sich Ralf Snurawa, zuständig für Finanz- und Mitgliederverwaltung. "Wir haben mit einem selbstgebastelten Mischpult angefangen, heute nutzen wir professionelle Ausstattung", erzählt Miro Ruff, hauptamtlicher Radiokoordinator.

Vorbereitung für einstündige Sendung dauert acht Stunden

Um rechtlich abgesichert zu sein, müssen Sendungen aufgezeichnet und sechs Wochen aufbewahrt werden. "Wir haben früher die Tonspuren von Videokassetten im Long-Play-Verfahren genutzt. So konnten wir zwölf Stunden auf einer Kassette aufzeichnen", sagt Snurawa, "der Schrank war dementsprechend voll, die Qualität aber miserabel."

Heute wird längst nicht mehr mit Kassetten hantiert. Das Radio nutzt die Vorteile des digitalen Zeitalters. Sendungen können produziert und auf den Server geladen werden. So arbeitet auch Werner Hassler, ein Gründungsmitglied des Radios. Er lebt mittlerweile in Schorndorf, die wöchentliche Fahrt nach Hall wäre zu aufwändig. Der Datenaustausch erfolgt daher über das Internet. Trotz der technischen Errungenschaften hat sich der Aufwand für den 44-Jährigen kaum verändert: Acht Stunden dauern Vorbereitung, Titelauswahl und Produktion für eine Stunde Sendung. "Da steckt viel Leidenschaft dahinter." Noch immer sei er "tierisch aufgeregt".

80 Ehrenamtliche gestalten beim "StHörfunk" Sendungen. "Früher hatten wir zwei Drittel Jugendliche, heute ist es nur noch ein Drittel", berichtet Ralf Snurawa. Nachwuchs zu finden werde immer schwerer.

Sorgen macht sich das Radio um die Finanzen - auch wenn es seit diesem Jahr deutlich mehr Förderung gibt. Die Landesanstalt für Kommunikation zahlt statt 75000 Euro nun jährlich 120000 Euro - Geld, das aus Rundfunkgebühren stammt. "Bei uns hat man also Einfluss darauf, was mit den GEZ-Gebühren passiert", meint Snurawa.

"Für ein gut funktionierendes Radio braucht man drei hauptamtliche Mitarbeiter und rund 250000 Euro jährlich", klagt Ruff. Zumindest seine Stelle wurde dieses Jahr neu geschaffen. In den Anfangsjahren waren zwei Hauptamtliche beschäftigt - heute nicht finanzierbar.

Neben Personal kostet Technik, Strom und Öffentlichkeitsarbeit. Es sei schwer genug, überhaupt eine Förderung zu erhalten, mein Ralf Snurawa. "In der Woche haben wir 168 Sendestunden, wenn die Nachtzeit abgezogen wird, noch 126." Davon müssten 70 Stunden mit Erstausstrahlungen belegt werden.

Eine weitere Auflage: Es müssen mindestens zehn Prozent der Kosten mit Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert werden. "Das Studio in Crailsheim sorgt für weitere Mitglieder", so Snurawa. Im Gegensatz koste das auch Miete, wobei die Städte Hall und Crailsheim einen Großteil übernehmen. 8000 Euro im Jahr muss das Radio berappen.

Die Empfangsmöglichkeit, in Hall über die Frequenz 97,5 Mhz, werde sich aber wandeln. Vor einigen Jahren ist "StHörfunk" aus dem Kabelnetz geflogen. "Das war, als Kabel BW die Leitungen von der Telekom übernommen hat", berichtet Snurawa. Bei der vom Land geplanten generellen Umstellung auf digitale Empfangstechnik könnte das freie Radio leer ausgehen. "Dann wären wir nur noch über Internet-Stream erreichbar", sagt Ruff.

Das Festprogramm Ende Juni

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