Nassrin Chalehchaleh hilft beim persischen Abend im Culturcafé International

Iranische Klänge in Wort und Ton schwingen den Besuchern entgegen. Der Vortragssaal des Hällisch-Fränkischen Museums ist am Freitag wie verwandelt.

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Persischer Abend im HFM: Nassrin Chalehchale, Ana Carmen Thalacker und Farnaz Schaefer sind gern dabei.  Foto: 

Der internationale Kreis des Culturcafés hat den Raum mit bunten Kissen, bestickten Wandbehängen und Teppichen geschmückt. Zur Begrüßung küssen sich viele der Frauen auf beide Wangen. Unter ihnen ist Nassrin Chalehchaleh. Sie trägt ein kurzes rotes Kleid und darüber ein weißes Jäckchen. „Zieh das doch aus“, rät ihr Sohn, der für den persischen Kulturabend aus Ludwigsburg gekommen ist. Die Hitze hält sich im Gemäuer. Unter Männern ist ein kurzer, leichter Händedruck und ein „Salaam“ zur Begrüßung üblich. Jeder Gast bekommt Tee aus dem silber glänzenden Samowar angeboten.

Farnaz Schaefer und Ana Carmen Thalacker begrüßen die bunt gemischte Runde der gut 100 Gäste: „Perserteppiche oder Perserkatzen“, so Schaefer, kenne man vielleicht. Aber die persische Kultur sei vielen unbekannt. „Wir sprechen Farsi und kein Arabisch“, macht Schaefer deutlich. „Pscht“, fordert sie die Menschen zu mehr Ruhe auf. Auch das Reden gehöre zum Iran, scherzt sie. „Und das Tanzen, Essen und Feiern“, ergänzt Nassrin Chalehchaleh leise und schiebt sich eine vorwitzige Locke hinters Ohr.

Iranische Küche ist in Deutschland kaum bekannt

An der hinteren Wand hängen Bilder mit persischer Kalligraphie. „Die iranische Schrift ist interessant“, meint Nassrin Chalehchaleh bescheiden über die kleinen Kunstwerke in Form von persischen Schriftzeichen hinter Glas. Unterhalb der Bilder steht das Buffet. Viele Haller Familien mit persischen Wurzeln haben sich mit typischen Speisen daran beteiligt. Chalehchaleh hat drei Gerichte gekocht: Reis mit grünen Bohnen und Fleisch sowie Auberginen und Spinat mit Joghurt als Beilagen. „Ohne Reiskocher geht nichts“, sagt die 54-Jährige aus Hall über ihr liebstes Haushaltsgerät. Ein traditionelles iranisches Gericht brauche zwei bis drei Stunden Zubereitungszeit, offenbart die Köchin lächelnd den Aufwand. Im beruflichen Alltag im Kindergarten Regenbogen mache sie auch Linsen und Spätzle, daheim nie.

Nassrin Chalehchaleh hat einiges an iranischer Kultur in ihrem Alltag bewahrt. Wie den respektvollen Umgang mit Gästen und die Achtung vor Älteren. Bei Besuch, „den wir immer haben“, wie ihr Sohn lächelnd einwirft, stünden stets alle auf, verabschieden sich alle im Stehen an der Tür. Was sie nicht so an der persischen Kultur möge, sei „Taarof“. Das sei eine falsche Bescheidenheit, die dazu führe, dass selbst Hungrige die ersten Male ein Essensangebot ablehnten. Deutsche seien da direkter, meint sie.

Keine der Frauen trägt ein Kopftuch. „Im Iran macht man das, weil es Gesetz ist“, so Nassrin Chalehchaleh. Auch kurze Röcke und Kleider gehören zur Kleiderordnung. Chalehchaleh füllt kochendes Wasser im Samowar nach. Der Musiker Majid entlockt derweil der Ney, einer persischen Langflöte, mystisch-klagende Töne. Florence Shahkar und Azam Rahimi tragen in Worten und Tanz Verse des berühmten persischen Dichters Hafiz (1325 bis 1390) vor. Hafiz wurde in Deutschland besonders durch Johann Wolfgang von Goethes Gedichtsammlung „West-östlicher Diwan“ bekannt. Die Tänzerin Rahimi in zeigt in fließenden Bewegungen ihre Interpretation der Poesie. Zwischen den getanzten Gedichten werden Bilder aus dem Iran präsentiert. Das Land, früher Persien genannt, ist etwa viermal größer als Deutschland. Architektur, Kunsthandwerk, Landschaften zwischen Wüste, Meer und Bergen wechseln sich ab mit Gärten, Alltagsszenen und Basarständen. „Schöne Aufnahmen“ hört man lobend aus den Zuschauerreihen.

Im Hintergrund nehmen Chalehchaleh und andere Frauen die Folien von den Speisen. „Mmh“, hört man allenthalben über Safranreis mit Berberitzen, Auberginen in vielen Variationen oder Reispudding mit Rosenwasser. Und immer wieder wird gerätselt, was genau man esse. Die persische Küche ist hierzulande eher unbekannt.

Nassrin Chaelhchaleh sitzt endlich. Ein Großteil ihrer Arbeit ist getan. Vorne tanzt ein junges Mädchen. Nicht nur Nassrin Chalehchaleh klatscht im Takt. „Ich helfe ab und zu“, meint Nassrin Chaelhchaleh zum gelungenen persischen Abend. Bescheidenheit ist eine ihrer typischen Tugenden. „Ich komme immer gerne zum Internationalen Kreis“, lächelt sie und streicht sich das rote Kleid glatt.
 

Zur Person

Nassrin Chalehchaleh wurde 1962 in der Stadt Kermanshah im Südwest-Iran geboren. Sie ist seit 1999 verwitwet und hat drei erwachsenen Kinder von 30, 27 und 26 Jahren. Chalehchaleh lebt seit 1998 in Schwäbisch Hall und arbeitet als Köchin in einem Hessentaler Kindergarten.

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