Neues Zugpferd für Flüchtlingsbetreuung in Untermünkheim gesucht

Flüchtlinge, die vom Landkreis der Gemeinde Untermünkheim in Anschlussunterbringung zugewiesen werden, müssen betreut werden. Ehrenamtliche haben viel zu tun.

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In Untermünkheim werden Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung der Gemeinde direkt im Ort untergebracht. Das macht laut dem betreuenden Freundeskreis bei der Integration manches einfacher, manches auch schwieriger.  Foto: 

Auf Arnt Baumgärtners Schultern lastet viel Verantwortung. Er koordiniert in Untermünkheim die ehrenamtlichen Mitglieder des Arbeitskreises Flüchtlinge. Bei seinem Sachstandbericht in der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde deutlich, wie viele Aufgaben die freiwilligen Helfer erledigen – und wie viel an dem Koordinator am Ende hängen bleibt. „Ich habe einen hohen Anspruch an mich, wenn ich etwas mache“, erklärte er. Deshalb habe er sich aus privaten – vor allem gesundheitlichen – Gründen entschlossen, sein Ehrenamt aufzugeben. Nun muss ein Nachfolger für das nicht immer ganz einfache Amt gefunden werden. Es gibt noch keine Kanditaten.

Sein Bericht begann mit dem Mai 2016, als ein syrisches Paar in der Unterkunft an der Hohenloher Straße einzog, am 12. Juli aber bereits in Stuttgart ein neues Domizil fand. Seit September letzten Jahres wohnt nun eine weitere syrische Familie mit zwei Söhnen im Ort, am 15. Dezember zog noch eine mit vier Kindern ein. „Das machte die Wohnsituation schwieriger“, so Baumgärtner. Die Arbeit für die Freiwilligen des Arbeitskreises: beim Einzug helfen, manches Notwendige noch beschaffen – und dann vor allem Behördengänge zusammen erledigen.

„Da gibt es viele Sprachhürden, obwohl sie schon Kurse erfolgreich abgelegt haben“, berichtete er. Zudem gelte es immer wieder, Konflikte zu lösen, die manchmal auch nur daraus resultierten, dass die Flüchtlinge den neuen Kulturkreis nicht durchschauten. „Da gibt es beispielsweise Streit unter den Kindern im Kindergarten, den man glätten muss“, so Baumgärtner. Die Einheimischen geben Tipps, erläutern und vermitteln Umgangsformen.

Streitfälle gebe es aber auch mit den Behörden. „Wenn das Jobcenter sagt, Fahrkarten für die Kinder stehen den Familien nicht zu, aber am Ende stehen sie ihnen doch zu“, nannte er ein Beispiel. Verärgert sei er über die Bürokratie, über Formulare, die er oft drei Mal lesen müsse, um sie zu verstehen. „Wie soll das ein Flüchtling schaffen?“, fragte er. Sein Eindruck sei häufig, dass Behördenmitarbeiter eher zur Zusammenarbeit mit Flüchtlingen genötigt würden. Er betonte, dass dies nicht für das Untermünkheimer Rathaus gelte.

Das Pflegen der Nachbarschaft, die europäischen Ansprüche in puncto Sauberkeit vermitteln, auch das sei nicht immer einfach. „Es gibt immer mal Reibereien, aber es sind nicht immer gleich Flüchtlinge, wenn es zu Sachbeschädigungen kommt“, mahnte er. Verständnis müsse man erst einmal haben, dass Syrer in völlig andere Lebenswelten eintauchen müssten, beispielsweise auch, was die Entsorgung von Müll angeht. „So alle ein bis zwei Wochen gibt es immer irgendeinen Grund für ein erziehendes Gespräch“, verdeutlichte er.

Sorgen bereiteten vier junge Männer, die seit August in Untermünkheim wohnen – oder dies zumindest sollten. Leider seien sie nur selten anwesend. „Es wäre eine Katastrophe, wenn man sich nicht um junge Menschen kümmert. Dann kommen sie auf dumme Gedanken“, warnte der Fachmann.

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