Mord ohne Motiv? Mitglied von "NSU-Watch" spekuliert über lokale Verbindungen zum Polizistenmord

Experte Lucius Teidelbaum spricht in Hall über die vielen offenen Fragen zur rechten Szene im Landkreis und in Baden-Württemberg. Der Polizistenmord von Heilbronn gibt weiter Anlass für wilde Spekulationen.

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Die Gedenktafel für die ermordete Polizistin Michèle Kiesewetter an der Heilbronner Theresienwiese.  Foto: 

Der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter wird der Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) zugeordnet. Die Hintergründe der Tat sind jedoch noch immer nicht vollständig aufgeklärt. Lucius Teidelbaum, Mitglied der Gruppe "NSU-Watch", zeigt bei seinem Vortrag auf, welche möglichen Verbindungen des NSU es nach Baden-Württemberg, Heilbronn und Schwäbisch Hall gegeben haben könnte. Die Frage des Motivs kann auch er nicht klären. Aber eine Fülle an Informationen, Namen, Verbindungen, Details und Spuren aufzeigen, die erahnen lässt, welches Ausmaß die ganze Wahrheit haben könnte.

In Heilbronn wird die Polizistin Michèle Kiesewetter am 25. April 2007 auf der Theresienwiese getötet und ihr Kollege lebensgefährlich verletzt. Erst vier Jahre später wird das Verbrechen wegen Waffenfunden der rechtsterroristischen Gruppe NSU zugeordnet, die für eine Reihe rassistischer Morde verantwortlich gemacht wird, welche lange Zeit fälschlicherweise als "Döner-Morde" bezeichnet worden sind.

Seit November 2014 gibt es im Stuttgarter Landtag einen Untersuchungsausschuss, der die Aufarbeitung der Kontakte und Aktivitäten des NSU in Baden-Württemberg und die Umstände der Ermordung der Polizeibeamtin aufklären soll. Referent Lucius Teidelbaum ist Mitglied von "NSU-Watch Baden-Württemberg", einer Projektgruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, diesen Untersuchungsausschuss zu beobachten, zu dokumentieren und eigenständig weiter zu recherchieren. Aus diesem Grund werden auch keine Fotos von der Veranstaltung im Löwenkeller gewünscht.

"Zum Recherchieren bin ich oft in der rechten Szene unterwegs, erklärt Teidelbaum knapp. Da ist es besser, wenn man mein Gesicht nicht kennt." Den etwa 30 Zuhörern gibt er gleich zu Beginn seines etwa 90-minütigen Vortrages mit auf den Weg: "Sie werden mit mehr Fragen gehen als sie gekommen sind." In seiner Präsentation fallen viele Namen. Viele Fotos sind zu sehen und viele Zufälle werden aufgezeigt.

Enges Netzwerk von Thüringern und "Spätzles"

Zahlreiche Zusammenhänge werden dargestellt, und es tauchen immer wieder die gleichen Namen auf. Häufig in doppelter Besetzung. Als Mitglied einer rechten Vereinigung und als V-Mann des Verfassungsschutzes. Als Anwalt einer schwäbischen Kanzlei und zugleich als Sänger einer rechten Band. Auch die Ortsbezeichnungen werden immer lokaler. So tauchen auf den bei der NSU gefundenen Listen immer wieder Adressen aus Stuttgart, Tübingen und Ludwigsburg auf. Als die "Thüringer und die Spätzles" sollen sie sich im internen Gebrauch bezeichnet haben.

Eine Liste mit etwa 200 Namen von Unterstützern soll kursieren. "Manche halten eine Liste von 1000 Namen mit Unterstützern für möglich." Der Ursprung der Verbindung des NSU nach Baden-Württemberg könne seiner Meinung nach auch darin liegen, dass viele, die zusammen im Osten ihre Jugend verbracht haben, nach der Wende wegen der Arbeitsplätze nach Baden-Württemberg gekommen sind.

Dann wird es noch lokaler. Ein Geschäft in Wolpertshausen taucht auf, Polizisten, die dem Ku Klux Klan in Hall angehörten. "Der NSU war quasi umzingelt von V-Leuten, die offensichtlich nicht alles weiter gegeben haben. Oder noch schlimmer, der Geheimdienst wusste es und hat nichts getan."

Während bei den rassistisch motivierten Morden des NSU das Motiv auf der Hand zu liegen scheint, ist dies beim "geheimnisvollsten Mord, weil er aus der Reihe fällt", nicht annähernd zu erkennen. Ist Michèle Kiesewetter, die erst kurz zuvor ihren Dienst getauscht hatte, ein Zufallsopfer? "Ich halte dies für die unwahrscheinlichste Annahme", so Teidelbaum. "Hat sie etwas gewusst und hatte man Angst, dass sie etwas verrät?" Der Referent kann die Frage nicht beantworten. Aber durch seinen Vortrag haben die grausamen Taten Namen und Gesichter bekommen. Und eine lokale Nähe, die betroffen macht. Das heile Bild der bunten und weltoffenen Region hat hässliche Risse bekommen.

