Neun Restaurants in Hall schließen

Hohe Arbeitsbelastung, viel Bürokratie und wenig Gewinn: In der Innenstadt schließen Wirtshäuser oder wechseln den Pächter. Unter ihnen sind auch Traditionbetriebe.

|
Vorherige Inhalte
  • Neuer Pächter für den „Schuhbäck“ gesucht.
1/6
    Neuer Pächter für den „Schuhbäck“ gesucht. Foto: 
  • Die „Grüne Wiese“ veblasst nach eineinhalb Jahren. Carmen Porst hört auf, weil zu wenig Gäste kommen. 2/6
    Die „Grüne Wiese“ veblasst nach eineinhalb Jahren. Carmen Porst hört auf, weil zu wenig Gäste kommen. Foto: 
  • Cesare Rebellato will seine beiden Pizzerien abgeben. 3/6
    Cesare Rebellato will seine beiden Pizzerien abgeben. Foto: 
  • Das Hotel „Krone“ am Holzmarkt ist geschlossen. 4/6
    Das Hotel „Krone“ am Holzmarkt ist geschlossen. Foto: 
  • Zu Ende gemixt: „Shake to go“ in der Blockgasse ist dicht. „Finanzielle Gründe“ führten dazu. 5/6
    Zu Ende gemixt: „Shake to go“ in der Blockgasse ist dicht. „Finanzielle Gründe“ führten dazu. Foto: 
  • Nachfolger gesucht: „Quinoa“ in der Neuen Straße. 6/6
    Nachfolger gesucht: „Quinoa“ in der Neuen Straße. Foto: 
Nächste Inhalte

Wer Lust hat, alles hinzuwerfen und es mal als Wirt zu probieren, der hat fast freie Wahl. Für mindestens acht Schank- und Speiseräume werden Nachfolger gesucht. Ein Wirtshaus wird wohl in ein Studentenwohnheim umgewandelt.

„Ich freue mich auf mein neues Leben“, ruft Georg Schaile vom Restaurant „Schuhbäck“ aus. Er will nicht mehr als Selbstständiger jeden Tag in der Verantwortung stehen und gebe nach 20 Jahren im Traditionshaus, das zwischen Hafenmarkt und dem Marktplatz liegt, den Kochlöffel weiter. „Es gibt viele Gründe aufzuhören“, sagt Georg Schaile, der zusammen mit seiner Frau – teilweise auch mit seinen Eltern und Kindern – den Betrieb führt.  „Es lag nicht am Umsatz“, sagt Schaile über das Restaurant, das bei Bankern wie Beamten als beliebter Mittagsessenort gilt.

Die Probleme, gutes Personal zu finden, die Bürokratie zu bewältigen und die Kosten zu stemmen, stünden nicht mehr in einem guten Verhältnis zum Gewinn. Als staatlich geprüfter Gastronom und Küchenmeister verdiene er als Angestellter ähnlich viel und habe geregelte Arbeitszeiten. Und ein solches Angestelltenverhältnis strebt der 50-Jährige nun an. Wer den Betrieb in den Räumen des Hospitals zum Heiligen Geist weiterführe sei unklar. „Spätestens zum 1. April 2017 sind wir draußen“, sagt Schaile.

„Entgegen aller Gerüchte: Wir machen weiter.“
- Günter Wisotzki, Entenbäck-Pächter

Dann hat Carmen Porst bereits das Küchenhandtuch hingeworfen. „Ich bin ein Mensch, der sehr gerne arbeitet“, sagt sie. Zuletzt hatte sie aber nicht mehr so viel zu tun, denn die Zahl der Gäste in ihrer „Grünen Wiese“ am Haalplatz war überschaubar. Mit einem Frühstücksbüffet, Suppen, Salaten und Kuchen wollte sie ganz bewusst eine persönliche Gastronomie bieten, als Gegenpol zu der Massen-Abfertigung in manch anderem Restaurant. „Ich finde es toll, wenn Gäste zwei Stunden lang bei mir sitzen“, sagt sie. Das taten auch einige. Allerdings nicht genügend. „Ich bereue es nicht“, sagt die 53-Jährige über die Verwirklichung ihres Traums.

Sie habe 25 Jahre Erfahrung in der Gastronomie, sei Industriekauffrau, habe gewusst auf was sie sich einlasse. Daher habe sie die Ausgaben so begrenzt, dass sie nun nicht auf Schulden sitze. Nun sucht sie wohl ab 15. Januar einen neuen Job. Dann wird der Laden dicht gemacht. Ein Nachfolger habe sich bisher noch nicht gemeldet.

