Rache unter Kiffern

Eine Clique im Haller Raum konsumiert Marihuana. Nach einem Diebstahl innerhalb der Gruppe kommt es zur Racheaktion - und landet vor dem Haller Amtsgericht.

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Am 4. Juni vergangenen Jahres hinterließen drei junge Männer in einem Wohnhaus in einem Michelfelder Teilort eine Spur der Verwüstung. Sie waren mit Hilfe einer Leiter in das Dachgeschoss­zimmer eines Bekannten, eines heute 18-jährigen Schülers, eingestiegen. Sie rissen sämtliche Schubladen auf, gossen Cola-Flaschen aus und streuten Kartoffelchips herum. Außerdem schlugen sie mehrere Marihuana-Pflanzen ab. Mit der Zerstörung der Pflanzen schädigten sie sich allerdings selbst: Die Marihuana-Töpfe hatte der betroffene Schüler bei dem Ältesten des Trios in der Nacht zuvor gestohlen.

Die drei Vandalen mussten sich jetzt wegen Wohnungseinbuchdiebstahl vor dem Haller Jugendschöffengericht verantworten. Zwei von ihnen sind gerade erst  17 geworden, der Älteste ist schon 26. Die beiden Jungen gehen noch zur Schule, ihr älterer Freund ist im Gastgewerbe ausgebildet. Ihre Freundschaft ist im Kiffer-Milieu angesiedelt. In der Kellerwohnung des 26-Jährigen bot sich vor einem Jahr die perfekte Gelegenheit zum Konsum. Der Mann zog mit einer Wärmelampe und anderen Utensilien eine Marihuana-Plantage in seinen vier Wänden hoch.

Pflanzen in Töpfen geklaut

In der Nacht zum 4. Juni wurde in diese Kellerwohnung eingebrochen. Mehrere hochgewachsene Marihuana-Pflanzen wurden mit ihren Töpfen geklaut. Der Dieb ließ unter anderem auch ein teures Apple MacBook und ein Beutelchen Haschisch mitgehen. Der bestohlene Pflanzenzüchter und seine Freunde erkannten schnell: Als Täter kam nur der in ihrer Szene bekannte 18-jährige Schüler aus der Gemeinde Michelfeld in Frage.

Der Plantagenbesitzer zögerte nicht lange. Zusammen mit seiner Freundin und den beiden, damals erst 16-jährigen Jungen wollte er den Dieb zur Rede stellen. Man fuhr noch am selben Nachmittag zu dessen Wohnhaus. Als der Gesuchte nicht zu Hause war, stieg die auf Rache sinnende Truppe über ein offenstehendes Fenster ins Dachgeschoss ein. Die nötige Leiter hatten die jungen Leute in einem Gartenhäuschen bei dem Anwesen gefunden. Ihr Verdacht bestätigte sich: Im Zimmer des Schülers trafen sie auf die vermisste Beute. In ihrer Wut beschmutzten sie daraufhin den ganzen Raum.

Wenige Tage später wurde die Polizei eingeschaltet. Seine Pflanzen im Kellerraum hatte der 26-Jährige rechtzeitig entsorgt, sein Groll aber hielt an. Anfang September begegnete er beim Haller Bonhoeffer-Platz zufällig dem Schüler, bei dem er ein Vierteljahr zuvor eingestiegen war. Er ging auf den Jüngeren zu und verlangte, er solle ihm das „Gras“ aushändigen, das er bei sich trage. Der 18-Jährige gab an, keines zu haben.

Nötigung mit Körperverletzung

Daraufhin soll der Angeklagte mit den Worten reagiert haben: „Du gehst mit mir auf‘s Klo und ziehst dich aus, ich will sehen, dass du nichts dabei hast!“ Als der Angesprochene sich weigerte, griff ihm der Angeklagte schmerzhaft an den Hals. Ein Mädchen aus der Szene konnte dazwischengehen. Der Angriff hatte neben einer Halsrötung auch juristische Folgen: Das Gericht sieht darin ein Vergehen der Nötigung mit Körperverletzung.

Der 26-jährige Mehrfachtäter ist schon wegen Drogendelikten vorbestraft. Staatsanwältin Dr. Christine Feltes fordert angesichts eines zweifachen Bewährungsbruchs eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Der Mann müsste die Strafe im Gefängnis absitzen.

Das Gericht unter Vorsitz von Dr. Wolfgang Amendt  ist milder gestimmt. Ein Jahr Haft auf Bewährung, so das Urteil gegen den Ältesten des Trios. Er wird zu 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit verpflichtet und soll unter anderem Drogen-Screenings abgeben. Die beiden mitangeklagten 17-Jährigen sollen jeder 60 Arbeitsstunden ableisten und zur Suchtberatung gehen.

Alle drei Angeklagten nehmen das Urteil an. Sie wissen: Der Michelfelder Schüler, der mit seinem Einbruch in die Kellerwohnung den Auslöser für ihre Racheaktion setzte, ist schon in einem gesonderten Prozess verurteilt worden. Er wurde unter Androhung von regulärer Jugendstrafe zu diversen Auflagen verurteilt.

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