Nur eine Generalprobe

Im ersten Jahr unter Christian Doll gibt es bei den Haller Freilichtspielen nur eine Vorpremiere und keinen Theaterspaziergang. Viele Haller sind enttäuscht.

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Leere Plätze: Die Freilichtspiele bieten 2017 nur eine öffentliche Generalprobe und keinen Theaterpaziergang an.  Foto: 

Ich habe das sehr in mein Herz genommen“, sagt der neue Intendant der Freilichtspiele Schwäbisch Hall Christian Doll über die vielen Stimmen, die ihn erreichen zum Thema öffentliche Generalproben. Trotzdem sieht er keine Möglichkeit, den Bitten danach noch in diesem Jahr nachzukommen. Die Proben-Terminpläne seien zu eng gestrickt. Nur für „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ habe man eine öffentliche Generalprobe einrichten können. Er sei aber durchaus nicht grundsätzlich dagegen.

In den vergangenen Jahren haben die Haller Freilichtspiele für fast alle Neuinszenierungen öffentliche Generalproben angeboten. Im Sommer 2016 waren das vier Veranstaltungen, 2015 waren es fünf und 2012 sogar sechs – auf der Treppe und im Globe. Sie waren oft schnell ausverkauft.

Wer hat denn nun entschieden, dass diesmal nur eine öffentliche Generalprobe stattfinden soll? „Das haben wir im Team gemeinsam entschieden“, sagt Doll. Er erklärt: „Dadurch, dass wir alle neu in Schwäbisch Hall sind, haben wir keine Wiederaufnahmen, sondern lauter Neuproduktionen. Das bedeutet einen sehr hohen Probenaufwand. Auf der großen Treppe müssen wir immer mehrere Stücke parallel proben und dafür das Bühnenbild oft umbauen. So hat zum Beispiel ,Maria, ihm schmeckt’s nicht’ nur zwei Wochen nach ,Brenz 1548’ Premiere. Da müssen wir auch schon vor der ,Brenz’-Uraufführung alle Zeitfenster, die wir auf der Treppe haben, für Proben nutzen. Wir werden bis kurz vor den Premieren in der Entwicklungsphase sein.“ Man brauche die Generalprobe als echte Probe, nicht als Vorabaufführung, lässt er durchblicken. Entsprechendes gelte auch für die Stücke im Theaterzelt: „Auch dort können wir erst spät proben, weil vorher der Circus Compostelli drin ist, und der hat natürlich Priorität.“ Aber Doll gibt auch zu: „Mir war nicht bewusst, dass die öffentlichen Generalproben auch im Globe-Theater eine so wichtige Rolle gespielt haben.“ Er hatte dieses Format eher auf der Treppe im Bewusstsein.

In Zukunft weniger Termindruck

In den nächsten Jahren will Doll wieder mehr öffentliche Generalproben anbieten. „Dann haben wir ja nicht mehr lauter Neuproduktionen“, sagt er. Damit sei der Proben-Termindruck geringer. Und dann ist da noch der beliebte Theaterspaziergang – er findet heuer nicht statt. „Wie kann man auf etwas verzichten, das immer schon im Vorhinein für 15, 16 Aufführungen ausverkauft war?“, fragen manche Theatergänger.

100 Besucher pro Aufführung

Intendant Doll rückt da erst einmal die Dimensionen zurecht: „Am Theaterspaziergang konnten pro Aufführung 100 Besucher teilnehmen. Im Theaterzelt haben wir 370 Sitzplätze. Rein finanziell gesehen ist es durchaus nicht so, dass der Theaterspaziergang sich automatisch selbst getragen hat.“

Aber es komme ja nicht nur aufs Geld an, schiebt er gleich nach. „Ich habe mich intensiv mit Ekki Busch ausgetauscht (der in den vergangenen Jahren als Akkordeonist und Sänger eine wichtige Rolle beim Theaterspaziergang hatte). Auch er wollte mal was Neues machen.“ Jetzt soll es unter dem Titel „Blue Moon“ einen Musik- und Schauspielabend im Zelt geben. Er soll aber thematisch an den Spaziergang anknüpfen: Auch dort kann mit Theaterepisoden ein neuer Ort entdeckt werden. Und im kommenden Jahr, so hofft Doll, könne ja ein besonderer Raum erkundet werden: Das neue Globe-Theater. „Vielleicht machen wir einen Theaterspaziergang auf dem Unterwöhrd“, blickt er voraus.

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Die Freilichtspiele Schwäbisch Hall zeigen in ihrer 92. Spielzeit unter anderem Goethes „Wahlverwandtschaften“ und das Reformationsstück „Brenz 1548“. Es ist die erste Saison unter dem neuen Intendanten Christian Doll.

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