Naturschützer schlagen wegen Dürre Alarm

Die anhaltende Trockenperiode ruft die Umweltschützer auf den Plan. Sie fordern, dass kein Wasser mehr aus Bächen entnommen werden darf. Das Haller Landratsamt hat das gestern verfügt.

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Der Echtbach bei Talheim, Stadt Vellberg, ist momentan restlos ausgetrocknet. Einen so trockenen August hat es lange nicht gegeben.  Foto: 

Nach Beobachtungen des kreisweit tätigen Umweltzentrums entwickelt sich die augenblickliche Sommerdürre nicht nur zum Problem für die Landwirtschaft, sondern es drohen auch gravierende Schäden im Naturhaushalt. So sei bereits eine größere Zahl kleinerer Bäche im Landkreis völlig ausgetrocknet, schreibt Martin Zorzi. Als Beispiele nennt er den Gaisklingenbach bei Raibach, den oberen Echtbach bei Vellberg-Talheim und die Maulach oberhalb des gleichnamigen Ortes.

"Für im Bach lebende wassergebundene Tiere bedeutet dies nach Erfahrungen der Naturschützer den sicheren Tod. Auch viele der größeren Fließgewässer wie Kupfer oder Bühler sind inzwischen nahe des historischen Tiefstandes von 2003. Auch dort drohen Fischsterben infolge einer Überwärmung des spärlichen Restwassers", heißt es weiter.

Die Gewitter am Sonntagabend mit wenig Regen seien nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein gewesen. Auch für die nächsten zehn Tage seien keine nachhaltigen Niederschläge prognostiziert worden.

Am Dienstag hatte Martin Zorzi in einem Schreiben an das Landratsamt gefordert, den sogenannten Gemeingebrauch an Fließgewässern umgehend einzuschränken. Denn laut Wassergesetz von Baden-Württemberg darf deren Wasser üblicherweise mit Handgefäßen geschöpft und in geringen Mengen für Land- und Forstwirtschaft und Gartenbau entnommen werden. Diesen Gemeingebrauch kann die Behörde zum Schutz der Natur einschränken. Genau dies hat das Landratsamt vorgestern verfügt. "Überlegungen dazu hatte es bei der Unteren Wasserbehörde auch schon gegeben. Das Schreiben des Umweltzentrums hat uns in der Entscheidung bekräftigt", sagte gestern Simone Bocher-Hohenstein, Pressesprecherin des Landkreises. Die Wasserentnahme ist ohne ausdrückliche Erlaubnis zunächst bis Ende August verboten.

Für das Umweltzentrum hat das Überleben von Fischen, Krebsen und Larven in den Bächen absoluten Vorrang vor dem Bewässern beispielsweise von Hausgärten mit Bachwasser. An vielen Stellen würden kleinere Fließgewässer leergeschöpft. Es sei nicht verantwortbar, dass wegen blühender Blumen, grünen Rasens und saftiger Kohlrabi tausende Tiere sterben müssten.

Badende in Seen und Flüssen sollten mit Rücksicht auf die Fische tiefes kühles Wasser meiden. Fische suchten diese Stellen bevorzugt auf, weil dort das Wasser noch relativ sauerstoffhaltig sei. "Am besten im Freibad oder in Badeseen schwimmen", rät Zorzi. Auch zu Land würden Tiere unter Hitze und Dürre leiden. "Vögel und Kleintiere freuen sich über Tränken", weiß der Fachmann. Auf Wiesen verdörrten die krautigen Pflanzen, die Artenzahl sinke drastisch. Sie bräuchten viele Jahre, um sich zu erholen. Unter den Bäumen litten besonders Birken, Buchen und junge Gehölze.

Zwei Tipps hat Zorzi für Gärtner: Der Rasen treibt wieder frisch aus, auch wenn er jetzt braun ist. Gemulchte Beete brauchen nur die Hälfte an Wasser.

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