Nicht zu schön zum essen

|
Regine Bräuninger bäckt ihre Springerle nach traditionellem Rezept. Foto: Ute Schäfer  Foto: 

Regine Bräuninger hat ihre ersten Sorten bereits fertig, denn wer eine rechte Weihnachtsbäckerin ist, erledigt das noch vor dem ersten Advent.

Wir stellen in den kommenden Wochen solche Weihnachtbäckerinnen vor und verraten unseren Leserinnen (und natürlich auch den interessierten Lesern) ein paar Tipps, wie die alten Sorten sicher gelingen. Springerle zum Beispiel, die viel Arbeit machen und in deren Herstellung so manche Hürde liegt. Doch die „Füßle“ sind es nicht, sagt Regine Bräuninger, die gerade das erste Blech mit Springerle im Ofen hat. Es duftet schon „und sehen Sie? Sie gehen schon hoch. Ich wusste, dass es klappt“, sagt sie, „sie hatten den typischen Rand.“

Denn dies ist der Füßles-Trick: Regine Bräuninger dreht ein ungebackenes Springerle um und zeigt die Unterseite: Während in der Mitte des Springerles der Teig noch sichtbar feucht ist, zeigt sich außen ein schmaler, trockener, weißer Rand. „Wenn man den sieht, gelingen sie“, sagt Regine Bräuninger. Deshalb legt sie die Springerle zum Trocknen über Nacht auf eine flache Porzellanplatte, sodass das ausgeradelte oder -geschnittene Gebäck ganz flach aufliegen kann und nur von oben trocknet. Deshalb darf es beim Verarbeiten auch nicht zu warm sein: „Ich hab auch schon bei gekipptem Fenster gearbeitet.“

So einfach ist das also. Doch natürlich, das will Regine Bräuninger nicht verhehlen, gibt es bei den Springerle auch spannende Momente, nämlich wenn sie aus der Form kommen. Denn das ist diffizil und braucht Fingerspitzengefühl. Die Model müssen davor sorgfältig sehr dünn eingemehlt werden, Regine Bräuninger macht das mit einem Pinsel. Dann wird der Teig halbzentimeterdick ausgewellt – je dünner, desto feiner das Ergebnis. Nun wird das Model in den Teig gedrückt, ausgeschnitten, dann samt Teig hochgehoben und vorsichtig nochmal nachgedrückt, damit auch sicher jede Ritze des Models mit Teig ausgefüllt ist.

Und dann kommt der spannende Moment. „Denn wenn Teig im Model hängenbleibt, ist es für dieses Jahr nicht mehr zu gebrauchen.“

Denn bis das Holzmodel gespült und getrocknet ist, sind die Springerle gebacken – und so manche andere Plätzchensorte bestimmt auch. „Aber wer sagt schon Plätzchen?“, fragt Regine Bräuninger. „Das klingt doch komisch.“ Bei ihr heißen sie „Brödle“, möglich ist auch „Gutsle“, und aus dem Kochertal kennt sie „Backerlich“.

Und überhaupt: Der Hohenloher Begriff „Zuckerdoggelich“ (Zuckerpüppchen) für Weihnachtsgebäck geht auf die Springerle zurück, auf denen früher oft eine schöne Dame abgebildet war. „Früher waren Springerle Patengeschenke“, weiß Regine Bräuninger. Den Mädchen habe man eines mit einer Dame, den Buben eines mit einem  Mann oder Reiter geschenkt.

Regine Bräuninger schiebt ein neues Blech Springerle in den Ofen und greift nach dem Küchenwecker. „Bei Springerle nehme ich die Uhr“, sagt sie, denn Farbe dürfen sie keinesfalls bekommen. Reinweiß bis höchstens lichtgelb müssen sie sein, nur von unten dürfen sie goldgelb werden.

Wenn sie direkt aus dem Ofen kommen, duften sie zwar. Aber essen kann man sie nicht. Sie sind steinhart. „Manche sagen ja, man soll einen Apfelschnitz in die Dose legen. Das hab ich einmal gemacht und alles war verschimmelt. Deshalb mach ich’s wie meine Oma: Ich stelle die etwas geöffnete Dose auf den Dachboden. Dort werden die Springerle wunderbar zart. Und man kann sie an Weihnachten gut essen. Denn dazu sind sie da.“

Zutaten Vier große Eier, 500 Gramm Puderzucker, 500 Gramm Weizenmehl, eine Messerspitze Hirschhornsalz. Alle Zutaten sollten Zimmertemperatur haben.

Zubereitung Zucker und Eier sehr schaumig rühren (mit der Küchenmaschine 10 Minuten), Hälfte des Mehls mit der Küchenmaschine, den Rest des Mehls auf der Arbeitsfläche untermischen, gut durchkneten. Teig 1 Stunde in Frischhaltefolie in der Kälte ruhen lassen. Auswellen, Model von oben eindrücken, ausschneiden, auslösen, Form ggf. mit einem feinen Küchenmesser nacharbeiten, zwölf bis 24 Stunden in einem nicht zu warmem Raum mit Küchentuch abgedeckt trocknen lassen, Backpapier mit Anis bestreuen, Springerle darauf geben und bei 140 Grad circa 30 bis 40 Minuten (je nach Größe und Dicke) weiß bis blassgelb backen. Sie sind fertig, wenn die Unterseite goldgelb ist. uts

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Feuerwehrübung: Pflanzenzucht

An den letzten beiden Dienstagen hat die Haller Feuerwehrabteilung Ost den Brand einer Pflanzenzucht geübt. weiter lesen