Obersteinacher Kirche muss für fast 300.000 Euro saniert werden

Der Dach- und der Glockenstuhl der Obersteinacher Kirche sind so marode, dass die Glocken nicht zum Gottesdienst erklingen dürfen. In den kommenden Monaten wird für rund 290.000 Euro aufwendig saniert.

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Das alte Gebälk in der Obersteinacher Kirche trägt die Last der Glocke kaum noch. Sie läutet nicht mehr zum Gottesdienst.  Foto: 

"Wir müssen in aller Stille in die Kirche gehen", sagt Pfarrerin Susanne Meyer. "Das ist schlimm." Doch notwendig, denn die Aufhängung der drei Kirchenglocken ist völlig morsch. Zu sehen war das allerdings nicht, denn die Balken waren verschalt. Eine der regelmäßigen Inspektionen des Glockensachverständigen hatte sie ans Tageslicht gebracht. Meyer: "Wir sind alle erschrocken, als man seine Finger in die Balken bohren konnte." Deshalb könnte jede Schwingung der schweren Glocken den Glockenstuhl zum Einsturz bringen. Also schweigen die Obersteinacher Glocken derzeit. "Leider", sagt Pfarrerin Meyer, "im Dorf fehlt etwas." Die Glocken werden nur noch für die Uhrzeit leicht angeschlagen.

Die Gemeinde hat nun eine Schadensanalyse erstellen lassen: Auch das Gebälk des Kirchturms und das des Kirchendaches ist angegriffen. "Dabei hatten wir regelmäßige Kontrollen. Aber man hat die Stellen einfach nicht gesehen", sagt Pfarrerin Meyer. Zum Beispiel, weil die Balken verschalt waren. Oder schlicht nicht zugänglich.

Wie genau die Sanierung ablaufen wird, ist noch unklar. "Soweit sind wir noch nicht." Ob zum Beispiel das Dach komplett abgedeckt werden muss, ob die Glocken den Dachstuhl verlassen müssen - das steht alles noch nicht fest. Aber das Denkmalamt ist eingeschaltet. Wie viel die Maßnahme insgesamt kosten wird, ist auch schon klar: fast 290.000 Euro.

Die Stadt Ilshofen beteiligt sich an den Sanierungskosten des Turms, "da gibt es einen alten Vertrag", weiß Pfarrerin Meyer. Wie für viele Kirchtürme, übrigens. Der Grund ist immer derselbe: Als noch nicht jeder eine Armbanduhr hatte, galt die Kirchenuhr als öffentlicher Service. Außerdem warnten die Glocken bei Feuersbrünsten. Deshalb wollen die bürgerlichen Gemeinden sozusagen einen Fuß in der Kirchturmtür haben und erkaufen sich öffentlichen Einfluss durch Kostenbeteiligung. Die Stadt Ilshofen zum Beispiel trägt traditionell ein Drittel der Kosten am Obersteinacher Kirchturm - im Haushaltsplan sind dafür bereits 86000 Euro eingestellt. "Für uns ist das ein Glück", sagt Pfarrerin Meyer.

Kirchengemeinde muss vorher Darlehen aufnehmen

Auch das Denkmalamt beteiligt sich, doch der Kirchengemeinde bleiben für die gesamte Sanierung noch 200.000 Euro. Eine stolze Summe, wenn man bedenkt, dass die 500 Gemeindeglieder drei alte Dorfkirchen (Obersteinach, Haßfelden und Altenberg) zu unterhalten haben, dazu ein Gemeindehaus, ein Pfarrhaus und zwei Friedhöfe. Zwar hat die Gemeinde Rücklagen, aber die reichen nicht, sagt Pfarrerin Meyer. "Es werden wohl Darlehen nötig sein."

Allerdings lassen die Obersteinacher ihre Kirche nicht allein. Bei den Dorfbewohnern - bekannt für ihren ausgeprägten Gemeinschaftssinn - setzte eine große Spendenwilligkeit ein. Innerhalb von wenigen Wochen kamen 11000 Euro aus kleinen und großen Beträgen zusammen. Pfarrerin Meyer berichtet über eine rührende Geste: "Die Nachbarskinder haben beim Weihnachtsmarkt gedrechselte Gegenstände verkauft und kamen mit einem 50-Euro-Schein. Dies sei die Spende der Kinder, sagten sie. Das hat mich sehr berührt."

Gotteshaus brennt im Dreißigjährigen Krieg ab

Geschichte Die Obersteinacher Kirche Peter und Paul wurde 1285 erstmals erwähnt. Ihr Kern, beziehungsweise der Sockel des Turms, ist gotisch. 1634 brannte sie während des Dreißigjährigen Krieges total ab. Erst 16 Jahre danach konnte sie 1650 erneuert werden. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Kirche 1752/53. An den Kosten beteiligten sich damals die Superintendentur Kirchberg, der Deutsche Orden und das Domkapitel Würzburg. Im Jahr 1757 wurde der Turm aufgestockt und mit der hübschen Spitzhaube versehen. Im Inneren der Kirche wurde damals der alte Chorraum von einer Ansbacher Kanzelwand verdeckt, die bei einer Sanierung 1970 wieder entfernt wurde.

UTS

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