Patrick Buchinger und Sascha Hub gehen zum Eisbaden in den Starkholzbacher See

Sonntag, 8.30 Uhr, graue Wolken, Graupelschauer, das Winterstreufahrzeug der Stadt Hall rumpelt bereits das zweite Mal die Straße entlang. Punktlandung für die Wettervorhersage: mäßiger bis starker Schneefall bei minus 2 Grad, die gefühlte Temperatur liegt bei minus 6 Grad, Westwind.

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Sascha Hub und Patrick Buchinger haben eine halbe Stunde gebraucht, um ein Loch in das Eis im Starkholzbacher See zu schlagen. Im Wasser bleiben sie nur wenige Sekunden.  Foto: 

Vom Glück begünstigt ist, wer keinen Vierbeiner zuhause hat. Bei diesem Wetter jagt man nicht mal den sprichwörtlichen Hund vor die Tür.

Szenenwechsel: Handtuch, Badehose, Liegewiese, erfrischendes Seewasser. Eine Kombination aus beidem? Undenkbar. Beim Blick in den wolkenverhangenen Himmel schlichtweg ausgeschlossen.

"Alles reine Kopfsache", meint Patrick Buchinger (26) grinsend und hängt sich seinen Rucksack lässig über die Schulter. Zusammen mit seinem Freund Sascha Hub (24) macht er sich vom Parkplatz auf zum Starkholzbacher See.

Der Westwind pfeift gnadenlos durch sämtliche Kleidungsstücke, nach wenigen Schritten kriecht die eisige Kälte an den Beinen hoch. "Beim letzten Mal Ende Dezember war es noch kälter, da hatte es minus 5 Grad. Das war wirklich frostig." Buchingers wohlgemeinter Hinweis tröstet kaum über die unwirtliche Wetterlage hinweg.

Die Eisbader sind nicht leichtsinnig – sie kennen sich aus

Beim Blick auf den See wird schnell klar, warum Hub eine Gartenharke dabei hat: der Starkholzbacher See wird von einer nahezu geschlossenen Eisfläche bedeckt. Die Minusgrade der letzten Tage und Nächte haben ihre Spuren hinterlassen. Was sich als perfekte Ausrede für Verzagtere anbieten würde, lassen die beiden Haller nicht gelten. Mit gezielten Schlägen hacken beide ein Loch in die Eisdecke am Badesteg. Positiver Nebeneffekt der halbstündigen Aktion: Körper und Geist sind wärmstens für den anstehenden Temperatursturz gerüstet.

Wenige Handgriffe, und Jacke, Jogginghose, Pullover und Schuhe liegen im Schnee. Sorgsam breiten die beiden ihre Handtücher aus. Ordnung muss sein. Vermutlich würden sich zu einer anderen Jahres- und Uhrzeit schnell weibliche Zaungäste einfinden. An diesem Februarmorgen lässt sich nicht mal eine Wildgansfamilie auf der Durchreise blicken.

Buchinger und Hub sehen sich an, atmen tief ein und aus. Behutsam steigen beide ins eiskalte Wasser. Nach wenigen Sekunden ist der kneippsche Ausflug beendet. "Eisbaden stärkt das Immunsystem, der Körper ist weniger anfällig für Infektionen. Erkältung - Fehlanzeige", erklärt Buchinger die ungewöhnliche Aktion.

Wenngleich die morgendliche Erfrischung auch aus einem Scherz entstanden ist, gehen Hub und Buchinger mit dem nötigen Ernst an die Sache heran. "Bei schönem Wetter kann ja jeder baden gehen. Wir wollten es bis zu den ersten Minusgraden probieren", erzählt Hub. Seit vergangenem Herbst stellen sich die beiden einmal im Monat der Herausforderung. Jugendlichen Leichtsinn kann man ihnen dabei nicht unterstellen. Buchinger studiert Fitnessökonomie in Stuttgart, Hub ist Fitnesskaufmann.

Eisbaden - gesundheitliche Aspekte und Tradition

Gesundheit Eisbaden ist nichts für Untrainierte oder Unerfahrene. Mit Wechselduschen oder Kneipp-Bädern kann man sich an kühlere Temperaturen herantasten. Man sollte nie alleine baden gehen, immerhin besteht die Gefahr, einen Kälteschock zu erleiden.

Tradition In Russland ist Eisbaden eine Tradition der russisch-orthodoxen Kirche. Es soll das Gewissen reinigen und vor Krankheiten und auch bösen Geistern schützen.

Seit dem Winter 1999/2000 gibt es Weltmeisterschaften im Eisschwimmen. Die erste solche Meisterschaft fand in Jyväskyla in Finnland statt.

SMU

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