Orientierung im fremden Land

Ausländische Fachkräfte auf Bewerbung und Arbeitsalltag vorbereiten sollen die Jobcafés des Welcome Centers Heilbronn-Franken. Ab nächstes Jahr voraussichtlich auch in Hall.

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Isabell Bommert (links) und Projektmitarbeiterin Marlene Neumann betreuen die Jobcafés für Fachkräfte aus aller Welt zusammen mit Mitarbeitern der Arbeitsagentur.  Foto: 

Vielleicht ist es nicht ganz geschickt, als Grund für ein höheres Gehalt anzugeben, dass man sich eine schönere Wohnung leisten will. Das hat der Teilnehmer am Jobcafé des Welcome- Centers Heilbronn-Franken schnell eingesehen. Zum Glück handelte es sich nur um eine gespielte Gehaltsverhandlung, an die Isabell Bommert, Projektleiterin des Welcome-Centers, amüsiert zurückdenkt. Denn genau diese ungezwungene Atmosphäre steht bei den Jobcafés im Mittelpunkt: Die Teilnehmer – seit kurzer Zeit in der Region lebende Fachkräfte aus aller Welt – sollen sich lebhaft mit den Referenten austauschen und alle Fragen zur Berufswelt in Deutschland stellen, die sie auf dem Herzen haben.

Erhebliche Unterschiede

Bommerts Anekdote macht noch etwas deutlich: Die Arbeitskultur in verschiedenen Ländern unterscheidet sich oft erheblich voneinander. „In Italien und Spanien etwa gibt es keine Arbeitszeugnisse“, berichtet die 30-Jährige, die seit gut zwei Jahren das Welcome-Center leitet. Die Erkenntnis vieler Teilnehmer am Jobcafé: Sie bitten den ehemaligen Arbeitgeber in ihrem Herkunftsland, ein Schreiben zu verfassen, in dem ihre Tätigkeiten kurz zusammengefasst werden.

Und auch in anderen Dingen brauchen ausländische Fachkräfte Unterstützung: Sie müssen oft lernen, wie sie in Deutschland auf Stellensuche gehen können, wer sie dabei beraten kann, wie ein Lebenslauf aufgebaut ist oder wie eine Initiativbewerbung funktioniert. Drei Jobcafés zu den Themen „Anschreiben und Initiativbewerbung“, „Stellensuche online“ sowie „Vorstellungsgespräch und Gehaltsverhandlung“ hat das Welcome-Center in Kooperation mit der Arbeitsagentur Heilbronn seit Mai stattfinden lassen, drei weitere sollen dieses Jahr noch folgen. Am Anfang stand eine Erkenntnis: „Wir haben gemerkt, dass viele Fachkräfte schon in Deutschland sind, aber noch auf Jobsuche sind. Zum Teil haben sie tolle Qualifikationen, wissen aber nicht, wie das Bewerbungsverfahren in Deutschland aussieht.“

Teilgenommen haben an den bisherigen Jobcafés Fachkräfte aus den verschiedensten Herkunftsländern – von Ägypten über Brasilien und Kamerun bis Indien – und mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen, etwa Maschinenbau, Geowissenschaften, Allgemeinmedizin, Wärme- und Kältetechnik, Biotechnologie, Logistik, Buchhaltung, Wirtschaftswissenschaften oder IT. Altersmäßig liege der Schwerpunkt zwischen 25 und 35 Jahren, es seien aber auch schon 45-jährige Fachkräfte dabei gewesen, berichtet Bommert. Auch die Zahl der männlichen und weiblichen Teilnehmer halte sich die Waage. Im Durchschnitt 15 Frauen und Männer wurden bei den bisherigen Veranstaltungen gezählt, was noch ausbaufähig sei. Neben einigen „Stammgästen“ kämen allerdings auch immer wieder Neue hinzu.

Auch die Betriebe profitieren

Doch nicht nur die ausländischen Fachkräfte sollen von den Jobcafés und den übrigen Angeboten des Welcome-Centers profitieren, sondern auch besonders die kleinen und mittleren Unternehmen in der Region. Die suchten nämlich oft händeringend nach Fachkräften. „Gerade auch in dem kommenden Jobcafé zum Thema ,Arbeiten in Deutschland’ wird es einen Austausch zu Besonderheiten des Arbeitens in Deutschland geben und all diese Vorbereitungen kommen auch den Unternehmen zugute, die zudem  auch im Rahmen zum Beispiel der Unternehmensbesuche potenzielle Kandidaten kennenlernen können“, erklärt Bommert.

Bei den bisherigen Jobcafés habe es sich um einen „Probelauf“ gehandelt, der aber auf jeden Fall im nächsten Jahr fortgesetzt werden soll. Künftig soll es die Veranstaltungen in ganz Heilbronn-Franken geben – den Anfang macht voraussichtlich im nächsten Jahr der Landkreis Schwäbisch Hall. „Die Gespräche dort sind gestartet“, bestätigt Bommert. Die Kooperationspartner dürften aber zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht genannt werden.

Eröffnet wurde das Welcome-Center Heilbronn-Franken am 30. Juni 2014. Finanziert wird es vom Landeswirtschaftsministerium und von den Gesellschaftern der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken. Als Ansprechpartner für Unternehmen, Institutionen und Fachkräfte ist es in Heilbronn, Crailsheim, Schwäbisch Hall, Bad Mergentheim, Künzelsau, Künzelsau-Gaisbach und Tauberbischofsheim präsent.

Das nächste Jobcafé zum Thema „Besonderheiten des Arbeitsalltags in Deutschland“ findet an diesem Dienstag, 19. September, ab 17.30 Uhr beim Fleiner Automationsexperten Xactools statt.

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