Radio "Sthörfunk" feiert 20. Geburtstag: Ziel mehr Livesendungen

24 Stunden Livesendung, ein offenes Mikrofon für alle, die mal Radio machen wollen, dazu Kaffee, Kuchen, Sekt und die Gelegenheit zum Kennenlernen: So sieht das Jubiläum bei Radio "Sthörfunk" aus.

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Max kann es kaum erwarten, bis endlich die rote Lampe über dem Studio ausgeht und er hinein darf. Dann wird er sich vor das Mikrofon setzen, warten, bis der Redakteur runterzählt. Von zehn bis eins, bis ein Finger auf ihn zeigt, dann darf er sprechen. Was der Neunjährige sagen will, ist ihm erst kurz vorher eingefallen. Er erzählt von einem Projekt, das sie gerade in der Waldorfschule machen: Sie bauen in Gottwollshausen eine Favela. Nach seinem Auftritt, der nicht live gesendet werden konnte, bekommt er einen USB-Stick mit und den Hinweis, dass er sich drei Stunden später im Radio hören kann. Auf 97,5 FM.

Während Max der Radiowelt etwas erzählt, sitzen Redakteure und Gäste um das Kuchenbuffet, trinken Kaffee oder stoßen mit einem Sekt auf den Geburtstag an. Am 24. Juni 1995 ging der lokale, nichtkommerzielle Radiosender erstmals auf Sendung. Damals befand sich das Studio noch in der Langen Straße. Die "Sthörfunker" haben 7300 Sendungstage hinter sich, 175000 Stunden waren sie "On Air". Kein Redakteur ist fest angestellt, alle sind ehrenamtlich dabei, kommen nach Feierabend ins Studio.

Manche, wie der Redakteur der ersten Stunde, Volker Stücklen, zeichnen ihre Sendungen daheim auf und schickt sie der Redaktion. Seine Sendung heißt "Arbeitswelt". Sie macht am Jubiläumstag den Anfang. Weil Stücklen seit 20 Jahren dabei ist und er an die 60 Jahre alt ist, möchte er langsam kürzertreten. In seiner Sendung gab er bekannt, dass er einen Nachfolger sucht.

Es sind kaum Gäste und Neugierige in die Studios über dem Alten Schlachthaus gekommen. Ist das enttäuschend? "Nein", sagt Miro Ruff von "Sthörfunk", "wir haben den Tag absichtlich auf den Geburtstag gelegt, obwohl das ein Mittwoch ist und darum weniger Besucher kommen. Aber vor allem geht es darum, dass wir Redakteure zusammen feiern können. Wir bekommen uns sonst ja fast nie zu Gesicht."

Leise kommen Stimmen aus den Boxen im Flur. Es läuft Radio "Sthörfunk". Die Bühne ist beim Radio nicht sichtbar. Das, warum es eigentlich geht, rückt für die, die die Sache feiern, in den Hintergrund. Das ist eben Radio. "Flüchtig", so nennt Miro Ruff das.

Thorsten Rosenberger und Ralf Snurawa kommen aus dem Studio. Sie haben eine Stunde lang mit der Krimiautorin Tatjana Kruse geplaudert, Snurawa las aus ihrem Buch vor. Wie viele Zuhörer sie hatten, wissen sie nicht. Da sei natürlich immer die Frage im Hinterkopf: Hört überhaupt jemand, was ich hier mache? "Ich habe meine zwei treuesten Hörer nach der zweiten Sendung verloren", sagt Thorsten Rosenberger, "das waren meine Kinder." Die fanden es zu Anfang spannend, wenn Papa im Radio war, aber die Themen seiner jazzigen Musiksendung haben sie nicht interessiert. Vielleicht ist bald mehr für die Jüngeren dabei. Derzeit zieht das Crailsheimer "Sthörfunk"-Studio in die Räume eines Jugendzentrums. Man hofft nun auf mehr jugendliches Mitwirken und auf mehr Livesendungen. Bisher konnten Beiträge ja oft erst abends, nach Feierabend, aufgenommen werden.

Info Bis 28. Juni feiert der Sender seine Jubiläumswoche. Das Programm unter www.sthoerfunk.de

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