Pflege rund um die Uhr?

Andreas Lippert von der Deutschen Seniorenbetreuung Heilbronn gibt Tipps zur Versorgung im Alter in Gailenkirchen.

|
Der Bedarf an ausländischen Pflegekräften steigt.  Foto: 

Zu Hause alt werden ist der Wunsch vieler Senioren. Im Pflegeheim fürchten sie sich vor Behinderung ihrer persönlichen Freiheit, dem Verlust liebgewonnener Gewohnheiten und möglicher Einsamkeit durch den Wegfall sozialer Kontakte. Experte Andreas Lippert war auf Einladung des Landfrauenvereins nach Gailenkirchen gekommen. Er sprach dort über die Anstellung von ausländischen Pflegekräften und machte auf Stolpersteine aufmerksam.

Um eine Fachkraft zu finden, kann man sich über Pflegestützpunkte, Nachbarn, Landratsamtsempfehlungen, Seniorenkreise, Broschüren bei Ärzten und Apothekern oder im Internet auf die Suche machen oder sich einer Agentur anvertrauen. Aber zunächst klärt der Fachmann, was unter einer 24-Stunden-Betreuung zu verstehen ist. Auch wenn die, überwiegend weiblichen, Pflegekräfte permanent im Haus leben, unterstehen sie dem deutschen Arbeitsrecht. „Der Mindestlohn von 8,84 Euro und etwa 35 Wochenstunden sind die unterste Grenze und kritisch zu betrachten“. Neben freier Kost und Logis muss mit einem Lohn von 1800 bis 2600 Euro und mehr gerechnet werden.

Je nach Pflegegrad sind vom Staat Unterstützungen von bis zu 4000 Euro jährlich möglich, aber „trotzdem bleibt ein schöner Batzen übrig“, gibt Lippert zu bedenken. Je nach Schwere der Erkrankung wären zwei Betreuerinnen ratsam. Der Vorteil von im Haus lebenden Betreuungskräften ist, dass sie Probleme und Wünsche zeitnah mitbekommen.  Die Aufgaben beschränken sich auf den Haushalt wie Kochen, Putzen, Waschen und die Grundpflege ihrer Schützlinge. Medizinische Aufgaben sind tabu. Eine Kombination mit anderen Pflegediensten ist möglich.

Nach Informationen zum rechtlichen Rahmen ging der Referent auf zwischenmenschliche Themen ein. Warum kommen die Frauen nach Deutschland? Was erwarten und erwartet sie hier? Neben der Aussicht auf ein gute Bezahlung müssen sie sich auf Sprachschwierigkeiten einstellen. Aber auch die Entfernung zur Familie und der Druck, funktionieren zu müssen, lasten auf ihnen. „Sorgen Sie für ein angenehmes Klima“, rät Lippert. „Der größte Wunsch einer Betreuerin ist das Internet, um Kontakt zur Heimat zu halten“.

Karl und Ursula Kessler haben sich mit dem Thema bereits auseinandergesetzt. „Die Nachbarn haben gute Erfahrungen gemacht. Toleranz und Einsicht müssen groß geschrieben werden“, meint der Ehemann. Während sich aber der Senior, der auf den Rollator angewiesen ist, eine Betreuerin im Haus vorstellen kann, ist seine Frau skeptisch. „51 Jahre war ich der Chef im Haus und nun soll ich die Führung abgeben und mich einer fremden Mentalität unterordnen?“ fragt sie. Damit unterstützt sie die Aussage Lipperts, dass es Frauen schwerer fällt, sich auf die fremde Hilfskraft einzulassen. Egal, wie sich das Ehepaar Kessler entscheidet, die Frage nach guter Pflege wird unsere alternde Gesellschaft noch lange und in verstärktem Ausmaß beschäftigen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Schulbus rammt einen Dacia

Ein Autofahrer wird in Michelfeld schwer verletzt. Die Sonne blendet die Busfahrer. weiter lesen