Protestanten protestieren

Die Mittelfischacher sind sauer.  Ihre Kirchengemeinde soll mit Geifertshofen zusammengelegt werden. Dagegen haben sie lautstark demonstriert.

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Mittelfischacher Bürger demonstrieren gegen die Streichung der evangelischen Pfarrstelle in ihrem Ort.  Foto: 

Immer mehr Menschen strömen am Mittwochabend vor die Kirche. Landwirte haben ihre Traktoren in Stellung gebracht und mit Plakaten behängt.  „Kein Wegfall der Pfarrstelle“, „Gemeinde muss leben“, „Seelsorge hier bei uns“, fordern sie. Ganze Familien, Alt und Jung, ehemalige und aktuelle Konfirmanden, kirchliche Jugendgruppen - an die 150 Bürger wollen sich nicht gefallen lassen, dass nach der Zusammenlegung der Gemeinden Ober- und Mittelfischach ihre Gemeinde von der nächsten Stellenstreichung wieder betroffen sein soll. Die künftige Gemeinde, mit Geifertshofen als Zentrale, soll Mittel-, Unter- und Oberfischach, Engelhofen, Weiler, Rappoltshofen und Herlebach umfassen. Einschließlich der Einzelgehöfte sind das mehr als 50 Wohnplätze. „Wie soll das ein Pfarrer schaffen, zumal das flächenmäßig 20 Prozent des gesamten Kirchendistrikts Gaildorf sind“, schimpft der Vorsitzende des Kirchengemeinderats Alfred Retzlaff. Dass Mittelfischach auch noch seine Pfarrstelle an Geifertshofen, die zweitkleinste Gemeinde im Kirchenbezirk, abgeben soll, ärgert die Bürger noch mehr. „Der Pfarrsitz am äußersten Zipfel der Gemeinde“, empört sich später eine Frau in der öffentlichen Kirchengemeinderatssitzung und bekommt dafür kräftigen Applaus.

Kritik am Pfarrsitz

Den Gaildorfer Dekan Uwe Altenmüller wurde von der lautstarken, engagierten Aktion der Mittelfischacher Bürger kalt erwischt. „Was ist denn hier los“, staunt er, als er mitten in der Kundgebung, die immer wieder von Traktorengehupe, Geschepper und Beifall unterbrochen wird, eintrifft. Er hat sich auf eine ganz normale Kirchengemeinderatssitzung eingestellt und ist nun überrascht ist, wie vehement die Fischachtaler ihre Pfarrstelle verteidigen.

Der Vorschlag, den Rotstift bei der Stellenstreichung im Fischachtal anzusetzen, kommt vom Pfarrplansonderausschuss mit dem Dekan an der Spitze. Hintergrund für die Kürzungen seien die abnehmenden Zahlen der Gemeindeglieder und der fehlende Pfarrernachwuchs, während vor allem ab den 2020er-Jahren extrem viele Pfarrstelle altershalber frei würden, so der Dekan.  „Der Pfarrplan versucht, die Zahl der Pfarrstellen daran anzupassen“, erklärt er nach der Demo in der öffentlichen Sitzung in der gut gefüllten Kirche.

Mittelfischachs Pfarrer Andreas Ludwig ist nicht gut auf den Ausschuss, der vor zwei Wochen getagt hat, zu sprechen: „Dass Geifertshofen Pfarrsitz werden soll, wurde innerhalb von fünf Minuten entschieden. Die meisten Ausschussmitglieder haben sich da schon lieber mit ihrem Handy beschäftigt“, ergänzt er gegenüber dem HT. Im Fischachtal machte die Hiobsbotschaft von dort schnell die Runde und mobilisierte die Bürger. Auch, dass Untersontheim als kleinste Gemeinde im Kirchenbezirk seine 100-Prozentstelle behalten soll, erbost sie. Die Begründung dafür, der Pfarrer unterstütze die über 3000 Glieder große Nachbargemeinde Obersontheim, reicht ihnen nicht, zumal der Dekan nicht sagen kann, worin diese Zusammenarbeit besteht.

Der künftige Pfarrer in Geifertshofen würde von seinen Amtskollegen unterstützt, verspricht Altenmüller. Was er damit konkret meint, bleibt unklar. Das kommt bei den Bürgern nicht gut an. Sie sorgen sich, dass etwa die gute Jugendarbeit und andere Angebote in Mittelfischach mit dem Weggang des Pfarrers sterben. Ihre größte Befürchtung ist aber, dass die künftige Pfarrstelle nicht besetzt werden kann. Das sieht auch Pfarrer Ludwig so. „Der Pfarrer hätte die höchste Pro-Kopf-Belastung im Kirchenbezirk. Wenn sich keiner bewirbt, dann bleiben drei Gemeinden vakant!“, stellt er unter heftigem Beifall fest.

Obersontheims Bürgermeister Siegfried Trittner weist den Dekan auf die große Verbundenheit der ländlichen Bevölkerung mit der Kirche hin und empfiehlt, die Ressourcen dort einzusetzen, wo der Ertrag am besten ist. „Bei der letzten Kirchengemeinderatswahl war hier die höchste Wahlbeteiligung“, unterstreicht Trittner und stellt klar, dass Obersontheim wächst, aber Gaildorf Einwohner verliert.

Der Kirchendistrikt Gaildorf hat derzeit 8190 Gemeindeglieder, bis 2030 wird die Zahl um mehr als 2000 auf rund 6130 zurückgehen. Der ländliche Distrikt Sulzbach/Laufen wird voraussichtlich rund 700 seiner jetzt 5793 Gemeindeglieder verlieren. Deutlich weniger schrumpft wohl der Distrikt Obersontheim, zu dem auch Untersontheim, Ober-, Mittel- und Unterfischach und Geifertshofen gehören. Von den heute 6319 Gemeindegliedern werden laut Prognose bis 2030 rund 6038  übrig bleiben. siba

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