Ausstellung: Nicht nur Sichtbares zeigen

Der Kunstverein Schwäbisch Hall zeigt in der Haller Galerie am Markt Werke der finnischen Fotokünstlerin Anni Leppälä.

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Die Kunsthistorikerin Ritva Röminger-Czako und Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim rahmen Anni Leppälä ein.  Foto: 

Die hohen weißen Wände dominieren nur scheinbar die Ausstellung des Kunstvereins. An die eher kleinformatigen Fotografien muss man näher herantreten. Und sich dann auf sie und ihre teils humorige, teils rätselhafte, aber im Kern oft melancholische Erzählung einlassen.

„Ich liebe den Raum“, blickt sich Anni Leppälä bei der Eröffnung am vergangenen Samstag zufrieden um. Eigens für die Ausstellung „Über das Sichtbare“ ist die 35-jährige Fotokünstlerin aus Helsinki angereist und hat auch die Hängung begleitet. „Die Motive gehen Verbindungen miteinander ein“, erläutert sie lächelnd und zeigt hinter sich. Der erste Schnee als Wandtapete, eine maskenhafte Überlappung und eine langhaarige Frau auf dem Bett hängen als Collage. Sie kombiniere die Bilder stets anders. „Dabei verleihen sie sich gegenseitig neue Bedeutungen“, erläutert Leppälä.

Wie aus der Zeit gefallen

Die Fotos leben vom Sichtbaren und vom Nichtsichtbaren. Die inszenierten Aufnahmen unterschiedlichen Formats zeigen Momente und Stimmungen. Anni Leppälä verzichtet beim Fotografieren auf Beleuchtung. „Es gibt überall ein eigenes Licht“, erläutert sie. Es sind Orte, an denen die Zeit stehen zu bleiben scheint. Die Natur ist sehr präsent in den Bildern. Und auch die Künstlerin selbst wirkt in ihrem dunkelblauen Wollkleid zeitlos.

Im oberen Raum zeigt „Small Forest“ von 2014 eine Steppdeckenlandschaft mit Miniaturtannen. Die Abbildung von Laub und Ästen an einer Hausecke („House exterior“, 2016) ist augenzwinkernd nach unten in eine Ecke geklebt. Eine collagenartige Aufnahme, genannt „Mantelpiece“, in der die Gesichter durch Überlappung nicht zu erkennen sind, macht neugierig. Verfremdung sei ebenso ein wichtiges Motiv wie Erinnerung, so die finnische Kunsthistorikerin und Kuratorin Ritva Röminger-Czako, die in Bonn lebt. Oft seien Orte abgebildet, die für die Künstlerin biographisch bedeutsam sind. „Leppälä hat viel nachgedacht über das Wesen der Fotografie, die Flüchtiges dauerhaft zu bannen scheint und damit Unsichtbares  freilegt“, fasst Röminger-Czako zusammen. Inspiriert sei die Fotokünstlerin auch von der nordischen Malerei des 19. Jahrhunderts.

„Ich liebe Finnland“, verrät Wolfgang Schwarzkopf, ebenfalls Ausstellungskurator und zweiter Vorsitzender des Kunstvereins auf der sehr gut besuchten Vernissage. Und ergänzt schmunzelnd: „Im Sommer.“ „Anni Leppälä gehört zu den interessantesten Fotografinnen der Gegenwart“, lobt er die erfolgreiche Absolventin der Helsinki School of Photography. Sie sei bereits in vielen Großstädten Europas ausgestellt worden. Er selbst habe sie vor einiger Zeit in Madrid gesehen, berichtet Schwarzkopf vom Impuls für die Haller Ausstellung. Passend zum Thema gibt es im Anschluss an die Vernissage diesmal finnische Speisen.

Bereits seit 30 Jahren sei Schwäbisch Hall mit der Partnerstadt Lappeenranta verbunden, sagt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Zum 100. Geburtstag des Staates Finnland sei die Ausstellung finnischer Kunst geplant worden.

Nebenbei erwähnt er, dass in Lappeenranta kürzlich für 50 Millionen Euro ein neues Theater gebaut worden sei. „Dort positioniert man sich für die Kultur. Und wir diskutieren schon zwei Jahre über unser kleines Theater“, meint Pelgrim verwundert.

Gefördert wird die Ausstellung vom Finnland-Institut in Berlin, dem finnischen Staat und weiteren Sponsoren. Einige der Fotos kamen direkt aus einer Berliner Galerie, ein Teil wurde von Leppälä im Koffer aus Finnland transportiert, ein weiterer Teil reiste von einer Pariser Ausstellung nach Schwäbisch Hall.

Info Die Schau „Über das Sichtbare“ läuft bis 9. April. Die Galerie am Markt ist mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr sowie an den Wochenenden von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

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