Nachwuchs mit besten Aussichten

Zahl der Lehrverträge bleibt zu Start des Ausbildungsjahres stabil. Während das Handwerk in der Region deutlich zulegen kann, liegen Handel und Industrie unter dem Vorjahr.

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Auch in der Region ist die Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker sehr begehrt. Foto: dpa  Foto: 

Trotz der sinkenden Zahl der Schulabgänger ist die Zahl der Auszubildenden nahezu konstant geblieben. In Baden-Württemberg haben zum Anfang September dieses Jahres insgesamt 40 650 Auszubildende bei Industrie-, Handels- oder Dienstleistungsbetrieben begonnen. Der leichte Zuwachs von 0,1 Prozent wird von  Marjoke Breuning, Präsidentin des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK)  insgesamt positiv bewertet, sie weist aber darauf hin,  dass es „insbesondere für kleine Firmen eine große Herausforderung ist, Lehrstellen zu besetzen.“ Die Firmen treffen bei ihren Bemühungen auf der einen Seite auf eine sinkende Zahl von Schulabgängern sowie eine ausgeprägte Studierneigung und andererseits auf „eine problematische Ausbildungsreife vieler Jugendlicher“.

Kleine Firmen im Nachteil

Laut Thekla Schlör, Leiterin der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim, ist „die Lage für Jugendliche auf dem Bewerbermarkt so gut wie nie“.  5644 freie Ausbildungsstellen wurden bei Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim gemeldet. Ein Plus von 1,3 Prozent. Da die Zahl der Bewerber dagegen nur um 0,9 Prozent stieg, kommen rein statistisch 1,44 Ausbildungsstellen auf jeden einzelnen Bewerber.

Ideale Voraussetzungen für die Ausbildungsplatzsuche. Und auch ältere Bewerber, die nicht direkt nach der Schule einen Berufsabschluss erworben haben, finden beste Bedingungen vor, diesen nachzuholen. „Kurzentschlossene melden sich am besten so schnell wie möglich bei unserer Berufsberatung“, empfiehlt Thekla Schlör. Industrie und Handel trugen zu der aktuellen Situation weniger bei. Denn bei IHK Heilbronn-Franken wurden 3580 neue Ausbildungsverhältnisse eingetragen – ein Minus von 2,3 Prozent. Zwar dürfte sich die Zahl noch ein wenig ändern,  da sich viele Jugendliche erst unmittelbar vor dem Beginn des neuen Ausbildungsjahres entscheiden, doch die Vorjahresdaten werden wohl nicht erreicht.

Hauptgeschäftsführerin Elke Schweig: „Die Ausbildungsbereitschaft der heimischen Betriebe ist trotzdem nach wie vor sehr hoch, aber sie finden nicht genügend geeignete Bewerber.“ Erfreuliche Nachrichten kommen dagegen aus dem regionalen Handwerk. Zum Start des neuen Ausbildungsjahres ist die Zahl der neuen Lehrverträge in der Region Heilbronn-Franken erneut angestiegen. Insgesamt wurden 1558 neue Lehrverträge bei der Handwerkskammer eingetragen. Das bedeutet ein Plus von 5,3 Prozent mit 1479 neuen Ausbildungsverhältnissen. „So ein deutlicher Zuwachs ist ein schöner Erfolg in der Nachwuchssicherung, freut sich Kerstin Lüchtenborg, Leiterin der Abteilung Berufsbildung bei der Kammer. Damit kann das Handwerk bei den Ausbildungszahlen bereits zum vierten Mal in Folge zulegen. Für Kerstin Lüchtenborg kein Grund sich auf dem Erreichten auszuruhen: „Die Betriebe müssen inzwischen aktiv um neue Auszubildende werben und offen sein, für weitere Zielgruppen wie etwa Spätstarter, also junge Erwachsene, oder geflüchtete Menschen aus den Asylherkunftsländern.“ Was Lüchtenborg besonders freut: Auch junge Menschen mit höheren Schulabschlüssen finden Handwerks-
berufe zunehmend attraktiver: „Es ist uns auf jeden Fall gelungen, junge Leute stärker zu begeistern.“ Die Tendenz ist eindeutig. 40 Prozent der Auszubildenden im Handwerk haben inzwischen einen mittleren Bildungs-
abschluss; knapp zehn Prozent die Hochschulreife. Das Handwerk bietet gerade auch für Absolventen mit höheren Schulabschlüssen attraktive Verkürzungsmöglichkeiten und Aufstieg­s­chancen, etwa durch den Erwerb von Zusatzqualifikationen während der Ausbildung oder Auslandsaufenthalten.

Markt bleibt angespannt

Von einem Überhang bei bestimmen Berufen kann auch im Handwerk  nicht mehr gesprochen werden.  Zwar sind Berufe wie KFZ-Mechatroniker nach wie vor heiß begehrt und auch „Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik“ sind gefragt. Dafür gibt es aber zahlreiche Branchen, die größte Schwierigkeiten beim Besetzen von Ausbildungsstellen haben. Das gilt insbesondere für das Lebensmittelhandwerk, den Bau, das Hotel- und Gaststättengewerbe, den Einzelhandel, die Pflege, Arztpraxen oder die Metallbauer.

Für die Leiterin der Arbeitsagentur, Thekla Schlör, gibt es deshalb auch „keine Anzeichen dafür, dass sich an der Situation auf dem Ausbildungsmarkt in naher Zukunft etwas grundlegend ändert“. Ganz im Gegenteil: Die Zahl der Schulabgänger in der Region Heilbronn-Franken wird in den nächsten Jahren weiter zurückgehen. Das ist jetzt schon sicher.

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