Passionierter Gastronom

Viele Haller kannten ihn als den Adler-Wirt: Bernhard Simon. Gemeinsam mit seiner Frau Inge hat er dem Goldenen Adler am Marktplatz bis 1986 ein Gesicht gegeben. Am 6. März ist er im Alter von 87 Jahren gestorben.

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Sein verschmitztes Lächeln, seine fröhliche Gastfreundschaft, daran erinnern sich viele Haller gewiss noch gut: Bernhard Simon, der frühere Wirt des Goldenen Adlers am Marktplatz, war es mit Leib und Seele. Wie auch seine Ehefrau Inge stammte er aus einer Gastronomen-Familie. Bei Freunden und Familie hieß er einfach Bernd. Ein kleiner Kreis von Stammgästen liebte es, wenn er saure Kutteln kochte - die standen nie auf der Speisekarte, "aber meine Mutter sagte den Leuten Bescheid", erzählt Sohn Wolfgang-Paul-Simon.

In seiner aktiven Zeit in Ansbach, Kaiserslautern und im Vierteljahrhundert als Adler-Wirt hat Bernhard Simon mehr als 100 Lehrlinge ausgebildet. Darunter auch den Sternekoch Josef Wolf von der "Eisenbahn" in Hessental oder das Ehepaar Klaus und Marianne Unger vom Brauerei-Ausschank zum Löwen, die sich bei den Simons auch kennen lernten.

Geboren wurde Bernhard Simon am 20. Dezember 1926 in Hamburg. Er war drei Jahre alt, als er mit seinen Eltern übersiedelte - zunächst nach Neudeck, dann nach Groß Briesen bei Aussig, wo die Eltern das Ausflugslokal Tivoli betrieben, später nach Marienbad, wo Bernd Simon nach der Kochlehre die Hotelfachschule besuchte. An seinem 19. Geburtstag verließ er mit seiner Mutter und der kleinen Schwester Sigrid das Sudetenland. Der Betrieb der Eltern, die Bahnhofsgaststätte Aussig, war ausgebombt, "wir sahen keine Zukunft mehr", erzählte Bernhard Simon. Ansbach, Ruhpolding, Traunstein, München sind weitere Stationen. Simon arbeitete 1956 in der Schweiz, wo er seine spätere Frau Inge zum ersten Mal traf. Simon arbeitete in London und in La Baule in Frankreich, wo er auch John Wayne und Heinz Rühmann bediente.

Im Herbst 1958 übernahm Simon gemeinsam mit seinen Eltern den Goldenen Adler in Hall. Im Juni 1960 heirateten Bernhard und Inge Simon in Schwetzingen - das Abendessen war in Hall. Dann ging die junge Familie eigene Wege, zog 1963 ins Allgäu und übernahm in Rettenberg des Gasthof Engel. Zwei Jahre später kehrten die Simons, inzwischen mit zwei Kindern, nach Hall zurück. Von 1968 bis 1986 bewirtschafteten Inge und Bernhard Simon den Goldenen Adler. Außerdem erbaute der Gastronom das Hotel garni im Schweickerweg, das es heute nicht mehr gibt.

Im Goldenen Adler trafen sich in den 70er Jahren zum Stammtisch unter anderem der Reitverein, der Waffenring, die sudetendeutsche Landsmannschaft und der Cercle Français. Manche Sitzung des Gemeinderats wurde im Adler nachbesprochen. Besonders in der Festspielzeit waren die Wirtsleute gefragt, wenn auf der Treppe Theater gespielt wurde. Allerdings kollidierte 1972 der Schaffensdrang von Regisseur Kurt Hübner, der auch noch nach Mitternacht probte, mit der Nachtruhe der Hotelgäste. Adler-Wirt Simon setzte sich zur Wehr, was in der Stadt für viel Aufsehen sorgte. Dennoch pflegten die Simons eine gute Nachbarschaft mit den Freilichtspielen. Viele Bühnen-Berühmtheiten ließen sich im Adler blicken und verewigten sich im Gästebuch. Wie etwa Peter Fricke, der "Romeo" von 1969: "Meine Adlerzeit wurde durch Sie vergoldet, - herzlichen Dank an das Ehepaar Simon."

1986 endete die Adler-Zeit. 1991 zog das Ehepaar auf den Teurershof, "der Anfang des Unruhestands", erinnert sich Sohn Wolfgang-Paul. Bernhard Simon nahm sich Zeit für die Familie, pflegte den Freundeskreis, besuchte Italienisch- und Spanisch-Kurse in der Volkshochschule. Die Simons reisten gerne, und sie unterstützten 2006 die Sonderausstellung "Heimat verloren - Heimat gewonnen" im Freilandmuseum Wackershofen. Bernhard Simon hatte Freude an den vier Enkelkindern, aber zwei Herzinfarkte Ende der 80er Jahre hatten ihn auch geschwächt. Seit zwei Jahren sei ihm das Spazierengehen zusehends schwer gefallen, erzählt sein Sohn. Von einem Sturz Anfang des Jahres erholte er sich nicht mehr. Am 6. März starb Bernhard Simon. Nur im engsten Kreis sollte Abschied genommen werden, das hat sich Simon so gewünscht. Gestern wurde er auf dem Waldfriedhof beigesetzt.

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