Pädagogen aus Spanien, Italien, Griechenland und Polen: Lehrreicher Besuch in Hall

Von wegen „Mathe ist doof“: Pädagogen aus fünf Ländern wollen für ihre elf- bis zwölfjährigen Schüler Rechnen zu einem Fach mit Spaßfaktor machen.

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Dr. Boguslaw Klimczuk (links), OB Pelgrim und ein Teil der Reisegruppe von „mission maths“ grüßen Schwäbisch Hall vom Rathausbalkon aus. Die „praktischen Deutschen“ sind für die Pädagogen aus Europa ein Vorbild.  Foto: 

Zweimal drei macht vier, widdewiddewitt, und drei macht neune: So errechnet sich Pippi Langstrumpf die Welt, wie sie ihr gefällt. Ebenfalls spielerisch, nur wissenschaftlich fundierter will eine Gruppe von Pädagogen aus Spanien, Italien, Griechenland, Polen und Deutschland ihre Grundschüler künftig an Wissenschaft und Mathematik heranführen. „mission maths - Fünf Schulen in Europa rechnen für eine gemeinsame Sache“ – so heißt das Projekt, das Dr. Boguslaw Klimczuk ins Leben gerufen hat.

In Zamosc, Halls polnischer Partnerstadt, leitet der Betriebswirtschaftler eine dreizügige Schule. Zur Zeit ist er mit 20 europäischen Grundschullehrern Gast der Fachschule für Sozialpädagogik, um zu lernen, wie die deutschen Kollegen ihren elf- bis zwölfjährigen Schülern das Rechnen und Forschen schmackhaft machen.

„Es ist uns allen aufgefallen, dass Mathematik für unsere Schüler ein dunkles Geheimnis ist, von dem sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen“, beschreibt Boguslaw Klimczuk ein Problem, von dem auch Erwachsene ein Lied singen können.

Die staubtrockene Jonglage mit Zahlen müsse mit Leben gerfüllt werden: „Die Kinder sollen mit den Fingern lernen, wozu es gut ist, sich mit Mathematik zu befassen und erfahren, dass Wissenschaft den Alltag erleichtern und großen Spaß machen kann.“ Sei diese Erfahrung erst einmal in den Köpfen drin, könne man in den weiterführenden Schulen viel selbstverständlicher über komplizierte Winkelfunktionen sprechen.

Für den Pädagogen aus Polen haben die praktisch veranlagten Deutschen in Sachen innovative Unterrichtsmethoden Vorbildfunktion. Mit einem fünftägigen Veranstaltungsprogramm tun Martin Berger und Brigitte Able von der Haller Fachschule für Sozialpädagogik alles, um den  Erwartungen ihrer wissbegierigen Gäste gerecht zu werden.

Gleich ein ganzes Messegelände voller Anregungen gibt es auf der „Experimenta“ in Heilbronn. Hall bietet ebenfalls Beeindruckendes: Die „Klein-Sülzer-Werkstatt“ und die „Waldläufer“ servieren Erlebnispädagogik.

Bei den täglichen Workshops in den Räumen der Fachschule begegnet die Lehrergruppe unter anderem dem „Haus der kleinen Forscher“, mit dem das Institut eine langjährige Zusammenarbeit pflegt. „Wir hatten eine Wanne mit Wasser und mussten darin Schraubenmuttern zum Schwimmen bringen“, beschreibt Assunta Nocentini aus dem italienischen Rignano sull’Arno. „Dazu bekamen wir fünf Strohhalme, fünf Zahnstocher, einen Weinkorken, eine Schere, ein bisschen Knete und ein paar Gummiringe.“ Eine Aufgabe, an der die großen Forscher durchaus zu kauen hatten, wie die Lehrerin lachend berichtet.  „Es ist wichtig, weniger über den Kopf und mehr aus Erfahrung zu lernen“, nimmt die Spanierin Lola Alberdi als Erkenntnis aus diesem Experiment mit. Eine wichtige Rolle spielt für sie die Freude am Entdecken, die sie dabei selbst erlebt hat und die sie ihren Schülern nun im eigenen Unterricht vermitteln will.

Auch Eleni Kyrieri, Grundschullehrerin aus der griechischen Hafenstadt Volos, hat Veränderungspläne: „Wir müssen endlich stereotype Ansichten über Bord werfen, wie die, dass Mädchen weniger gute Wissenschaftler sind als Jungen oder Mathematik etwas wahnsinnig Schwieriges ist.“

 Im prächtigen Ratssaal des Haller Rathauses wurden die Pädagogen von Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim persönlich begrüßt. Er stellte gleich unter Beweis, dass man in Hall sehr gut rechnen kann: Eine Arbeitslosenrate von unter einem Prozent bei Jugendlichen bis 25 Jahren kommentierten die Gäste, in deren eigenen Ländern junge Leute kaum noch Jobs finden, mit bewundernden „Aah“- und „Ooh“-Rufen.

 Im nächsten Jahr kommen die Pädagogen wieder. Auf jeden Fall wieder mit dabei sein wird Boguslaw Klimczuk, der sich als glühender Fan von Schwäbisch Hall outet. Irgendwann will er mit seiner Familie sogar hierher ziehen.

21 Pädagogen tauschen sich über Unterricht aus

Ziel Das Projekt „mission maths“ läuft noch bis 2020 und wird von „Erasmus+“ – einem EU-Förderprogramm für Bildung, Jugend und Sport – unterstützt. Das gemeinsame Ziel der Grundschulen aus fünf europäischen Ländern ist es, die praktische Anwendung mathematischer Fähigkeiten im Alltag ihrer Schüler zu verbessern. Bei gemeinsamen Besuchen in allen teilnehmenden Partnerländern tauschen sich 21 Pädagogen über innovative Unterrichtsmethoden aus. Wichtige Ziele des Projekts sind außerdem der Abbau von Vorurteilen durch kulturellen Austausch und eine Verbesserung der sprachlichen Fähigkeiten. Noch in diesem Jahr soll eine Gruppe Studierender der Schwäbisch Haller Fachschule für Sozialpädagogik für einen Gegenbesuch nach Polen reisen, so der Plan.

CITO

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