Putenprozess wird neu aufgerollt

Landgericht befasst sich nächste Woche mit Vorfall in Ruppertshofen.

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In der Nacht zum 11. Mai 2015 waren drei Tierschützer aus Tübingen in einen Putenstall im Ilshofener Ortsteil Ruppertshofen eingebrochen, um die dortigen Verhältnisse zu filmen. Am 21. April 2016 fällte das Haller Amtsgericht das Urteil: sechs Monate und zwei Wochen Bewährungsstrafe für den 28-jährigen Hauptangeklagten wegen Hausfriedensbruch in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Seine beiden Mittäter erhielten Geldstrafen von 25 beziehungsweise 20 Tagessätzen. Alle drei hatten auf einen Freispruch gehofft.

Anschließend legten alle Prozessparteien gegen das Urteil von Richterin Katja Kopf Berufung ein. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn sowie der Hamburger Anwalt der Rupperthofener Putenhalterfamilie, Walter Scheuerl, wollen ein härteres Strafmaß für die Tierschützer erreichen. Die Anwälte der Angeklagten hingegen indes streben einen Freispruch an.

Ab Montag werden die Ereignisse vom Mai 2015 am Landgericht Heilbronn neu aufgerollt. Richterin Claudia Oestreich hat sechs Verhandlungstage anberaumt. Das Urteil soll am 13. Juni fallen. „In diesem Prozess können wesentliche Weichen für die Rechtsprechung in Tierschutzfragen gestellt werden. Daher ist dieses Verfahren von weitreichender Bedeutung“, sagt Dr. Eisenhart von Loeper, Rechtsanwalt und 1. Vorsitzender der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz, vor  Prozessbeginn.

Den Verstößen gegen das Tierschutzgesetz sei im Urteil des Haller Amtsgerichts keine Aufmerksamkeit geschenkt worden. „Ein klares Fehlurteil zu Lasten der Tiere!“, urteilte seiner Zeit von Loeper, der den Hauptangeklagten zunächst vertreten hatte. „Wir erwarten, dass den gequälten Tieren im Berufungsverfahren nun der Schutz gewährt wird, der ihnen verfassungsrechtlich auch zusteht“, so von Loeper.

Gudrun Maurer, Sprecherin der Württembergisch-Fränkischen Putenerzeugergemeinschaft, zeigt sich indes optimistisch, dass das Urteil des Haller Amtsgerichts im Berufungsverfahren Bestand haben werde. „Die Landwirte wollen einfach nur  in Ruhe ihre Arbeit machen. Wir sind jederzeit bereit, unsere Betriebe einer interessierten Öffentlichkeit zu zeigen“, so Gudrun Maurer. Der Tierschutz werde auch im Landkreis Schwäbisch Hall durch eine Vielzahl von Kontrollen und Verordnungen gewährleistet.

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Kommentare

15.05.2017 08:03 Uhr

Fleisch

In Deutschland leben 95 Prozent der Rinder, 97 Prozent der Hühner und 99 Prozent der Schweine in der sogenannten Intensivtierhaltung. 100 Prozent der Tiere – auch die aus Bio-Betrieben – werden im Schlachthof getötet. Zählt man Puten, Enten, Gänse und Kaninchen dazu, sind das Jahr für Jahr allein in Deutschland knapp 800 Millionen Tiere, die für die „Produktion“ von Fleisch völlig unnötig leiden und sterben müssen.

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