Ovationen für Ensemble Mnozil Brass aus Österreich in der Stadthalle Künzelsau

Das sind nicht nur sehr gute Musiker, die Männer von Mnozil Brass sind wahre Teufelskerle: glänzende Blechbläser, feine Sänger und urkomische Spaßvögel. Das Publikum in der Stadthalle Künzelsau jubelt.

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Blechmusik in allen Lebenslagen: Leonhard Paul als Brass-Multitasking-Talent. Mit den Zehen bedient er die Züge der Posaunen von Zoltan Kiss und Gerhard Füssl, mit den Fingern die Ventile der Trompeten von Thomas Gansch und Robert Rother, Roman Rindberger dirigiert. Weitere Fotos in der Bildergalerie auf www.hallertagblatt.de Foto: Veronika Grossenbacher

Zunächst scheinen sie gar nicht recht auf die Bühne zu wollen. Aber dann erscheinen die sieben Musiker doch und zeigen gleich einmal, was in ihren Lungen und Instrumenten steckt: traditionelle Weisen, schneidig, präzise, perfekt gespielt und mit so viel Wumms, dass das Trommelfell scheppert - geballte Blechpower aus Österreich.

Die Brass-Virtuosen geben in der mit rund 400 Besuchern ausverkauften Stadthalle in Künzelsau nicht einfach nur ein Konzert. Die Auftritte des skurrilen Septetts sind schräge Shows mit hinterfotzig-subversivem Humor auf höchstem musikalischem Niveau. Und das beweisen sie auch mit ihrem Jubiläumsprogramm "Happy Birthday - 20 Jahre Mnozil Brass" im Kochertal.

Eine Polka bekommt Bigband-Sound verpasst, Leadtrompeter Thomas Gansch in grell-türkisfarbener Hose kombiniert Spitzentöne mit Hüftkreisen und munter werden jegliche Konzertkonventionen konterkariert. Die Mnozil-Brass-Mitglieder sind musikalisch nicht nur Könner, ihre stark ausgeprägte Gesichtsakrobatik erreicht auch noch die letzten Zuschauerreihen - kreativ, extrem und zum Schreien komisch.

Auch auf der Blockflöte machen die sieben eine gute Figur, allerdings wird nicht mit dem Mund, sondern mit dem rechten Nasenloch gespielt. Lediglich Basstrompeter Leonhard Paul hat seine Flöte vergessen, muss deshalb in die Ecke und sich schämen. Überhaupt, ständig wird in diesem Kabinett der schrägen Blech-Vögel einer gemobbt. So muss Tubist Wilfried Brandstötter bei Bachs Präludium Nr. 22 in B-Dur die Instrumente seiner Kollegen herbeibringen, dann noch den Bühnenboden fegen, bevor er beim Schlussakkord noch mitspielen darf. Die Musiker treiben sich nicht nur gegenseitig zu musikalischen Höchstleistungen, sondern manchmal auch in den gespielten Wahnsinn - sehr zum Vergnügen des Publikums.

In Sachen Musikstile hat Mnozil Brass sowieso alles drauf: Beim Soundtrack zu "Die Straßen von San Francisco" gehts rockig zur Sache. Die Trompeten von Thomas Gansch, Robert Rother und Roman Rindberger knallen noch schärfer - zugegeben, zuweilen ein wenig arg heftig. Mit der Musik von "Rocky" wird ein Zeitlupen-Boxkampf unterlegt, beim Donauwalzer gibts Wasserballett.

Mit offenem Hemd und dicker Goldkette um dem Hals jagt Zoltan Kiss seine Posaune mit der "Hungarischen Schnapsodie" in unwirkliche Höhen. Leonhard Paul lässt sich von Kiss und Gerhard Füssl schultern, bedient mit den Zehen die Züge ihrer Posaunen sowie mit den Fingern die Ventile zweier Trompeten. Immerhin lautet das Bandmotto "angewandte Blechmusik in allen Lebenslagen". Bei Michael Jacksons "Thriller" werden nicht nur Zombie-Grimassen geschnitten, es gibt auch noch eine Choreographie mit Moonwalk. Eine schräge Comedy-Nummer jagt die andere - quasi Monty Python mit Brass. Der höchst vergnügliche Zirkus wird mit Jubel und Ovationen belohnt.

"Sou jetzt kousch dei Trompet ejschmelza", meint ein Zuhörer nach dem Konzert augenzwinkernd zum anderen. Mnozil Brass macht halt sprachlos.

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