Den sucht Cesare Rebellato auch. Den Italiener und ehemaligen Ferrari-Fahrer (das war vor seiner Insolvenz) zieht es nach Rom. „Erst vor acht Tagen habe ich mir ein Restaurant dort angeschaut“, erläutert er. Wenn alles klappe, sage er bis zum nächsten Sommer „Ciao Hall, buon giorno Italia“. Für seine beiden Da-Cesare-Pizzerien in der Haalstraße und im Hagenbacher Ring sucht er Nachfolger. „Ich  habe 1973 die erste Pizzeria in Schwäbisch Hall eröffnet. Ich bin 75 Jahre alt, im Kopf aber 45 geblieben.“ Daher sucht er den Neuanfang. Denn die Fast-Food-Angebote in Hall und das Kocherquartier habe den traditionellen Restaurants den Zulauf genommen. „Juni, Juli und August – das sind gute Monate.“ Den Rest des Jahres sei in Hall kein Geld zu verdienen. Er sieht seine Zukunft nun im Süden.

Hotelzimmer ohne Duschen

Diese Richtung schlägt auch Semir Sürmelioglu ein. Er will in Fichtenberg ein Hotel eröffnen. Das Hotel Krone am Haller Holzmarkt hat bereits seit 1. Oktober geschlossen. „An der Ecke dort läuft es nicht so gut“, sagt der Hotelier. Er weint seinem gepachteten Haus keine Träne nach, schließlich betreibt er weiterhin als Besitzer das Hotel Rosenbühl gegenüber und ein weiteres Haus für Langzeit-Mieter daneben. Die elf Zimmer der Krone – fast alle mit Etagenduschen – seien schwer zu vermieten gewesen. Nun wird der Eigentümer wohl Apartments für Studenten dort einbauen, hat Sürmelioglu gehört.

Veränderungen wird es bis Mai 2017 auch am Limpurger Platz geben. Helena Vomfelde betreibt dort die „Snack-Bar-21“ – ein veganer Imbiss.  Die Mitglieder des Clubs Alpha haben sie zur Gastronomin ihrer Wahl gekürt. Das soziokulturelle Zentrum werkelt bekanntlich am neuen Domizil in der Spitalmühlenstraße. „Dort wird es bis spät in die Nacht hinein Essen geben“, erläutert Vomfelde (37). Sie verrät schon einmal: Jungle-Look sei angesagt bei Latino-Musik und zentralamerikanischer Küche. Schließlich war sie nicht umsonst drei Jahre lang in Costa Rica. Sie sei schon stolz darauf, dass ihr Angebot seit zwei Jahren am Limpurger Platz angenommen werde. Bis Mai 2017 will sie einen Nachfolger finden. Wann der Club Alpha eröffnet wird? „Da bin ich die Falsche, die das beantworten kann.“ Vomfelde hofft auf den Januar als Eröffnungsdatum.

Vielleicht wird einer ihrer Gäste Ingo Eichel sein. Denn er schließt das vegane Restaurant „Quinoa“ in der Neuen Straße, zwischen Bäckerei Gräter und Osiander. „Interessenten zur Weiterführung dürfen sich gerne melden, damit auch ich weiterhin vegan und gut essen kann“, teilt er mit.  Aus „zeitlichen und familiären“ Gründen schließe er sein Lokal zum Jahresende.  Die langen Arbeitszeiten und der hohe Aufwand drumherum ließen sich nicht mit den Aufgaben eines alleinerziehenden Vaters vereinen.

Dicht gemacht hat bereits „Shake to Go“ in der Blockgasse. „Finanzielle Gründe“ waren ausschlaggebend dafür, dass Björn Reichhardt keine Smoothies mehr mixt. Der Außendienstmitarbeiter wollte in dem Gastrobetrieb das Lenkrad gegen den Mixer tauschen.

Neue Restaurants öffnen

Doch in Hall entsteht auch Neues. Bahram Nikmard, ehemaliger Café-Pächter im Club Alpha, macht in der Haalstraße am Samstag, 26. November, 20 Uhr, seine neue Bar „Artcafé“ auf. Einst war dort ein Asia-Imbiss. Zudem steht die Vermietung des Gräter-Hauses in der Gelbinger Gasse bevor und am Säumarkt wird in der Alten Wache ein Café eröffnet.

Neben Wirten die kommen oder gehen, gibt es welche, die bleiben. „Das Gerürcht, dass bei uns Schluss ist, stimmt nicht“, sagt Günter Wisotzki, Pächter des Entenbäcks. Er habe es zwar auch schon gehört, aber Fakt sei: „Wir machen weiter.“

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Hörlebach: Mann stirbt in Autowrack

Der Mann hatte wohl einen 19-Jährigen übersehen. Dessen Beifahrerin und die beiden weiteren Insassen wurden leicht verletzt. weiter lesen