Pfarrer Raimund Heizmann: Neuanfang mit 75 Jahren

Als er vor fünf Jahren frisch pensioniert nach Hall gekommen ist, war die Siedersstadt für den katholischen Pfarrer Raimund Heizmann Neuland. Tatkräftig half er in der Gemeinde mit. Nun wurde er feierlich verabschiedet.

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Die Haller Katholiken verabschieden sich am Sonntag nach dem Gottesdienst in St. Joseph von Pfarrer Raimund Heizmann. Viele guten Wünsche begleiten ihn und seine Haushälterin Margit Schroll nach Schwäbisch Gmünd. Foto: Ufuk Arslan

Aufhebens um seine Person - nein, das mag er gar nicht. Pfarrer Raimund Heizmann ist ein sehr bescheidener Mensch, seine gütige und vornehme Art wird von den Gemeindemitgliedern hoch geschätzt. Ein Zeitungsartikel anlässlich seines Abschieds aus Hall sei ihm eigentlich gar nicht so recht, lässt er durchblicken. Doch der Geistliche hat seine Berufung zum Priester auch nach seiner Pensionierung vor fünf Jahren in Hall weitergelebt und in der katholischen Gesamtkirchengemeinde geholfen.

Bei ihm klingt das wie selbstverständlich. Immerhin hatten er und seine Haushälterin Margit Schroll im Haller Pfarrhaus St. Joseph eine vorläufige Heimat gefunden. Und das "i.R." schien er eher als "Pfarrer in Rufweite" zu interpretieren. In St. Joseph hat er Gottesdienste gefeiert, ebenso in Steinbach, Hessental und Christus König. Beim Fronleichnamsgottesdienst in St. Michael und bei der Prozession zur Comburg wirkte er mit. Er traute Paare auf der Comburg, machte Besuche in Altenheimen, und wenn ein Anruf aus dem Diak kam, dass sein Beistand gefordert sei, habe er alles stehen und liegen lassen, erzählt Pfarramtssekretärin Monika Steudler. Heizmann selbst würde das so wohl nicht schildern - dazu ist der 75-Jährige einfach zu bescheiden.

Die Zeit in Hall sei eine gute gewesen. Dabei hat er die Stadt bis vor fünf Jahren kaum gekannt. Ursprünglich stammt Heizmann aus Sulgen, einem Stadtteil von Schramberg im Schwarzwald. Schon während der Schulzeit sei in ihm der Gedanke gereift, Priester zu werden. In Rottweil besuchte er das altsprachliche Gymnasium, machte Abitur, er studierte und wurde Priester.

Bevor er nach Hall kam, hatte er 26 Jahre lang seinen Dienst in der Kirchengemeinde in Sulz am Neckar (Kreis Rottweil) versehen. Dann wagte er im Kochertal mit 70 Jahren gewissermaßen einen Neuanfang. Und warum Hall? Das habe sich so ergeben, und es ist in der Nähe der Crailsheimer Verwandtschaft seiner Haushälterin Margit Schroll. Die 73-Jährige kümmert sich seit 17 Jahren um den Pfarrhaushalt Heizmanns und brachte sich ebenfalls vielfältig in der Kirchengemeinde Hall ein - sei es beim Mesnerdienst, im Gebetskreis, als Kommunionhelferin, als Sängerin im Kirchenchor oder einfach, um mit den Menschen Kontakt zu halten.

Schon beim Umzug nach Hall im Jahr 2008 wussten Pfarrer Heizmann und Margit Schroll, dass sie nach fünf Jahren wieder weiterziehen, "doch wir werden die Stadt vermissen", so der Theologe. Die beiden haben sich in Hall wohlgefühlt - und bekamen zuweilen auch Besuch vom katholischen Kirchenchor ihrer früheren Heimat in Sulz. Dass es zum Abschied aus Hall am Sonntag nicht nur einen festlichen Gottesdienst mit vielen Menschen, sondern auch einen Stehempfang und ein gemeinsames Mittagessen mit vielen Begegnungen und Gesprächen gab, das hat Heizmann sehr gefreut. Und es zeigt die Wertschätzung für ihn.

Die letzten Tage in Hall sind nochmal richtig umtriebig: Morgen, Donnerstag, kommen die Möbelpacker, am Freitag ist der Umzug ins Seniorenzentrum St. Anna nach Schwäbisch Gmünd, eine Einrichtung der Untermarchtaler Schwestern. Wieder ein Neuanfang für Pfarrer Heizmann und Margit Schroll. Denn außer von ein paar Ausflügen kennen sie die Stauferstadt kaum. "Für uns ist es Neuland", sagt Heizmann. Im November sei der Anruf gekommen, dass im Betreuten Wohnen zwei Appartments frei seien.

Im künftigen Domizil gebe es eine größere Hauskapelle, erzählt Heizmann. Und er freue sich darauf, dort sicherlich auch den einen oder anderen Gottesdienst halten zu dürfen. Freilich, er sei dort als Pensionär, aber irgendwie möchte er sich gerne einbringen. Das scheint einfach in seiner Natur zu liegen - und das hält ihn offenbar auch fit.

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