Musiker im Mostkeller

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Kinder zeigen einen Kranz bei "Zu Gast Anno Domini". Die Gruppe stellt das Jahr 1763 nach. Foto: Ufuk Arslan

Wo steckt denn bloß das Mariechen?" Laut polternd stolpert ein Knecht mit seinen Holzschuhen in die Küche des Steigenhauses. Auf der Suche nach Magd Marie bleibt der Blick des jungen Mannes begehrlich auf dem in einem schweren gusseisernen Topf schmorenden Hühnerfrikassee hängen. Das mit Brot angedickte und köstlich nach Kräutern duftende Gericht wird eben von der Köchin mit etwas Zitronensaft abgeschmeckt. Ein strenger Blick der Wirtsfrau macht alle Hoffnungen zunichte, der Knecht trollt sich mit leerem Magen.

Im Hohenloher Freilandmuseum heißt es "Zu Gast Anno Domini". Rund 30 Geschichtsbegeisterte der Gruppe "Cercle dhistoire Vivante" mit Hauptsitz in Luxemburg lassen das Jahr 1763 wieder aufleben.

Mariechen kredenzt dem Wirt im Gastraum Kartoffeln mit gedünstetem Speck und Zwiebeln. Der Hausherr sitzt missmutig vor einem Schoppen Bier und schmaucht brummig seine Pfeife. Auf dem Tisch vor ihm liegt eine Schalmei und mehrere Flöten. Von den Musikern fehlt jegliche Spur, der Wirt vermutet sie im Mostkeller des alten Steigenhauses.

Unterdessen spannt ein Fuhrmann im Hof sein Pferd ab. Er hat auf seinem Wagen mehrere Fässer Bier und Wein geladen und möchte über Nacht Rast machen. Für die dringend Stärkung sorgt die Köchin. In großen Gärkörben und mit bunten Baumwolltüchern abgedeckt, warten Sauerteigbrote darauf, im Backhaus knusprig braun gebacken zu werden.

Ein großes Stück Brot mit Butter erhoffen sich auch Victoria (5), Elisabeth und Lena (beide 8) nach getaner Arbeit. Die drei Mädchen sitzen im Zaisenhausener Bauernhaus an einem Tisch in der Stube und schreiben mit Gänsekiel und Tinte auf einem großen Blatt Papier das Alphabet. Mit kritischem Blick über den Rand der Nickelbrille entgeht dem Lehrer kein Fehler. Er hält sich in seinen Stunden an den "zergliederten Katechismus von 1758, eine deutliche Anweisung und Unterricht, wie ein Schulmeister sein Amt erbaulich und sich verhalten soll".

Damit dies auch eingehalten wird, macht ein Amtmann samt Schreiber und Gerichtsdiener unverhofft im Schulzimmer seine Aufwartung. Offensichtlich ist er mit den Ausführungen nicht zufrieden. "Es wölbt sich eine Zornesfalte auf meiner Visage", kommentiert er unwirsch die Zeilen der Kinder. Kurzerhand schreibt er einige Buchstaben vor und entschwindet mit hochmütigem Gruß: "Ich wünsche noch gute Verrichtung".

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