Murrbahn: Zweigleisiger Ausbau soll noch in vordringlichen Bedarf rutschen

Die Bemühungen, die durchgängige Zweigleisigkeit der Murrbahn zu erreichen, halten weiter an. Viele Schriftwechsel belegen das.

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Bei ihrer Nominierung zur Bundestagskandidatin der SPD sagte die Abgeordnete Annette Sawade jüngst, man müsse im Bundesverkehrswegeplan nachbessern. Mit Blick auf die Murrbahn sprach sie wörtlich von einem Trauerspiel. „Ich gebe nicht auf“, versprach sie den Sozialdemokraten. Sie will sich, zusammen mit der SPD-Fraktion, beim Bundesverkehrsminister für den vordringlichen Bedarf einsetzen, erläuterte sie. „Den Vorsitzenden des Verkehrsausschusses, Martin Burkert, habe ich dabei als wichtigsten Mitstreiter an meiner Seite. Bei den Beratungen Ende Oktober werde ich die Höherstufung der Murrbahn beantragen“, fuhr sie fort.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten setzt sich seit Jahren für den zweigleisigen Ausbau ein, wie er sagte. Ob die Murrbahn „vordringlich“ werde, lasse sich nicht sagen. Es zeichneten sich aber Verbesserungen bei der Gäubahn ab, die sich positiv auf die Murrbahn auswirken würden. Bei Schienenverkehrsprojekten könne das Land dem Bundesverkehrswegeplan die Zustimmung verweigern, wenn es mit den Prioritäten nicht einverstanden sei. „Wir müssen noch viel Lobbyarbeit leisten“, so von Stetten. Mit Staatssekretär Norbert Barthle stehe er in engem Kontakt.

Harald Ebner, Bundestagsabgeordneter der Grünen aus Kirchberg, greift den Bundesverkehrsminister an. „Minister Dobrindt hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Die Kategorie ,potenzieller Bedarf’ bedeutet nichts anderes, als dass der Ausbau der Murrbahn immer noch nicht abschließend geprüft und bewertet wurde. Das ist absolut unbefriedigend, denn mittel- bis langfristig muss die Murrbahn zweigleisig werden“, meint Ebner. Er wolle sich mit Landesverkehrsminister Winfried Hermann und den Kollegen im Bundestag dafür einsetzen, dass die Murrbahn in den vordringlichen Bedarf  eingruppiert wird. Bei seinen „beiden regionalen Kollegen“ ( von Stetten und Sawade, d.R. ) habe er angeregt, einen gemeinsamen Termin bei Bundesverkehrsminister Dobrindt zu vereinbaren, um ihn von der Notwendigkeit des Vorhabens zu überzeugen.

Hiesige Landespolitiker fordern Zweigleisigkeit

Die hiesigen Landespolitiker quer durch alle Parteien fordern die Zweigleisigkeit, auch der Haller OB Hermann-Josef Pelgrim und Landrat Gerhard Bauer sowie die Landräte aus den Kreisen Rems-Murr, Hohenlohe und Ansbach. Ein Hauptakteur jedoch nicht: die Deutsche Bahn. „Die DB Netz AG hat die Maßnahme nicht zum Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 angemeldet, da andere Projekte derzeit als vordringlicher betrachtet werden. Ob und in welcher Priorität eine Maßnahme in den BVWP einfließt, entscheidet zudem nicht die Bahn, sondern der Bund“, schreibt ein Konzernsprecher.

„Wir haben unsere Anmeldungen zum Bundesverkehrswegeplan als in sich geschlossene, stimmige Konzeption (Masterplan Schieneninfrastruktur Baden-Württemberg) vorgenommen. Darin ist auch die Murrbahn ein wesentlicher Bestandteil“, schreibt Landesverkehrsminister Winfried Hermann in einem Brief an Annette Sawade. Und fügt handschriftlich hinzu: „Sie haben die Möglichkeit, im Bundestag und in der Regierungskoalition dafür zu werben, dass die Anmeldungen der Landesregierung in den Ausbaugesetzen berücksichtigt werden.“ Sawade hatte zuvor Zweifel geäußert, ob der Minister voll hinter der Murrbahn steht.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg aus Nürnberg sieht  beim BVWP erheblichen Nachbesserungsbedarf. „Ein Lückenschluss auf der teils einspurigen Murrbahn schafft erhebliche Fahrzeiteinsparungen auf der Fernverbindung Paris-Prag und bindet die strukturschwächeren Regionen im bayerischen und württembergischen Franken besser an Nürnberg und Stuttgart an.“ Die  Landtagsabgeordneten Wilfried Klenk (CDU), Gernot Gruber (SPD), Jutta Niemann (Grüne) und Friedrich Bullinger (FDP) aus den Wahlkreisen Backnang und Hall unterstützen die Initiative ihrer Landräte, den Ausbau  in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufzunehmen. Im Dezember wird sich zeigen, ob sich die Mühen gelohnt haben. Dann entscheidet der  Bundestag.
 

Zweigleisiger Ausbau kostet etwa 180 Millionen Euro

Gleise Auf einigen Abschnitten der Murrbahn ist die Mehrgleisigkeit schon gegeben. Von Stuttgart bis Waiblingen ist die Strecke vierspurig. Dort teilen sich die Remsbahn und die Murrbahn, letztere verläuft bis Backnang zweispurig. Entlang der Murr bis Schwäbisch Hall liegt nur ein Gleis, aber von Hessental bis Crailsheim gibt es zwei. Es geht konkret um 42,2 Schienenkilometer, die neu verlegt werden müssten.

Kosten Eine Kostenschätzung seitens des Bundes gibt es nicht, da die Bewertung der Murrbahn noch nicht beendet ist. Deshalb sei sie im „potentiellen Bedarf“ eingruppiert, erklärt die Bundestagsabgeordnete Annette Sawade. Das Land Baden-Württemberg sei bei der Anmeldung in den „vordringlichen Bedarf“ zum Bundesverkehrswegeplan von Kosten in Höhe von 180 Millionen Euro ausgegangen. kor

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