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Kommentare

10.08.2015 12:17 Uhr

Jetzt wurde meine Homepage gesperrt

Liebe Moderatoren, vielleicht sollte ich ihre „Warnung“, meine Kommentare zu löschen, befolgen.
Vor ein paar Minuten wurde meine Homepage gesperrt.

Meine letzte Homepage bei magix wurde anno 2009 gesperrt. In der selben Woche mein Account bei der Süddeutschen. Noch am selben Tag meine drei W-Lan Sticks, zwei bei Vodafone und einen bei O2.

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10.08.2015 11:50 Uhr

noch einige gute Artikel mehr dazu in Kontext

"(...) Wieso hat die Polizei nicht konsequenter durchgegriffen, als herauskam, dass zwei Beamte Mitglieder des rassistischen Ku-Klux-Klans waren? (...)"
http://www.kontextwochenzeitung.de/politik/220/fantastische-welt-2955.html

"Ganze 27 "Vorkommnisse mit rechtsradikalen Tendenzen" im Land hat das Innenministerium für die Jahre 2001 bis 2011 ermittelt. Einer davon war der Beitritt eines Polizisten zum rassistischen Ku Klux Klan (KKK). Als Zeuge im NSU-Untersuchungsausschuss gab er jetzt einen bestürzenden Einblick in seine Beweggründe. Ernsthafte Konsequenzen wurden nie gezogen. (...)"
http://www.kontextwochenzeitung.de/politik/219/auf-ein-bier-zum-kkk-2935.html

"(...) (Staatsanwalt) Christoph Meyer-Manoras ist verantwortlich dafür, dass die Heilbronner Behörden jahrelang der Phantomspur verunreinigter Wattestäbchen nachjagten. Das wäre als Aufklärerpech zu verbuchen, würde der Erste Staatsanwalt bescheidener agieren bei seinem Auftritt vor dem Ausschuss, verzichten auf Bemerkungen wie "Dass Ufos auf der Theresienwiese landen, lässt sich aus philosophischer Sicht auch nicht verneinen". Geradezu paradox ist seine Herabsetzung von Zeugen – "Die schlechteste aller Quellen, weil nicht nur Lügner, sondern zugleich Fehler, Überlagerungen und Erinnerungslücken identifiziert werden müssen" –, will er selbst als Zeuge vor dem Ausschuss doch ernst genommen werden. (...)"
http://www.kontextwochenzeitung.de/politik/226/keiner-schuld-bewusst-3045.html

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10.08.2015 11:42 Uhr

„ zu den lokalen Verbindungen Thüringen, Sachsen und Spätzles“

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/leipziger-korruptionsskandal-was-nicht-passt-wird-weggelassen-1462299.html
Linkspartei-Politiker Klaus Bartl, der zu DDR-Zeiten als Staatsanwalt und als Leiter der Abteilung Staat und Recht der SED-Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt tätig war:

„Ein regelrechtes Netzwerk aufgebaut“
Im Freistaat Sachsen, behauptete er, sei es Anfang der neunziger Jahre einer „zahlenmäßig nicht kleinen Gruppe von herausgehobenen Personen in Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Justiz und Polizei“ gelungen, „ein regelrechtes Netzwerk aufzubauen“. Unter dessen Einfluss sei „zumindest in einem regional begrenzten Bereich die Gewaltenteilung praktisch aufgehoben“ gewesen.

Gegenseitiger Schutz vor Polizeizugriff
Die Mitglieder dieses Zirkels hätten den Gleichheitsgrundsatz ignoriert. Für sie galt: „Über uns ist nur der Himmel . . .“ Man schützte sich gegenseitig vor dem Zugriff von integer ermittelnden Polizeibeamten und Staatsanwälten. Das geschah durch Amtsmissbrauch, Erpressung, Unterlassung der Strafverfolgung oder grenzenlose ,Vermilderung' der Strafen.“

Der Kölner Strafrechtler Sommer erklärte vor dem Ausschuss, daß er in seinem Leben noch nie so fragwürdige Vorgänge erlebt habe wie mit der sächsischen Justiz.
"Wie hier in Sachsen versucht wird, mit staatlicher Macht (der Stasi-Nostra!) Einfluss auf juristische Verfahren zu nehmen, das ist in Deutschland neu und unüblich", sagt Sommer und schiebt nach: "Um es einmal zurückhaltend auszudrücken."

Und dann glauben wir immer noch, das jemals auch nur ein Bruchteil der Verstrickungen von Ämtern und Behörden beim NSU-Komplex das Licht der Öffentlichkeit erblicken?

Ein Staat im Staat - schon seit 25 Jahren, der seine eigene Gesetze macht und die der BRD nicht akzeptiert.

