Müssen Bäume im Mainhardter Schlösslespark gefällt werden?

Ein Pilz hat die Wurzeln von einigen Bäumen im Mainhardter Schlösslespark befallen. Nun wird überlegt, ob die Bäume gefällt werden müssen.

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Baumgutachter Ulrich Walter (kniend, blau-rot-kariertes Hemd) erklärt der Mainhardter Delegation, in welchem Zustand die Bäume im Schlösslespark sind.  Foto: 

„Fuchsroter Schillerporling“, seufzt Baumgutacher Ulrich Walter aus Pfedelbach. Er dreht den harmlos aussehenden Wurzel-Schädling zwischen den Fingern. „Der war vor drei Wochen noch nicht zu sehen“, berichtet er bei der Ortsbegehung mit Bürgermeister Damian Komor, den Mainhardter Gemeinderäten und Vertretern der „Boulefreunde“ im Mainhardter Schlösslespark über den Pilz.

Im Schlösslespark wachsen drei Stieleichen, zwei Säuleneichen, eine Sommerlinde, eine Blutbuche, zwei Ahornbäume und eine Altaszeder. Die Boulebahn unter den hohen Schattenspendern wird an diesem Tag von mehreren Männern und Frauen bespielt. Ein metallisches „Klack“ macht es bei Treffern. Beim Boule geht es darum, mit der eigenen Kugel möglichst nah an die Zielkugel („Schweinchen“) zu gelangen. Auch wegen der abschließenden Abstimmung im Gemeinderat über die Erweiterung auf bis zu drei Bahnen trifft man sich zur Ortsbegehung. Aufgrund der Planung durch das Landschaftsarchitektur-Büro Ludwig wurde das Baumgutachten im Vorfeld in Auftrag gegeben.

Ob „Sekundärkrone“ oder „Totholz“: Die Vitalität dreier 90 bis 120 Jahre alter Bäume stuft Ulrich Walter nur mit ausreichend bis mangelhaft ein. Mit dem Resistograph hat Walter Bohrwiderstandsmessungen vorgenommen. Ein gesunder Baum weise dabei Ausschläge auf, weil Sommer- und Winterholz unterschiedliche Härten haben. Wenn die Spitzen fehlten, werde bereits Zellulose abgebaut, erklärt der öffentlich bestellte Gutachter. Die oftmals kaum zackigen Diagramme auf weißen Papierstreifen brechen teilweise bereits nach drei Zentimetern Restwandstärke ab. „Dahinter ist kein Holz mehr“, erklärt Walter die Messergebnisse und klopft auf die äußerlich fest aussehende, aber hohl klingende Wurzel mit Fäule. „Die haben keine große Zukunft mehr“, fasst Ulrich Walter seine Ergebnisse zusammen. In den nächsten Jahren oder Jahrzehnten stürben sie vollends ab. „Denn die Wurzeln sind nicht mehr in der Lage, den ganzen Baum bis zur Krone zu versorgen“, erklärt Walter. Dadurch bilde sich weiter Totholz, das stets herausgeschnitten werden müsse. Nach und nach schrumpfen dadurch die Bäume zum Torso. „Mir tut jeder Baum weh, den man fällen muss“, verdeutlicht er das Ergebnis seiner Untersuchungen. Dennoch empfiehlt er grundsätzlich: „Kränkelnde Gewächse entfernen und für spätere Generationen neue Bäume  setzen.“

An der Stelle der jetzigen Boule-Bahn ist eine größere Spielfläche zur flexiblen Nutzung vorgesehen, die bei Turnieren mit Seilen zu separaten Bahnen abgegrenzt werden kann. „Es braucht ein anderes Material“, warnt der Baumgutachter eindringlich vor den sogenannten Nullanteilen im Kies. Das sind Körnungen unter einem Millimeter Durchmesser, die das für die Bäume wichtige Bodensystem schließen und so weder ausreichend Wasser noch Luft durchlassen. Er empfiehlt stattdessen groben Sand und Schotter mit leicht ansteigender Schichtdicke von den Baumwurzeln weg. Die Fläche bliebe bei den Märkten mit einem PKW befahrbar. „Und ich denk‘, die Bouler werden damit auch zurechtkommen“, lächelt er Helmut Fischer und Jürgen Bertsch von den „Boulefreunden“ an. Diese bestätigen nickend.  Walter empfiehlt zudem, nur einen Handschacht in Baumnähe und unter Aufsicht eines Spezialisten einzusetzen, um die Wurzeln der umliegenden Bäume nicht irreparabel zu schädigen. „Man muss sachte den Boden abziehen und dann neu aufbauen“, sagt der Experte.

„Wir können mit beiden Varianten – Baumerhalt durch Auskürzen oder Fällen mit Neupflanzungen – leben“, macht Bürgermeister Komor bezüglich der Boule-Bahn im Gemeinderat deutlich. Die Realisation ist erst im nächsten Frühjahr angedacht. Nicht nur Gemeinderat Walter Mack setzt sich gegen eine Fällung ein. Auch Alexander Enderle will den Parkcharakter mit den alten Bäumen behalten. Dem stimmt Tilman Schoch zu, bittet aber dennoch, eine teilweise Neupflanzung für spätere Generationen ins Auge zu fassen.

Die Verwaltung wird im Anschluss einstimmig damit beauftragt, die Bäume im Schlösslespark verkehrssicher zurückzuschneiden, die Boulefläche zu realisieren sowie die Kosten für den Handaushub neu zu ermitteln. Weiter verpflichtet Bürgermeister Komor sich zu Gesprächen mit den „Boulefreunden“, um deren ehrenamtliche Leistungen rund um den Boulebahnbau zu konkretisieren. Zudem will man sich gemeinsam auf Sponsorensuche begeben. Die Kosten der ersten Planung mit Flächenverdichtung beliefen sich auf rund 20 000 Euro, der Handschacht wird vermutlich teurer. „Es wird auf jeden Fall schöner aussehen als bisher“, ist sich Komor bei der Mischung aus Grünzone und sandiger Fläche sicher.

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