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10.08.2015 10:17 Uhr

"Lebensversicherung" hat dem NSU-Zeugen nichts genützt

"(...) Florian Heilig (21) sollte im September 2013 zum NSU aussagen. Wenige Stunden zuvor verbrannte er in seinem Auto. (...)"

http://www.kontextwochenzeitung.de/politik/205/papa-das-ist-meine-lebensversicherung-2765.html
...

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10.08.2015 09:56 Uhr

Aufteilung in mehrere Kommentare, vielleicht überlebt es einer

„Es existiert in Deutschland eine grundrechtsverachtende Parallelwelt, eine Unterwelt“, schreibt Herr Prantl von der Süddeutschen. Das kommt der Sache schon ziemlich nahe!

Das Jahrhundertwerk Deutsche Einheit - es droht zugleich als Jahrhundert-Abzocke in die Geschichtsbücher einzugehen. Und nur darum geht es m.M. nach schlussendlich! Sich gegenseitig bei der Begehung von Straftaten beschützen um sich illegal und straffrei auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern!!

Dieser "Spaß" hat uns bisher 3000 Milliarden Euro gekostet!
Spiegel: Das Jahrhundertwerk Deutsche Einheit - es droht zugleich als Jahrhundert-Abzocke in die Geschichtsbücher einzugehen.
"Wo genau das Geld geblieben ist, wieviel davon mit hoher krimineller Energie umgeleitet wurde auf private Konten, wieviel einfach durch überhöhte Kosten oder mangelnde Rechnungsführung - völlig legal - verschleudert wurde, weiß so recht niemand. (Na ja, ich schon).
Milliardengrab Aufschwung Ost. Report über die Geldverschwendung in den neuen Bundesländern".

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10.08.2015 09:51 Uhr

Aufteilung in mehrere Kommentare, vielleicht überlebt es einer

Das enge Netzwerk von Thüringen, Sachsen und Spätzles bezieht sich auf die Organisierte Kriminalität!

(...)Danach sollen im Vogtland um Plauen und Zwickau weitere rund 100 Personen ins Visier der Ermittler geraten sein. Zur Hälfte sollen sie den Bereichen Polizei und Justiz angehören.
+++ Kindesmissbrauch durch Richter, Politiker und Staatsanwälte im Schutze de Maizieres +++

Das Geschäft auf Gegenseitigkeit diente der Vertuschung schwerster Kapitalverbrechen. Nach neuesten Informationen wurden unter anderem "'Zigeuner-Kinder' im Alter zwischen acht und zehn Jahren aus Tschechien nach Sachsen" verschleppt und danach sexuell missbraucht.

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10.08.2015 09:50 Uhr

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Die SHA Staatsanwälte wollten auch mir einen Raubmord anhängen, dazu mein Telefon abhörten und die Informationen für einen Raubüberfall nutzen, den sie mir dann anhängen wollten. Hätte auch fast geklappt. Die Täter waren m.M. nach Schwäbisch Haller Polizisten! Doch dies interessiert nicht mal den Generalbundesanwalt. Genau wie im Fall Dutroux.

http://siggi40.de/schwaeb-hall/

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10.08.2015 09:47 Uhr

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„ ... wegen Waffenfunden der rechtsterroristischen Gruppe NSU zugeordnet“
Da die zwei Uwes bereits tot waren, als das Wohnmobil in der Wohngegend abgestellt wurde, hat auch „jemand“ diese Waffen dort deponiert. Z.B. von der Person, die das Wohnmobil kurz vor dem Brand verlassen hatte, wie es mehrere Zeugen bestätigten.

Keine Spekulation, sondern alles Zeugenaussagen, z.B. von den Feuerwehrmännern, die als erste das Wohnmobil betraten und Fotos machten. Kein Foto stimmt mit den anschließenden (Lügen)geschichten unserer „(Volksverdummungs)behörden“ überein. Warum wohl?

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10.08.2015 09:45 Uhr

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27 ZEUGEN ERMORDET !!! - Dutroux und die toten Zeugen
https://youtu.be/NHoGrV5xrEg
Weshalb erinnert mich der NSU-Komplex mit all seinen "Umständen und Juxtizpannen“ 1:1 an den Fall Dutroux? Oder an die Aufklärungsunterdrückung beim Sachsen-Sumpf? Überall die selbe Handschrift, wie ein roter Faden.

27 Zeugen starben auf unerklärliche Weise. Alle haben sich verselbstmordet, so die offizielle Stellungnahme der Ermittlungsbehörden und Juxtiz. Woher kennen WIR das?

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Themenschwerpunkt

Die Mordserie des NSU und ihre Aufarbeitung

Zehn lange Jahre zog die neonazistische Terrorzelle NSU mordend durch Deutschland. Anfang 2013 hat in München der Prozess gegen die letzte Überlebende, Beate Zschäpe, begonnen. In Stuttgart tagt währenddessen ein Untersuchungsausschuss.

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